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Interview

Warum KI keine IT-Security-Experten ersetzen kann

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Security Operations mit KI-gestützter Automatisierung

Der Fachkräftemangel in der IT-Security ist chronisch. Auf der it-sa sehen wir immer mehr Automatisierungs- und XDR-Ansätze. Erleben wir gerade den Wendepunkt, an dem Security Operations ohne KI-gestützte Automatisierung überhaupt nicht mehr machbar sind?

Thimo Holst: In vielen Bereichen erleben wir diesen Wendepunkt bereits. Die Menge an Sicherheitsdaten, Alarmen und potenziellen Angriffen ist so groß geworden, dass rein manuelle Prozesse an ihre Grenzen stoßen.Automatisierung und moderne XDR-Plattformen helfen dabei, Sicherheitsereignisse effizienter zu korrelieren und schneller zu reagieren. KI wird dabei zunehmend zum Enabler. Sie ersetzt jedoch keine Security-Experten. Vielmehr ermöglicht sie ihnen, sich auf komplexe Analysen und strategische Aufgaben zu konzentrieren. Der Fachkräftemangel wird uns noch lange begleiten. Deshalb wird intelligente Automatisierung künftig nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sondern in vielen Unternehmen eine Grundvoraussetzung für effektive Sicherheitsarbeit sein.

Das Thema „Souveräne Cloud“ und der Wunsch nach Unabhängigkeit von außereuropäischen Hyperscalern treibt viele um. Spüren Sie auf der Messe ein echtes Umdenken hin zu europäischen Lösungen, oder siegt am Ende doch meist der Preis und die Bequemlichkeit?

 Thimo Holst: Das Interesse an digitaler Souveränität hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Themen wie Datensouveränität, Resilienz und geopolitische Abhängigkeiten beschäftigen inzwischen nicht mehr nur Behörden oder kritische Infrastrukturen, sondern weite Teile der Wirtschaft. Auf der it-sa beobachten wir daher ein wachsendes Interesse an europäischen Anbietern und souveränen Cloud-Konzepten. 
Gleichzeitig treffen Unternehmen ihre Entscheidungen weiterhin auf Basis verschiedener Faktoren. Neben Sicherheits- und Compliance-Aspekten spielen Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit und bestehende Ökosysteme natürlich eine wichtige Rolle.Es geht deshalb zunehmend nicht um ein entweder-oder, sondern um die Frage, wie sich Sicherheitsanforderungen, Souveränität und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Neue Risiken für die IT-Security durch KI

KI agiert immer autonomer. Welche neuen Sicherheitsrisiken bringt das für die IT-Infrastruktur mit sich – und wo muss die Abwehr ansetzen, direkt auf der Hardware oder in der Cloud?

 Thimo Holst: Mit zunehmender Autonomie von KI-Systemen steigt auch die Komplexität der Risikolandschaft. Unternehmen müssen sich mit neuen Angriffsszenarien beschäftigen, etwa der Manipulation von Trainingsdaten, kompromittierten Modellen oder missbräuchlich genutzten KI-Agenten.

Deshalb darf Sicherheit nicht erst an einer einzelnen Stelle ansetzen. Notwendig ist ein ganzheitlicher Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Dazu gehören sichere Hardware, geschützte Infrastrukturen, vertrauenswürdige Datenquellen, robuste Identitäts- und Zugriffsmodelle sowie kontinuierliches Monitoring.Die Frage lautet daher weniger „Hardware oder Cloud“, sondern vielmehr „Hardware und Cloud“. Sicherheitskonzepte müssen künftig alle Ebenen gleichermaßen berücksichtigen.

Wenn Sie den Ausblick auf das kommende Jahr 2027 wagen: Was ist das eine Thema, mit dem sich jeder Geschäftsführer und CISO jetzt sofort beschäftigen muss, um im nächsten Jahr nicht kalt erwischt zu werden?

 Thimo Holst: Wenn ich mich auf ein Thema festlegen müsste, dann wäre es die sichere und strategische Integration von Künstlicher Intelligenz in Unternehmensprozesse. KI wird in den kommenden Jahren nahezu alle Geschäftsbereiche verändern. Wer ihre Potenziale nicht nutzt, verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Wer sie unkontrolliert einsetzt, schafft neue Risiken. Genau dieses Spannungsfeld wird Unternehmen 2027 beschäftigen.

Geschäftsführer und CISOs sollten deshalb bereits heute Governance-Strukturen, Sicherheitsrichtlinien und Kompetenzaufbau rund um KI etablieren. Die zentrale Frage wird nicht mehr sein, ob Unternehmen KI einsetzen, sondern wie sie dies sicher, verantwortungsvoll und wirtschaftlich erfolgreich tun.Die it-sa Expo&Congress als Europas führende Fachmesse für IT-Sicherheit bringt dazu die relevanten Anbieter, Experten und Anwender zusammen und zeigt Jahr für Jahr, welche Lösungen und Strategien den Markt bewegen.

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