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Talentförderung KI-Einführung: Mittelstand warnt vor Führungslücke durch KI

Von Stefan Girschner 4 min Lesedauer

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Laut einer neuen Studie von Baker Tilly erwarten 61 Prozent der Entscheider im deutschen Mittelstand durch die KI-Einführung einen verschärften Fachkräftemangel. 41 Prozent der Unternehmen haben Mühe, mit der Geschwindigkeit des Wandels Schritt zu halten.

(Bild:  © Angelov/stock.adobe.com)
(Bild: © Angelov/stock.adobe.com)

Darum Geht'S

Folgen der KI-Einführung: 61 Prozent der Entscheider im deutschen Mittelstand erwarten durch KI verschärften Fach- und Führungskräftemangel.

Balance zwischen Technologie und Talentförderung: 41 Prozent der Unternehmen haben Mühe, mit dem Tempo des Wandels Schritt zu halten. Führungskräfte sehen Gleichgewicht zwischen Technologie und Talentförderung als zentrale Herausforderung.

Mittelstand versus Konzerne: Eine Mehrheit von 59 Prozent der Befragten sieht den Mittelstand bei Innovation im Vorteil gegenüber Konzernen.

Deutschlands Mittelstand steht vor einem strategischen Dilemma: Seine Top-Entscheider sehen Technologie als wesentlichen Treiber in der kommenden Dekade. Zugleich befürchtet jeder Zweite, falsch gesetzte Prioritäten zugunsten künstlicher Intelligenz könnten sich bis 2035 als Wachstumsbremse erweisen. Im internationalen Vergleich weist Deutschland dabei den höchsten Grad an Skepsis auf, wenn es darum geht, den Spagat zwischen Technologieeinsatz und Talentförderung erfolgreich zu meistern. Das zeigt die neue Studie „The Mid-Market Maze“ der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Baker Tilly. Befragt wurden insgesamt 1.500 Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen in neun Ländern, die zwischen 50 Millionen und einer Milliarde US-Dollar Umsatz erzielen.

Ralf Gröning ist Managing Partner bei Baker Tilly in Deutschland.(Bild:  Baker Tilly)
Ralf Gröning ist Managing Partner bei Baker Tilly in Deutschland.
(Bild: Baker Tilly)

Ralf Gröning, Managing Partner bei Baker Tilly und Co-Autor der Studie, erläutert: „Führungskräfte des deutschen Mittelstands blicken deutlich kritischer als ihre internationalen Konkurrenten auf die kommende Dekade. Unternehmen investieren zwar in KI, Automatisierung und digitale Transformation. Gleichzeitig wächst jedoch die Sorge, dass genau diese Technologien die Entwicklung künftiger Führungskräfte erschweren könnten.“ Demnach erwarten 62 Prozent der deutschen Entscheider eine zunehmende Führungslücke, weil viele Einstiegs- und mittlere Managementpositionen durch KI-Einführung verändert oder ersetzt werden. Gerade diese Positionen gelten traditionell als wichtige Entwicklungsstufen für den Führungsnachwuchs.

KI-Einführung: Wettbewerb um Top-Talente verschärft sich

61 Prozent der befragten deutschen Entscheider sehen den zunehmenden Wettbewerb um hochqualifizierte, erfahrene Fachkräfte als größte Wachstumsbremse bis 2035. Zugleich bekennen 41 Prozent, dass ihr Unternehmen Mühe habe, mit dem Tempo des technologischen Wandels Schritt zu halten. Beide Werte liegen knapp über dem internationalen Durchschnitt. Weltweit zeigt die Studie eine wachsende Unsicherheit darüber, wie Unternehmen technologische Effizienz und menschliche Führungsqualitäten künftig in Einklang bringen können. Mehr als die Hälfte der Befragten befürchtet, dass klassische Managementkompetenzen auf der Strecke bleiben könnten.

Prof. Dr. Thomas Edenhofer ist Managing Partner und Leiter des Geschäftsfelds Audit & Advisory bei Baker Tilly in Deutschland.(Bild:  Baker Tilly)
Prof. Dr. Thomas Edenhofer ist Managing Partner und Leiter des Geschäftsfelds Audit & Advisory bei Baker Tilly in Deutschland.
(Bild: Baker Tilly)

Prof. Dr. Thomas Edenhofer, Managing Partner und Leiter des Geschäftsfelds Audit & Advisory bei Baker Tilly in Deutschland, ergänzt: „KI und Automatisierung verändern Geschäftsmodelle in rasantem Tempo; sie beeinflussen aber auch die Entwicklung der nächsten Führungsgeneration. Mittelständische Unternehmen müssen ein neues Gleichgewicht finden: Technologie sollte Innovationen beschleunigen, ohne menschliche Fähigkeiten und Führungsstärken zu verdrängen.“

Dass sich Führung grundlegend verändern wird, davon sind die Unternehmen bereits überzeugt: 73 Prozent der deutschen Entscheider erwarten, dass durch die KI-Einführung bis 2035 neu definiert wird, was gute Führung ausmacht. Als wichtigste Fähigkeiten der Zukunft nennen sie Problemlösungskompetenz und Kommunikationsfähigkeit (jeweils 81 Prozent), den Umgang mit Unsicherheit (79 Prozent), strategisches Denken (77 Prozent) und Agilität (75 Prozent).

Mittelstand sieht sich bei Innovation im Vorteil

Trotz aller Herausforderungen blickt der deutsche Mittelstand insgesamt optimistisch in die Zukunft: 59 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass mittelständische Unternehmen bis 2035 große Konzerne in Sachen Innovation übertreffen werden. Mit diesem Optimismus liegen sie sogar leicht (3 Prozentpunkte) über dem internationalen Schnitt.

Gleichzeitig offenbart die Studie Nachholbedarf bei der Entwicklung von Führungskräften. Nur ein Drittel der deutschen Entscheider sehen eine Priorität darin, Leadership-Kompetenzen voranzutreiben. Die Bereitschaft, in „People and Leadership“ signifikant zu investieren, fällt in Deutschland mit 65 Prozent spürbar niedriger aus als in allen anderen untersuchten Ländern.

„Wer den Faktor Mensch künftig in der Transformation vernachlässigt, riskiert langfristig spezifische Vorteile gegenüber der Konzernwelt einzubüßen. Die Herausforderung besteht darin, technologischen Wandel und menschliche Urteilskraft sowie Führungsqualität in Einklang zu bringen. Denn gerade in einer zunehmend technologiegetriebenen Welt werden menschliche Werte an Bedeutung gewinnen“, so das Fazit von Ralf Gröning.

Zur Methodik der Studie: Für die Studie "The mid-market maze" hat Baker Tilly International rund 1.500 Top-Entscheider mittelständischer Unternehmen zu den größten Herausforderungen bei der KI-Einführung bis 2035 befragt. Die Unternehmen aus neun Ländern (Australien, Kanada, China, Frankreich, Deutschland, Indien, UAE, UK, USA) weisen einen Umsatz zwischen 50 Millionen und einer Milliarde US-Dollar und mehr als 100 Beschäftigten auf. Zu den untersuchten Branchenschwerpunkten zählten Real Estate und Construction, Financial Services, Manufacturing, Automotive und Transport sowie Healthcare und Life Sciences. Der Untersuchungszeitraum war von Dezember 2025 bis Januar 2026.
Baker Tilly bietet mit mehr als 50.400 Mitarbeitern in 147 Ländern Beratungsdienstleistungen in den Bereichen Audit & Advisory, Tax, Legal und Consulting an.

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