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Serie: KI-Technologie aus China – Teil 32 KI-Offensive von China: Smart Hospital

Ein Gastbeitrag von Dr. Lili Yang 6 min Lesedauer

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China erfindet das Krankenhaus neu. Künstliche Intelligenz wird nicht mehr nur für einzelne diagnostische Anwendungen eingesetzt, sondern als Bestandteil einer digitalisierten Klinik gedacht. Von Aufnahme und Triage über Diagnostik und Therapie bis zu Dokumentation und Nachsorge sollen KI-Systeme Ärzte und Pflegekräfte im Smart Hospital begleiten. Im Smart Hospital wachsen Patientendaten, medizinische Geräte, Krankenhaus-Informationssysteme und spezialisierte KI-Agenten zu einem integrierten System zusammen.

(Bild:  © Iuliia/stock.adobe.com – generiert mit KI)
(Bild: © Iuliia/stock.adobe.com – generiert mit KI)

Das chinesische Starprojekt für ein Smart Hospital ist das von der Tsinghua-Universität entwickelte Agent Hospital. Es bildet den gesamten Behandlungszyklus virtuell ab und dient zunächst als Forschungs- und Simulationsumgebung. 42 KI-Ärzte und vier digitale Pflegekräfte bearbeiten Patientenfälle. Das System umfasst inzwischen 26 Abteilungen und mehr als 1.000 Krankheitsbilder, darunter Notfallmedizin, Kardiologie, Neurologie und Radiologie. Bis zu 10.000 virtuelle Behandlungen können pro Tag durchgeführt werden. Beim medizinischen MedQA-Benchmark erreichten die virtuellen Ärzte eine Genauigkeit von 93,06 Prozent.

Interessanter als diese spektakulären Zahlen ist die Architektur dahinter. Die KI-Agenten übernehmen nicht nur einzelne ärztliche Aufgaben, sondern bilden zusammenhängende klinische Prozesse ab. Mit der Methode MedAgent-Zero lernen sie aus der Interaktion mit simulierten Patienten. Ein duales Gedächtnissystem speichert erfolgreiche Behandlungsfälle in einer Medical Case Base und daraus abgeleitete klinische Erfahrungen in einer Experience Base. So entsteht eine Art digitales Trainingskrankenhaus, in dem Behandlungsabläufe wiederholt und optimiert werden können, ohne reale Patienten einem Risiko auszusetzen.

Smart Hospital: KI analysiert, Arzt entscheidet

Das Bild zeigt die Startkonfiguration des AI Hospital in der Testphase Ende 2024 mit 42 KI-Ärzten, die auf 21 Abteilungen verteilt waren. Heute liegt der Fokus auf Arzt-Doppelgängern (Dr. Avatar), also personalisierte KI-Assistenten für echte Ärzte. Die Nutzeroberfläche ist auf die Interaktion mit diesen intelligenten Agenten ausgerichtet. (Bild:  Tsinghua University)
Das Bild zeigt die Startkonfiguration des AI Hospital in der Testphase Ende 2024 mit 42 KI-Ärzten, die auf 21 Abteilungen verteilt waren. Heute liegt der Fokus auf Arzt-Doppelgängern (Dr. Avatar), also personalisierte KI-Assistenten für echte Ärzte. Die Nutzeroberfläche ist auf die Interaktion mit diesen intelligenten Agenten ausgerichtet.
(Bild: Tsinghua University)

Der entscheidende nächste Schritt führt von der Simulation in die reale Klinik. Hier setzt das im März 2026 vorgestellte Super AI Hospital in Boao auf der Insel Hainan an. Dort werden reale Patientendaten verarbeitet. Die KI soll jedoch nicht autonom behandeln, sondern als Copilot menschlicher Mediziner arbeiten. Wie dies funktionieren kann, zeigt ein Patient mit unklaren thorakalen Beschwerden. Die KI analysiert EKG, frühere Arztbriefe, Medikationshistorie und vergleichbare Krankheitsverläufe.

Das System umfasst heute mehr als eine Million KI-Patienten aus verschiedenen Ländern, die alle Altersgruppen abdecken und an unterschiedlichen Erkrankungen leiden. Diese KI-Patienten können entweder digitale Avatare realer menschlicher Patienten sein oder automatisch von KI-Modellen unter Einbeziehung einer medizinischen Wissensdatenbank generiert werden.(Bild:  Tsinghua University)
Das System umfasst heute mehr als eine Million KI-Patienten aus verschiedenen Ländern, die alle Altersgruppen abdecken und an unterschiedlichen Erkrankungen leiden. Diese KI-Patienten können entweder digitale Avatare realer menschlicher Patienten sein oder automatisch von KI-Modellen unter Einbeziehung einer medizinischen Wissensdatenbank generiert werden.
(Bild: Tsinghua University)

Als Wissensbasis dient unter anderem eine Datenbank mit mehr als 50 Millionen anonymisierten Verläufen. Daraus erzeugt das System einen Diagnosevorschlag und priorisiert weitere Untersuchungen. Die Entscheidung verbleibt beim Kardiologen, der die Vorschläge kontrolliert, verändert oder verwirft. Das Grundprinzip lautet damit: KI übernimmt Analyse-, Such-, Vergleichs- und Dokumentationsaufgaben, medizinische Verantwortung und Entscheidung verbleiben beim Menschen.

Smart Hospital: KI wird zur klinischen Plattform

In Boao wird dieser Ansatz bereits mit konkreten Anwendungen verbunden. Seit August 2025 läuft dort ein KI-gestütztes Früherkennungsprogramm für zehn Hochrisikokrebsarten, darunter Pankreas-, Leber- und Magenkarzinome. Die auf konventioneller Flat-Panel-CT-Technologie basierende Methode soll eine Erkennungsrate von mehr als 90 Prozent erreichen und gleichzeitig die Kosten um über 20 Prozent reduzieren. Zusätzlich werden kardiovaskuläre Risiken und Osteoporose untersucht. Die durchschnittliche Diagnosezeit pro Patient soll unter drei Minuten liegen, klinikintern wird von einer um etwa 30 Prozent höheren Effizienz bei der Entscheidungsfindung berichtet.

Technisches Rückgrat ist eine Alliance MaaS-Plattform – Model as a Service –, in der medizinisches Wissen, Leitlinien und reale Versorgungsdaten zusammengeführt werden. Zu den Komponenten gehören der Qianbing Intelligent Agent, der Wissen über Tausende Krankheitsbilder bereitstellt, sowie der Qianyuan Intelligent Agent, der für den Einsatz in Tausenden Kliniken ausgelegt ist. Das einzelne KI-Modell wird damit Teil einer übergeordneten klinischen Plattform.

Darin liegt der eigentliche Paradigmenwechsel. In vielen Krankenhäusern beginnt KI mit isolierten Projekten: einem Algorithmus für radiologische Bilder, einer Software zur automatisierten Dokumentation oder einem Assistenzsystem auf einer einzelnen Station. Solche Anwendungen können erfolgreich sein, bleiben aber häufig Insellösungen. Das Smart Hospital dreht diese Logik um. Nicht einzelne KI-Anwendungen werden nachträglich in die Klinik integriert, sondern das Krankenhaus wird von Anfang an als vernetztes digitales System konzipiert.

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Das ist zugleich eine Antwort auf die verbreitete Pilotitis. Typische Hindernisse bei der Skalierung sind mangelnde Workflow-Integration, unterschiedliche Nutzung derselben Technologie durch einzelne Abteilungen, fehlende Governance sowie Change Fatigue bei Ärzten und Pflegekräften. Erzeugt ein KI-System zusätzliche Klicks oder doppelte Dokumentation, kann Digitalisierung die Belastung sogar erhöhen, statt sie zu reduzieren.