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KI-Technologie: Warum die Kontextschuld so wichtig ist

Von Dr. Joerg Storm 6 min Lesedauer

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KI-Technologie erreicht den Mittelstand. Doch je tiefer sie in Prozesse eingreift, desto teurer wird eine Stärke, die Unternehmen jahrzehntelang geschützt hat.

(Bild:  © InfiniteFlow/stock.adobe.com)
(Bild: © InfiniteFlow/stock.adobe.com)

DARUM GEHT’S

Warum günstige KI den Vorsprung großer IT-Abteilungen verkleinert – aber einen neuen Engpass schafft.

Weshalb Erfahrungswissen plötzlich zur unsichtbaren Schuld wird.

Warum die wichtigste Entscheidung für KI-Technologie nicht beim Modell beginnt. 

Der deutsche Mittelstand hat kein KI-Zugangsproblem mehr. Er hat ein Übersetzungsproblem. Die jüngste KfW-Auswertung zeigt für die Jahre 2022 bis 2024: 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen nutzten mindestens eine KI-Technologie. Anwendungen zur Erzeugung natürlicher Sprache kamen auf 14 Prozent. Maschinelles Lernen zur Datenanalyse erreichte dagegen nur drei Prozent, autonome Maschinenbewegung ein Prozent.

Das ist mehr als eine Statistik über Reifegrade. Sie zeigt, wo KI leicht wird – und wo sie teuer bleibt. Was sich als fertiges Werkzeug einkaufen lässt, verbreitet sich schnell. Sobald KI jedoch eigene Daten, Abläufe und Entscheidungen verstehen muss, bricht die Kurve ein.

Genau hier verschiebt sich der Wettbewerb. Je einfacher Standardmodelle zu beziehen sind, desto weniger unterscheidet ihr bloßer Zugang ein Unternehmen vom anderen. Der knappe Rohstoff ist der Kontext, der ein allgemeines Modell in die Lage versetzt, im eigenen Betrieb zuverlässig zu arbeiten. Für den Mittelstand ist das eine unbequeme Nachricht. Denn gerade seine größte Stärke kann zum Engpass werden.

Stilles Wissen wird zur Schuld

Der Mittelstand lebt seit Jahrzehnten von Wissen, das sich schwer kopieren lässt. Ein erfahrener Meister erkennt Abweichungen, bevor eine Kennzahl Alarm schlägt. Ein Disponent kennt die Ausnahme, die im ERP nirgends steht. Im Vertrieb existieren Regeln, die nie jemand als Regeln aufgeschrieben hat.

Solches Wissen war lange ein Schutzwall. Für KI kann derselbe Schutzwall zum Hindernis werden. Ein aktueller Beitrag im DUP Unternehmer-Magazin beschreibt das für den Maschinenbau sehr anschaulich: Wissen steckt dort oft in PDF-Handbüchern, Konstruktionsplänen, alten Fehlerprotokollen und in den Köpfen der Beschäftigten.

Ich nenne diesen Effekt Kontextschuld. Gemeint ist die wachsende Lücke zwischen Wissen, das Menschen im Alltag nutzen können, und Wissen, das KI-Technologie verlässlich verstehen und anwenden kann. Diese Schuld entsteht nicht erst mit KI. Sie wächst über Jahre. Ein Datenfeld bekommt mehrere Bedeutungen. Eine Excel-Liste ersetzt eine fehlende Funktion. Ausnahmen werden mündlich weitergegeben. Ein Ablauf funktioniert, weil erfahrene Mitarbeiter wissen, wann sie von der offiziellen Vorgabe abweichen müssen.

Bisher zahlte das Unternehmen die Zinsen dieser Schuld mit menschlicher Erfahrung. Man telefonierte, fragte nach oder erinnerte sich. KI verändert die Rechnung. Ein Agent braucht nachvollziehbare Regeln, Rechte und Daten. Er muss wissen, wann eine Ausnahme gilt und wer entscheiden darf. Ohne diesen Kontext bleibt aus dem intelligenten System ein erstaunlich schneller Assistent.

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