Trotz gesetzlicher Vorgaben und wachsendem Druck von Investoren schätzen nur 27 Prozent der deutschen Unternehmen ihre aktuellen Hinweisgebersysteme als „sehr effektiv“ ein, zeigt eine neue Studie von Navex. Zugleich berichtet fast die Hälfte der Unternehmen von Compliance-Vorfällen in den vergangenen drei Jahren.
Angesichts der hohen Nachfrage nach Whistleblower-Expertise baut Navex, international tätiger Anbieter von integrierter Risiko- und Whistleblowing-Management-Software seine Präsenz in Deutschland weiter aus. Die neuen Aktivitäten werden von Oliver Riehl geleitet, der ab sofort als Regional Vice President die Entwicklung und den Vertrieb in der Region vorantreiben wird.
Der Hintergrund: Seit Juli 2023 sind Unternehmen in Deutschland ab 50 Mitarbeitern gesetzlich verpflichtet, interne Hinweisgebersysteme einzuführen. Das bedeutet, sie müssen eine vertrauliche und sichere Möglichkeit schaffen, Missstände wie Diebstahl, Betrug, Korruption, Datenschutzverstöße oder andere Compliance-Verletzungen im Unternehmen zu melden. Doch viele Organisationen tun sich weiterhin schwer mit der praktischen Umsetzung – sowohl technisch als auch organisatorisch.
Unternehmen sind von Compliance-Regularien überfordert
„Was wir in Deutschland beobachten, ist ein deutlicher Nachholbedarf. Viele Firmen setzen noch auf Eigenlösungen, die oft weder datenschutzkonform, benutzerfreundlich oder skalierbar sind“, erklärt Oliver Riehl, Regional Vice President bei Navex. Laut einer aktuellen Erhebung des Compliance-Anbieters fühlen sich 46 Prozent der deutschen Unternehmen überfordert von den komplexen und sich ständig ändernden regulatorischen Anforderungen. Dieses Gefühl der Unsicherheit bremst viele Unternehmen bei der Entwicklung einer offenen und vertrauenswürdigen Meldekultur. „Hinweisgeber – also Beschäftigte, die Missstände im Unternehmen melden möchten – brauchen das Vertrauen, dass ihre Hinweise ernst genommen und sicher bearbeitet werden“, so Riehl. Er ist überzeugt: „Wenn das fehlt, bleiben wichtige Informationen oft auf der Strecke.“
Oliver Riehl ist Regional Vice President bei Navex.
(Bild: Navex)
Der „Regional Whistleblowing Benchmark Report 2025“ von Navex zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist: Deutsche Unternehmen dokumentieren deutlich weniger Meldungen als ihre internationalen Pendants. Während der Median in Nordamerika bei 1,75 Meldungen pro 100 Mitarbeitende liegt, kommt Europa ohne UK nur auf 0,70 – mit Deutschland als Nachzügler. Gleichzeitig werden hierzulande 59 Prozent der Hinweise anonym abgegeben. Ein deutlicher Hinweis auf mangelndes Vertrauen und ein klares Signal. Riehl erläutert: „Viele Beschäftigte fürchten negative Konsequenzen, wenn sie sich offen äußern. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, eine echte Speak-up-Kultur zu etablieren – gerade hier in der DACH-Region. Externe, unabhängige Hinweisgebersysteme spielen dabei eine entscheidende Rolle – insbesondere, weil sie anonymes Melden technisch ermöglichen und gleichzeitig Vertrauen schaffen.“
Viele Beschäftigte fürchten negative Konsequenzen, wenn sie sich offen äußern. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, eine Speak-up-Kultur zu etablieren.
Oliver Riehl, Navex
Unternehmen in Europa zögern bei der Aufarbeitung
Trotzdem – oder gerade deshalb – zeigt sich: Die eingehenden Hinweise sind hoch relevant. Die sogenannte Substantiierungsrate, also der Anteil an begründeten oder teilweise begründeten Meldungen, liegt in Europa bei 48 Prozent. Ein Wert, der stabile Aufklärungsprozesse und eine informierte Belegschaft nahelegt. Doch während in Nordamerika Hinweise im Schnitt innerhalb von 19 Tagen bearbeitet werden, dauert die Fallbearbeitung in Europa durchschnittlich 69 Tage. Auch das macht der Benchmark-Report deutlich.
Für Oliver Riehl ist das ein weiteres Argument, warum Unternehmen hierzulande externe Expertise in Anspruch nehmen sollten: „Was wir beobachten, ist ein klarer Professionalisierungsdruck. Regulatorik allein reicht oftmals nicht. Unternehmen brauchen daher sichere Systeme, klare Prozesse und eine Belegschaft, die darauf vertraut, dass Hinweise auch ernst genommen werden.“
Navex setzt auf lokale Präsenz in Deutschland
Um Unternehmen in Deutschland künftig noch gezielter bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen, stärkt Navex seine lokale Präsenz und Expertise durch ein eingetragenes Büro und ein Rechenzentrum in Frankfurt. Um das Onboarding, die Software-Adoption und den Support für deutschsprachige Kunden zu verbessern, bietet Navex vollständig lokalisierte Ressourcen in den Bereichen Professional Services, Implementierung, Support und Customer Success an.
Ein zentraler Schritt ist die Ernennung von Oliver Riehl zum Regional Vice President Sales. Mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich Compliance und Transformationsprojekte wird er die Marktentwicklung und den Ausbau der Infrastruktur in Deutschland maßgeblich vorantreiben. Riehl bringt über 20 Jahre Erfahrung in regulierten Märkten mit. Zuletzt war er als Head of Sales DACH und Country Manager bei ICIS tätig und verantwortete den Aufbau des Frankfurter Standorts sowie die Marktentwicklung in Zentraleuropa. Zuvor hatte er Führungspositionen bei Refinitiv und Thomson Reuters inne. Mit der Expansion in den DACH-Markt will NAVEX den lokalen Vertrieb und die Beratung stärken und weiterhin in Infrastruktur investieren – etwa in das Rechenzentrum in Frankfurt, das Kundendaten und Datenschutz in Deutschland gewährleistet.
Stand: 16.12.2025
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Compliance-Management als strategisches Frühwarnsystem
Mit über 13.000 Kunden weltweit, darunter viele Großunternehmen, zählt Navex zu den etablierten Anbietern im Bereich Governance, Risk und Compliance. Die Plattform Navex One integriert verschiedene Module für Hinweisgebersysteme, Compliance-Schulungen, Richtlinienmanagement und die Überwachung von Drittparteien. In den vergangenen Jahren wurde die Plattform kontinuierlich weiterentwickelt, um den steigenden Anforderungen an Lieferketten, Datenschutz und internationale Skalierbarkeit gerecht zu werden.
Gerade für deutsche Unternehmen werden solche integrierten Lösungen zunehmend wichtiger. Denn sie unterstützen diese dabei, regulatorische Anforderungen effizient umzusetzen und eine transparente sowie vertrauenswürdige Meldekultur zu fördern. „Ein wirksames Hinweisgebersystem ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, es ist ein entscheidendes Frühwarninstrument für unternehmensweite Risiken – und ein Maßstab für eine glaubwürdige Unternehmenskultur“, so das Fazit von Riehl.