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Infrastruktur für Produktdaten Der Digitale Produktpass wird zur Compliance-Infrastruktur

Ein Gastbeitrag von Ricky Thiermann 7 min Lesedauer

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Der Digitale Produktpass (DPP) wird zur neuen Infrastruktur für Produktdaten. Der Hintergrund: Unternehmen müssen Informationen aus vielen Quellen zusammenführen und regelmäßig aktualisieren. Dann können sie den Zugriff über den gesamten Lebenszyklus steuern.

(Bild:  © MdShuhidul/stock.adobe.com)
(Bild: © MdShuhidul/stock.adobe.com)

Zu einem Produkt gehören mehr Informationen, als auf Verpackungen, Typschild oder Etikett passen. Woher stammen die Rohstoffe? Welche Materialien wurden verarbeitet? Wie ist der CO2-Fußabdruck? Lässt es sich einfach reparieren? Sind Teile wiederverwendbar? Lassen sie sich gut recyceln? Diese und ähnliche Informationen bietet in Zukunft der Digitale Produktpass (DPP). Verbraucher, Geschäftspartner und Behörden können über einen QR-Code direkt am Produkt darauf zugreifen. Anschließend öffnet sich eine Website mit verlässlichen und regelmäßig aktualisierten Informationen.

Der Digitale Produktpass ist keine einmalige Erweiterung, sondern ein dauerhafter Datensatz für das Produkt. Er verbindet interne Systeme, Lieferantendaten, regulatorische Nachweise und Informationen aus der Nutzungsphase. Für Unternehmen ergeben sich daraus einige Pflichten: Digitale Produktpässe müssen über Jahre vollständig, aktuell und nachvollziehbar bleiben, auch für Audits durch Behörden.

Der Digitale Produktpass: Batterien geben Startschuss

Nach und nach soll der DPP für viele Warengruppen eingeführt werden. Vorreiter sind ab Februar 2027 laut EU-Batterieverordnung bestimmte Fahrzeug- und Industriebatterien. Sie liefern das Modell für den Einsatz des DPP: Nach dem Scan des QR-Codes sind Informationen zu Rohstoffherkunft, CO2-Fußabdruck sowie regelmäßig aktualisierte Nutzungsdaten einsehbar. Diese Informationen und ihre Aktualisierung sind von der Ökodesign-Verordnung der EU (ESPR, Ecodesign for Sustainable Products Regulation 2024/1781) gefordert.

Sie bildet den übergeordneten Rechtsrahmen und schafft die Grundlage für Anforderungen an die unterschiedlichen Produktgruppen. Konkrete Vorgaben entstehen schrittweise durch produktspezifische Rechtsakte und Standards. Die von einem Produktpass präsentierten Informationen variieren je nach Produktgruppe. Grundsätzlich geht es aber um Daten für Verbraucher, Werkstätten, Servicepartner und Weiterverwerter.

Eines gilt jedoch in allen Branchen: Die Daten müssen strukturiert, maschinenlesbar, überprüfbar und eindeutig einem bestimmten Produkt zugeordnet sein. Je nach Warengruppe kann die Identifizierung aber auch anhand des Modells, einer bestimmten Charge oder sogar anhand eines einzelnen Exemplars geschehen. Zudem gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen öffentlichen Informationen für Verbraucher und geschützten Informationen für Behörden oder Geschäftspartner.

Daten aus vielen Systemen zusammenführen

Die Regulierungslandschaft des Produktpasses zeigt deutlich, dass es sich hier um einen neuen Bereich für Compliance handelt. Ohne gewissenhafte Vorbereitungen, den Aufbau einer Datenpipeline und spezifischer Prozesse wird es nicht gehen. Denn die Vermutung, die Übernahme von ein paar einzelnen Datenpunkten reicht aus, ist falsch. Der Produktpass ist ein Daten-Layer, der seine eigene Governance erfordert. Doch richtig eingesetzt, kann er zu einer höheren Effizienz führen und zusätzliche, neue Geschäftsmodelle ermöglichen oder erleichtern.

Am Anfang der Governance steht die Bestandsaufnahme. Unternehmen sollten die für ihre Warengruppen erwarteten Pflichtattribute mit den vorhandenen Datenbeständen abgleichen. Dabei zeigt sich häufig eine große Heterogenität: Produktstammdaten liegen meist im ERP, technische Merkmale im PLM, Qualitätsnachweise in Fachanwendungen und die Nachhaltigkeitswerte in ESG-Systemen. Hinzu kommen Informationen aus Einkauf, Service und Lieferkette. Gelegentlich finden sich bei sehr lange laufenden Produkten relevante Informationen auch in Excel-Tabellen oder PDFs.

Dabei bleiben die erwähnten Kernsysteme in der Regel führend. Eine spezifische Plattform für den Digitalen Produktpass sammelt Informationen über Schnittstellen, überführt sie in ein eigenes Datenmodell und befüllt damit den Pass. Externe Nutzer dürfen keinen direkten Zugriff auf die internen Systeme haben, da dies hohe Sicherheitsrisiken hat. Die kontrollierte Datenübergabe begrenzt das und schirmt die IT-Systeme ab.

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