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Podiumsdiskussion

Digitale Souveränität muss nicht vollständige Autarkie bedeuten

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Bedeutung des US Cloud Acts für die Datensicherheit

Silvia Reischer, Senior Advisor beim cyberintelligence.institute und ehemalige Abteilungsleiterin beim BND, erklärt zu den Folgen des US Cloud Acts: „Vielen ist nicht bewusst, dass ein Server, der sich in Deutschland befindet, trotzdem US-Gesetzen und -Regularien unterliegt. Selbst die Deutsche Telekom hat beispielsweise Tochtergesellschaften in den USA wie T-Mobile US und unterliegt damit ebenfalls US-Gesetzen, obwohl es sich um ein deutsches Unternehmen handelt. Vielen ist das nicht bewusst, und sie fallen darauf hinein. Sie wiegen sich aber in falscher Sicherheit. Sobald nationale Sicherheitsaspekte geltend gemacht werden, können Gründe der Nationalen Sicherheit über die Anforderungen des US Cloud Acts hinausgehen. Wir haben bei Anthropic gesehen, was dabei passieren kann.“

Zur Bedeutung von EUCRA erklärt Silvia Reischer: „Das Projekt EUCRA (EU-Wertschöpfungsallianz Cybersicherheit & Resilienz) läuft noch nicht, soll aber in zwei bis drei Monaten starten. Es handelt sich um eine europäische Wertschöpfungsinitiative, die ein smartes Register technologischer Fähigkeiten schafft: Beschaffer Mittelständischer Unternehmen können zum Beispiel eingeben, welche Lösungen sie sowohl bei Hardware als auch bei Software brauchen, und werden dann mit passenden europäischen Anbietern aus der EUCRA-Anbieterlandschaft zusammengebracht. Über eine Plattform, die wir unter anderem mit Schwarz Digits entwickelt haben, können zum Beispiel mittelständische Unternehmen eingeben, welche Lösungen oder Features sie brauchen. Anschließend werden ihnen teilnehmende „Lösungsanbieter“ vorgeschlagen, wobei auch angezeigt wird, wie souverän diese sind. Sie sehen also in Prozent, wie hoch die Souveränität ist. Das ist wichtig, da die Unternehmen ihre Souveränität auch nachweisen müssen.”

Für Silvia Reischer ist bei der Diskussion um die digitale Souveränität die geopolitische Perspektive von großer Relevanz: „Die USA investieren 285 Milliarden US-Dollar allein im Bereich KI und es sind von den Hyperscalern Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich im Bereich KI-und Rechenzentrumsinfrastruktur in Europa geplant. Davon ist Europa mit rund fünf bis sieben Milliarden noch weit entfernt und damit bleiben wir letztlich doch wieder abhängig von den Hyperscalern, weil diese mit Investitionen wie diesen letztlich den Preis in Europa diktieren.

Digitale Souveränität erfordert Public-Private-Partnership

Moderierte das Panel zur digitalen Souveränität im Presseclub München: Manuel Hüttl von Milk & Honey PR (links).(Bild:  Milk & Honey PR)
Moderierte das Panel zur digitalen Souveränität im Presseclub München: Manuel Hüttl von Milk & Honey PR (links).
(Bild: Milk & Honey PR)

Aus Statistiken geht deutlich hervor, dass Cyberangriffe in den letzten anderthalb Jahren stärker von staatlichen Stellen und staatlich unterstützten Stellen erfolgt sind. Diese Statistiken werden unter anderem auch mit Hilfe der Hyperscaler erstellt, wie Microsoft und Google, weil sie an der Front stehen. Daher braucht es eine Public-Private-Partnership – denn staatliche Institutionen werden das sonst überhaupt nicht mehr verarbeiten können, wenn sie nicht mit den Hyperscalern zusammenarbeiten. Man sieht ganz deutlich, dass die Bedrohungen sehr stark aus Russland kommen, und zwar von staatlichen und staatlich unterstützten Stellen. Dieselbe Einschätzung gilt auch mit Blick auf China – das dürfen wir nicht vernachlässigen.

Silvia Reischer gibt ihre Einschätzung zur aktuellen Lage bei der Cybersicherheit: „2024 lagen die Cyberangriffe aus China gegen Deutschland noch vorne, 2025 ist das dann gekippt: Inzwischen sind die meisten Angriffe aus Russland, gefolgt von China. Auch der Iran hat immer eine große Rolle gespielt. Nach den Erkenntnissen von zuständigen Behörden und Feststellungen der Hyperscaler, die anlässlich der Münchner Cyber-Sicherheitskonferenz 2026 präsentiert wurden, wissen wir, dass China, Russland und der Iran gemeinsame Angriffe gefahren haben – und zwar nicht nur zeitlich abgesprochen, sondern wirklich gemeinsam zusammengearbeitet –, was eine ganz andere Qualität hatte. Es ist deshalb so wichtig zu beobachten, wie sich die Geopolitik entwickelt, weil das automatisch Auswirkungen auf unsere Bedrohungslage und damit auf die Souveränität hat.“

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