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Interview Digitale Souveränität: Von IT-Komplexität zur Wertschöpfung mit KI

Das Gespräch führte Stefan Girschner 6 min Lesedauer

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Auf dem „ICT Summit“ der A1 Group am 29. September 2026 in Wien diskutierten rund 200 Entscheider und Branchenexperten über die Themen Cloud, künstliche Intelligenz und digitale Souveränität in Europa. Im Interview spricht Alexander Kuchar, CTO der A1 Group, über die strategischen und technologischen Herausforderungen für Unternehmen.

Alexander Kuchar beleuchtete in seiner Keynote auf dem A1 ICT Summit, wie Unternehmen angesichts neuer Technologien mit Komplexität und Souveränität umgehen sollten. (Bild:  Stefan Girschner)
Alexander Kuchar beleuchtete in seiner Keynote auf dem A1 ICT Summit, wie Unternehmen angesichts neuer Technologien mit Komplexität und Souveränität umgehen sollten.
(Bild: Stefan Girschner)

Das Motto der Konferenz „From Complexity to Intelligence“ klingt nach einem Paradigmenwechsel: Was bedeutet dieses Motto konkret für die Unternehmensstrategie der A1 Group in den nächsten Jahren?

Alexander Kuchar: Unternehmen betreiben teilweise tausende Applikationen, die letztlich das Business und die Geschäftsprozesse abbilden und auf einer Vielzahl von Plattformen laufen. Dadurch sind sie mit einer sehr hohen Komplexität konfrontiert. In den vergangenen Jahrzehnten hat die zunehmende Nutzung von Cloud- und KI-Plattformen dazu geführt, dass die IT trotz auf den ersten Blick sehr einfach erscheinender Architekturen de facto immer komplexer wird. Wir haben es also mit einer steigenden Komplexität zu tun – einerseits aufgrund der technologischen Möglichkeiten und andererseits aufgrund der Historie von Unternehmen, die schon lange am Markt tätig sind und typischerweise IT-Umgebungen betreiben, die alles andere als einfach sind.

Da sich KI-Systeme sehr schnell weiterentwickeln und laufend neue Modelle und Plattformen auf den Markt kommen, müssen Unternehmen diese schnell integrieren können. Das ist ungleich schwieriger, wenn ein komplexes IT-Umfeld vorhanden ist. Es geht daher vor allem darum, wie Unternehmen ihre IT-Landschaft vereinfachen und AI-ready machen können. Das Ziel ist es, IT-Applikationen und Plattformen zu konsolidieren, möglichst homogene und über End-to-End-Prozesse hinweg durchgängige Datenmodelle zu etablieren und entsprechende Schnittstellen bereitzustellen, die es ermöglichen, mithilfe von KI-Agenten schnell Mehrwert zu schaffen.

Das übergeordnete Thema ist also die Frage, wie sich die Komplexität mit der Intelligenz der Zukunft in den Griff bekommen lässt. Auch wir bei der A1 Group arbeiten daran, unsere IT-Landschaft und Prozesse zu transformieren und zu vereinfachen. Dieses Wissen und diese Erfahrung nutzen wir auch, um unsere Kunden in deren Transformationsprozessen besser zu beraten und zu unterstützen.

Der Gesprächspartner:

Alexander Kuchar verantwortet als Chief Technology and Transformation Officer die Technologiestrategie und die technologische Transformation bei der A1 Group. In seiner Funktion konzentriert er sich auf Schlüsselbereiche wie künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und digitale Souveränität.
 

(Bild: A1 Group)
Digitale Souveränität bedeutet vor allem, dass ein Unternehmen selbst bestimmen kann, welche Technologien für welche Zwecke eingesetzt werden.

Alexander Kuchar

Wie schaffen es Unternehmen, den Sprung von der Digitalisierung zu einer intelligenten Wertschöpfung zu vollziehen, unter Berücksichtigung der digitalen Souveränität?

Kuchar: Wir müssen zunächst einmal schauen, wie wir mit KI-Technologie Wertschöpfung erreichen. Einerseits gibt es die Daten, mit denen ein Unternehmen arbeitet. Diese sind ein großer Schatz, der weiter ausgebaut werden muss. Es geht also darum, immer mehr Daten über das zu sammeln, was Unternehmen benötigen – natürlich unter Berücksichtigung der Compliance. Daten sind daher ein großes Thema. Unternehmen brauchen außerdem die Möglichkeit, ihre Geschäftsprozesse mit KI-Agenten anzureichern, um schneller zu werden, bessere Ergebnisse zu erzielen, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen oder Kosten zu senken. Damit gelingt es, Wert zu schaffen. Das ist einfach gesagt, aber sehr schwierig umzusetzen.

Wir sehen, dass Unternehmen, die hier besonders erfolgreich sind und mithilfe von Digitalisierung und KI Mehrwert schaffen, äußerst fokussiert vorgehen. Sie konzentrieren sich auf wenige Anwendungsfälle mit KI-Agenten, um einen konkreten Mehrwert zu generieren. Natürlich werden deren Einsatzmöglichkeiten in den nächsten Jahren rapide zunehmen. Gleichzeitig werden Unternehmen KI noch erfolgreicher einsetzen können, wenn sie ihre Geschäftsprozesse grundlegend neu denken. Die KI-Technologie entwickelt sich sehr schnell weiter, und immer mehr Anwendungsfälle werden technisch umsetzbar. Unsere Aufgabe ist es, unsere Kunden darauf vorzubereiten, diese Technologien schnell und effektiv einsetzen zu können.

Dafür müssen Organisationen einige neue Fähigkeiten entwickeln. Es geht dabei nicht nur um Technologie, sondern auch darum, ein „Operating Model“ zu schaffen, mit dem sich KI-Agenten effizient und sicher einsetzen lassen. Dazu gehören Fragen wie: Welche Zugriffsrechte erhalten KI-Agenten? Wie werden Security und Compliance gewährleistet? Und die Frage, wie Unternehmen das Verhältnis zwischen dem Output der KI-Agenten und den damit verbundenen Kosten optimieren können.

Die Kostentransparenz ist noch relativ einfach zu berechnen, weil man messen kann, wie viele Tokens ein Agent in den einzelnen Schritten benötigt. Den Output zu messen, ist hingegen deutlich schwieriger. Organisationen müssen sich daher darauf vorbereiten, dies auf einem hohen Granularitätsniveau umzusetzen. KI-Agenten führen End-to-End-Prozesse in vielen einzelnen Schritten aus. Daher muss Schritt für Schritt das Verhältnis zwischen dem Output der Agenten und den Agentenkosten optimiert werden. Das hat weniger mit der Technologie selbst zu tun als damit, wie wir die Technologie im Unternehmen einsetzen. Daher arbeiten wir bei A1 daran, ein entsprechendes AI Operating Model zu etablieren, das genau dies sicherstellt.

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