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Interview

Digitale Souveränität: Von IT-Komplexität zur Wertschöpfung mit KI

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Voraussetzungen für die Digitale Souveränität

Wie würden Sie digitale Souveränität definieren, sprich, welche Voraussetzungen müssen zur Umsetzung erfüllt werden?

Kuchar: Digitale Souveränität bedeutet für mich nicht nur, ob Daten im eigenen Land gespeichert werden. Sie bedeutet vor allem, dass ein Unternehmen selbst bestimmen kann, welche Technologien für welche Zwecke eingesetzt werden. Dafür benötigt man Alternativen – oder muss sich diese selbst schaffen. Dazu braucht es das notwendige Know-how, um unterschiedliche Technologien beurteilen und gegebenenfalls auch selbst entwickeln und betreiben zu können. Bei A1 haben wir durch unsere Strategie ein hohes Maß an Kompetenz und Erfahrung im Einsatz alternativer Technologien aufgebaut. Diese Kompetenz nutzen wir auch, um unsere Kunden dabei zu unterstützen, souveräner zu werden.

Gleichzeitig sind wir überzeugt davon, Technologien von World-Leading-Vendors mit unseren eigenen Technologien und Plattformen zu kombinieren. Mit Exoscale verfügen wir über ein innovatives Public-Cloud-Angebot, das wir auch selbst nutzen. Bei A1 nutzen unsere Applikationen mittlerweile mehr CPU-Kapazität auf Exoscale als über die Hyperscaler. Es gibt die verbreitete Vorstellung, dass Unternehmen zwangsläufig von den großen US-Technologiekonzernen abhängig sind. Wir bei A1 haben gezeigt, dass es möglich ist, relevante Teile der IT-Landschaft auf eine alternative, souveräne Cloud-Infrastruktur zu bringen.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen wir jetzt bei KI. Genauso wie bei unserer Cloud-Transformation nutzen wir zunächst Technologien von innovativen Partnern, weil es uns wichtig ist, schnell Erfahrungen zu sammeln und Wert mit KI im Unternehmen zu schaffen. In unserem Fall nutzen wir die KI-Plattform von Wonderful für unsere Call Center. Parallel dazu entwickeln wir unsere eigene souveräne KI-Plattform. Sie läuft ebenfalls auf Exascale-Infrastruktur in unseren Data Centern und ist damit nah am Kunden. Wichtig ist, dass wir auch bei der KI-Plattform eine Technologie entwickeln, bei der wir hinsichtlich der Intellectual Property Rights keine Abhängigkeit von anderen Unternehmen oder Ländern haben werden. Damit schaffen wir eine Alternative zu globalen Technologieanbietern.

Welche Anforderungen stellen die Kunden an eine souveräne Plattform?

Kuchar: Wir sehen über unsere Märkte hinweg sehr unterschiedliche Anforderungen der Kunden – sei es aus regulatorischen Gründen, aus geopolitischen Gründen oder einfach aus Gründen der Business Resilience. Dabei geht es um Fragen der Datenhaltung, darum, wer Plattformen betreibt – beispielsweise lokale, sicherheitszertifizierte Mitarbeiter – und letztlich auch darum, ob die Rechte an der Software bei uns liegen.

Im Gegensatz zu den Hyperscalern haben wir durch unsere lokale Marktpräsenz ein deutlich höheres Verständnis für die Anforderungen unserer Kunden. Neben unserer hohen Marktkompetenz können wir uns von globalen Unternehmen auch durch unsere Kundennähe differenzieren.

Kommen wir abschließend zu den Auswirkungen der Regulatorik in Europa. Wie sehen Sie den Zusammenhang von Regulatorik und digitaler Souveränität?

Kuchar: Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass sich die Regulatorik so weiterentwickelt, dass sie für Europa kein relevantes Innovationshemmnis darstellt. Es ist gut, wenn alternative europäische Technologien gefördert werden. Es geht vor allem darum, Alternativen zu fördern und die eigenen Fähigkeiten zu stärken. Der Regulator sollte dabei die Entwicklung nicht hemmen. Ich halte wenig von einem Verbot von Alternativen, denn das würde unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit in Europa schwächen. Wir glauben an den Wettbewerb. Letztendlich geht es darum, immer bessere Lösungen für unsere Kunden zu finden. Und als A1 spornt uns die Konkurrenz durch globale Mitbewerber an, noch besser zu werden.

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