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Wer gewinnt den KI-Wettlauf 2026 – und wer beherrscht die Cybersicherheit?

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Okta, Palo Alto Networks, Tenable & Zscaler

Thomas Heinz – Senior Manager  Solutions Engineering bei Okta

Der Igel gewinnt in der Fabel durch kluge Positionierung, denn den Wettlauf mit dem Hasen würde er verlieren. Daher sollte der deutsche Mittelstand mit seinen knappen Ressourcen für IT-Sicherheit ebenfalls strategisch vorgehen. Ein Wettrüsten wäre sinnlos, denn die KI-gestützten Angriffe, ob personalisiertes Phishing oder massenhaftes Credential Stuffing, erfolgen automatisiert und blitzschnell. Somit sind die bewährten Sicherheitskonzepte, wie Firewalls, Security-Suites, verschiedene Lösungen unterschiedlicher Anbieter, On-Premise-Sicherheitskonzepte, überholt, da zu langsam.

Identität als Burgmauer: Der Mittelstand sollte daher das Identitätsmanagement sowie die Identitätssicherheit als seine Burgmauer betrachten und angesichts der knappen Ressourcen als as-a-Service-Lösung besorgen. Wichtig: Hacker attackieren oft nicht mehr direkt, sondern sie übernehmen ein Benutzerkonto und melden sich an. Somit muss eine strikte Verwaltung aller digitalen Identitäten erfolgen - gemäß Zero Trust und dem Prinzip der Geringsten Zugriffsrechte - sowie eine lückenlose Aufdeckung im Netzwerk, damit weder verwaiste Konten noch Schatten-KI durch unregistrierte KI-Agenten zum Einfallstor werden können. 

Thomas Heinz, Senior Manager  Solutions Engineering bei Okta.(Bild:  Okta)
Thomas Heinz, Senior Manager Solutions Engineering bei Okta.
(Bild: Okta)

Der eigentliche „Igel-Trick“ ist dabei der Einsatz eines modernen, KI-gestützten IAM. Dieses bewertet Zugriffe nicht nur einmalig bei der Anmeldung, sondern kontinuierlich in Echtzeit. Es analysiert im Hintergrund hunderte Kontext-Signale - wie unbekannte Geräte, ungewöhnliche Standorte oder atypisches Nutzerverhalten. Erkennt das System eine Anomalie, zieht es quasi vollautomatisiert den „Not-Aus-Schalter“ und unterbricht den Zugriff, noch bevor die Angreifer-KI agieren kann.

Dieser Ansatz macht das Identitätsmanagement zum entscheidenden Nadelöhr der Abwehr. Wer dieses intelligent kontrolliert, hat sich als Igel perfekt positioniert und bleibt dem Angreifer den entscheidenden Schritt voraus.

Andy Schneider – CSO EMEA Central bei Palo Alto Networks

2026 wird der Hase immer erfolgreicher, weil er mittels KI-gestützter Angriffe jede Lücke sofort finden kann. Und im Mittelstand gibt es davon meist mehr als gedacht: Tools für Endpoints, für Identitäten, für die Cloud – allerdings spricht keines wirklich mit dem anderen. Wie schnell Angriffe heute ablaufen, zeigt ein Blick auf die Praxis: Zwischen erstem Zugriff und Datenexfiltration vergeht im Extremfall keine Minute. Kein Team kann so schnell reagieren, wenn es erst zwischen mehreren Konsolen hin- und herwechseln muss.

Andy Schneider, CSO EMEA Central bei Palo Alto Networks.(Bild:  Palo Alto Networks)
Andy Schneider, CSO EMEA Central bei Palo Alto Networks.
(Bild: Palo Alto Networks)

Lücken vermeiden statt Tempo jagen: Der Igel-Trick ist deshalb kein Wettrüsten um Geschwindigkeit, das lässt sich gegen KI-gestützte Angreifer ohnehin nicht gewinnen. Er besteht darin, die Lücken gar nicht erst entstehen zu lassen und dort, wo sie trotzdem auftreten, genauso schnell zu reagieren wie der Angreifer selbst. Dafür braucht es eine Sicherheitsarchitektur, in der Identität, Endpoint, Cloud und KI-Anwendungen an einer Stelle zusammenlaufen und in Echtzeit sichtbar sind. Dazu gehört auch, KI-Agenten wie Mitarbeiter mit klar definierten Berechtigungen und kontinuierlicher Verifizierung jeder Aktion zu behandeln. Niemand gäbe einer neuen Aushilfskraft am ersten Tag Zugriff auf alle Finanzkonten. Bei KI-Agenten ist genau das noch viel zu oft der Fall.

Für den Mittelstand heißt das: weg von Excel-Listen und Einzeltools, hin zu einer Plattform, die Bedrohungen erkennt und stoppt, bevor der Hase sie ausnutzt.

Roger Scheer – Regional Vice President Central Europe bei Tenable

Im KI-Zeitalter gegen Angreifer ein Wettrennen gewinnen zu wollen? Reine Utopie. Vor allem für den Mittelstand, wo Budget und Security-Personal ohnehin knapp sind. Aber Geschwindigkeit ist auch gar nicht der Punkt. Im klassischen Bild von Hase und Igel gewinnt der Igel nicht durch Tempo, sondern durch Taktik. Er läuft nicht hinterher, er steht schon da.

Roger Scheer, Regional Vice President Central Europe bei Tenable.(Bild:  Tenable)
Roger Scheer, Regional Vice President Central Europe bei Tenable.
(Bild: Tenable)

Silos aufbrechen, Risiken erkennen: Genau darum geht es: Angreifer ins Leere laufen lassen, statt nur auf den nächsten Einschlag zu reagieren. Das bedeutet in der Praxis: Weg mit den alten Security-Silos. Wer Cloud-Workloads, IT-Infrastruktur, Identitäten und neue KI-Tools getrennt voneinander betrachtet, verliert schnell den Überblick. Gefragt ist stattdessen eine risikobasierte Perspektive auf die gesamte Angriffsfläche – denn bei dieser enormen Komplexität ist es unmöglich, jede einzelne Schwachstelle zu schließen.

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Das muss man aber auch gar nicht. Die Kunst liegt darin, das Rauschen herauszufiltern. Hier schlagen wir die Angreifer mit ihren eigenen Waffen: KI-gestützte Analysen decken präzise die brandgefährlichen Kombinationen und kritischen Pfade auf, auf die es Hacker wirklich abgesehen haben. Wenn wir genau diese Einfallstore präventiv schließen, verpufft der Geschwindigkeitsvorteil der Angreifer. Am Ende schützt uns vor KI-gestützten Attacken nicht die hektische Jagd nach immer schnelleren Reaktionszeiten. Die beste Verteidigung ist und bleibt eine vorausschauende Strategie, die Gefahren entschärft, bevor überhaupt Schaden entsteht.

Christoph Schuhwerk – CISO in Residence bei Zscaler 

In mittelständischen Unternehmen kommen gleich mehrere kritische Faktoren hinsichtlich KI-basierter Cyberangriffe zusammen: Budget und Security-Fachkräfte sind stark limitiert, während die Geschwindigkeit und Frequenz von Attacken stark zunehmen.

Christoph Schuhwerk, CISO in Residence bei Zscaler.(Bild:  Zskaler)
Christoph Schuhwerk, CISO in Residence bei Zscaler.
(Bild: Zskaler)

Um die Abwehr gegen moderne Angriffsszenarien effizient zu gestalten, empfehle ich drei technologische Ansätze, die letztlich auf eine Automatisierung hinauslaufen und damit die IT-Sicherheitsteams entlasten. Erstens lässt sich hinter einem Zero Trust-Broker ein großer Teil der Angriffsoberfäche eines Unternehmens verstecken. Und was die Angreifer-KI nicht sieht, kann sie auch nicht attackieren.

Falsche Fährten mit Deception: Schafft es ein Malware-Akteur dennoch in die IT- oder OT-Infrastruktur des Unternehmens einzudringen, zum Beispiel durch gestohlene Zugangsdaten, dann sind Deception-Technologien ein wichtiges Mittel für Sicherheitsteams. Einerseits werden Angreifer auf die falsche Fährte gelockt und geben sich zu erkennen, wenn sie auf Honeypots hereinfallen. Anderseits erkaufen sich IT-Sicherheitsteams Zeit, um den Angriff zu analysieren und zu stoppen.

Am wichtigsten ist aus meiner Sicht allerdings die Automatisierung der Abwehrmaßnahmen, um mit der Angriffsgeschwindigkeit mitzuhalten. Ein Automated SOC kann auf Angriffe mit Hilfe von KI autonom reagieren und zum Beispiel kompromittierte Accounts sperren oder das Nachladen von Malware unterbinden.

Konstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und das Digital Business Magazin. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing