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Serie: KI-Technologie aus China KI-Offensive von China in der Textil- und Modebranche – Teil 31

Ein Gastbeitrag von Xinyiu Chen 7 min Lesedauer

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In keiner anderen Branche ist künstliche Intelligenz aus China so tief in die Wertschöpfung vorgedrungen wie in der Textil- und Modebranche. Dort optimiert sie längst nicht mehr nur Einkauf, Logistik und Preisgestaltung, sondern erzeugt auch den Entwurf. 

(Bild:  generiert mit KI)
(Bild: generiert mit KI)

Mit dem KI-Einsatz in der Textil- und Modebranche verschiebt sich die Frage des Markenschutzes: weg von der nachgelagerten Fälschung und hin zur vorgelagerten Werkentstehung. Da greift es nicht mehr, dass die europäischen Bekleidungshersteller sich daran gewöhnt haben, China als Produktionsstandort und Ursprungsort von Plagiaten zu betrachten. In den vergangenen Jahren ist dort eine durchgängige digitale Infrastruktur entstanden, die von der Trendanalyse über Entwurf und Musterfertigung bis zur Nachproduktion in Losgrößen reicht, die in Europa als unwirtschaftlich gelten. Angetrieben wird diese Infrastruktur von großen Sprach- und Bildmodellen, die auch in anderen Sektoren zum Einsatz kommen – hier jedoch auf einen Markt treffen, dessen Produkte rechtlich nur schwach geschützt sind.

Sichtbarster Ausdruck dieser Entwicklung ist Alibabas digitale Bekleidungsfabrik Xunxi. Sie firmiert unter der Marke Rhino Smart Manufacturing und hat ihren Ursprung in Hangzhou. Der Betrieb wurde 2020 erstmals öffentlich vorgestellt; inzwischen gibt es weitere Standorte, unter anderem in Suzhou. Die Anlage verbindet vernetzte Zuschnitt- und Nähtechnik mit einer Fertigungssteuerung, die Aufträge ab etwa hundert Stück wirtschaftlich abwickelt und die Zeit vom bestätigten Auftrag bis zur Auslieferung auf rund zehn Tage verkürzt. Alibaba beziffert die Effekte mit einer um etwa drei Viertel kürzeren Lieferzeit, einem um rund ein Drittel geringeren Bestandsbedarf und einem etwa halbierten Wasserverbrauch. Das Weltwirtschaftsforum nahm das Werk in sein Netzwerk besonders fortschrittlicher Produktionsstätten auf.

Modebranche: Wenn die Fabrik die Nachfrage kennt

Der chinesische Daunen-Spezialist Bosideng treibt die Integration von KI noch weiter. Das Unternehmen der Modebranche hat mit dem Bosideng AI Aesthetic Brain ein eigenes vertikales KI-Großmodell entwickelt, das den gesamten Prozess von der Designkonzeption über die Passform bis zur Auslieferung revolutioniert. In der Smart Factory von Bosideng orchestriert dieses KI-Gehirn knapp 2.000 vernetzte Geräte und erreicht in zentralen Prozessen einen Automatisierungsgrad von 90 Prozent. Der traditionelle Produktionszyklus von 28 Tagen wurde auf drei Tage verkürzt. Zudem plant das Unternehmen, seine Flagship-Stores mit KI-gestützten Ankleidekabinen und intelligenten Einkaufsassistenten auszustatten.

Entscheidend ist jedoch weniger die Automatisierung einzelner Nähte als die Richtung, in der die Daten fließen. Xunxi greift auf Nachfragedaten der Handelsplattformen Taobao und Tmall zu und speist sie in eine KI-gestützte Designplattform ein. Die Fabrik weiß, was sich verkauft, bevor der Entwurf existiert. Was in Europa als getrennte Disziplinen organisiert ist – Marktforschung, Kollektionsentwicklung, Beschaffung und Produktion –, bildet hier einen einzigen geschlossenen Regelkreis. Der Entwurf ist in diesem Modell kein schöpferischer Ausgangspunkt mehr, sondern das Ergebnis einer Optimierung.

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