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Interoperabilität: Erhalt der Handlungsfähigkeit

Ein Gastbeitrag von Frank Schnicke 5 min Lesedauer

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Europäische Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, ihre technologische Abhängigkeit von den USA und China zu reduzieren. Offene Standards, quelloffene Software und Interoperabilität werden zunehmend zum Schlüssel für digitale Resilienz.

(Bild:  © Lelisat/stock.adobe.com – generiert mit KI)
(Bild: © Lelisat/stock.adobe.com – generiert mit KI)

Darum geht`s

Digitale Souveränität wird durch Geopolitik zur Managementaufgabe: Pandemie, Ukraine-Krieg, Nahost-Konflikt und die politischen Spannungen zwischen China und USA haben globale Liefer- und IT-Abhängigkeiten offengelegt. Für europäische Unternehmen wird technologische Resilienz damit zum strategischen Muss: Risiken aus politisch motivierten Änderungen, Sanktionen, Preissprüngen oder Ausfällen müssen aktiv reduziert werden.

Abhängigkeit von US-Plattformen ist hoch: Im Arbeitsalltag dominieren US-Lösungen für Kommunikation, Office, Kollaboration und Design. Das schafft Vendor-Lock-ins mit hohen Wechselkosten. Die Relevanz ist belegt: Laut Bitkom sehen 93 Prozent eine digitale Abhängigkeit Deutschlands vom Ausland, 79 Prozent fordern stärkere Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien.

Drei Hebel für mehr Unabhängigkeit: Offene Standards, Open Source, kontrollierbare Infrastruktur. Offene Standards ermöglichen Interoperabilität und reduzieren Lock-in-Effekte. Quelloffene Software senkt Implementierungshürden und erhöht Transparenz; mit geeigneten Lizenzen ist die kommerzielle Nutzung möglich. Eine kontrollierbare Infrastruktur sichert Handlungsfähigkeit, wie Datenhoheit, nachvollziehbare Betriebsmodelle und Migrationsfähigkeit.

Digitale Souveränität ist ein Transformationsprozess: Unternehmen sollten Abhängigkeiten systematisch bewerten, kritische Bereiche priorisieren und schrittweise Alternativen aufbauen. Ziel ist nicht die vollständige Autarkie, sondern strategische Optionalität: im Krisenfall schnell wechseln und die Wertschöpfung in Europa absichern.

 Alles begann mit der Corona-Pandemie, dann folgte der Krieg in der Ukraine, schließlich kam noch der Konflikt im Nahen Osten hinzu. Die Weltwirtschaft hat sich in den vergangenen sechs Jahren rasant verändert – und die politische Landschaft mit ihr. Machtwechsel, Handelskriege und geopolitische Spannungen, insbesondere zwischen den USA und China, führten zu einem wachsenden Bedürfnis nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Resilienz in Europa. Damit gerieten offene Standards für Interoperabilität in den Fokus der IT-Verantwortlichen.

Stille Abhängigkeit im Arbeitsalltag

Gerade im Technologiesektor sind Unternehmen in Europa stark von den USA abhängig. Ob im Finanzwesen, in der Automobilbranche, im Marketing – fast alle Unternehmen setzen Softwarelösungen für Kommunikationszwecke, Präsentationen oder Designarbeiten ein, die von US-amerikanischen Anbietern bereitgestellt werden. Dadurch entsteht eine direkte Abhängigkeit: Ausfälle, Preissteigerungen oder politisch angestoßene Änderungen – etwa beim Datenschutz – wirken sich unmittelbar auf Arbeitsprozesse aus.

In einer aktuellen Bitkom-Umfrage gaben 93 Prozent der Befragten an, dass Deutschland bei digitalen Lösungen von anderen Ländern abhängig sei. 79 Prozent forderten zudem, Deutschland solle stärker in digitale Schlüsseltechnologien investieren. Um die Abhängigkeit von wirtschaftlichen Großmächten wie den USA und China zu reduzieren, braucht es vor allem drei Voraussetzungen: offene Standards für Interoperabilität, quelloffene Software und eine kontrollierbare Infrastruktur.

Offene Standards für Interoperabilität

Offene Standards ermöglichen die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen – zum Beispiel über standardisierte Dateiformate, Schnittstellen oder Kommunikationsprotokolle. So können Unternehmen Vendor Lock-ins vermeiden, also die starke Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Beruht eine Cloud, ein ERP-System oder eine Kollaborationsplattform auf offenen Standards, lässt sich die Infrastruktur später deutlich einfacher wechseln oder erweitern.

Ein Vendor Lock-in entsteht dagegen genau dann, wenn diese Offenheit fehlt oder durch eine starke Produktintegration überlagert wird. Ein Beispiel: Die Systeme bei Microsoft 365 wie Teams, Word, PowerPoint und Outlook sind so eng miteinander verzahnt, dass sie einen geschlossenen Arbeitsraum bilden. Ein Anbieter-Wechsel ist in der Regel teuer, komplex und technisch kaum ohne Brüche möglich.

Offene Standards wie etwa im Bereich der Industrie 4.0 mit der Verwaltungsschale (AAS) wirken dem entgegen, da sie Interoperabilität herstellen und damit die Wechsel- und Kombinationsmöglichkeiten erhöhen. Sie geben jedem physischen oder digitalen Objekt – etwa Maschinen, Sensoren, Bauteilen – eine standardisierte digitale Beschreibung. Diese „digitale Hülle“ bündelt technische Daten, Zustände und Dokumentationen. Dadurch können unterschiedliche Systeme und Hersteller die Informationen direkt austauschen und weiterverarbeiten, ohne individuelle Schnittstellen entwickeln zu müssen.

Quelloffene Software für die Implementierung

Quelloffene Programme (also Open-Source) sorgen dafür, dass die Nutzungshürde für offene Standards wie die AAS weiter gesenkt werden. Wichtig ist dabei die Wahl einer passenden Open-Source-Lizenz, wie der MIT-Lizenz. Im Open-Source-Bereich spricht man dabei oft von starken bzw. schwachen Copyleft-Lizenzen. Starke Copyleft-Lizenzen wie die GPL-Lizenz erfordern die komplette Veröffentlichung des Quellcodes des restlichen Programms, während schwache Copyleft-Lizenzen dies typischerweise nicht erfordern und sich dadurch auch für den kommerziellen Einsatz gut eignen.

Als Beispiel stellt Eclipse BaSyx die komplette Infrastruktur der Verwaltungsschale als Open-Source-Software unter der MIT-Lizenz bereit. So sinkt der Entwicklungsaufwand für Unternehmen, während die Einführung von Architekturen, die Interoperabilität unterstützen, beschleunigt wird.

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