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Regulatorische Vorgaben EU AI Act: Kennzeichnung von KI-Inhalten ist erst der Anfang

Ein Gastbeitrag von Simon Hayward 4 min Lesedauer

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In den vergangenen zwei Jahren wurde die Diskussion über künstliche Intelligenz vor allem von einer Frage bestimmt: Wie können Unternehmen KI möglichst schnell einsetzen, um ihre Produktivität zu steigern und Wettbewerbsvorteile zu erreichen? Mit dem EU AI Act beginnt nun ein neues Kapitel.

(Bild:  © Lelisat/stock.adobe.com)
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Darum Geht's

EU AI Act verschiebt den Fokus zu „verantwortungsvoll steuern“: 
KI-Erfolg wird künftig nicht mehr nur an Effizienz und Produktivität gemessen, sondern ebenso an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und festgelegten Verantwortlichkeiten.

Die Kennzeichnungspflicht ist nur der sichtbare Anfang: Unternehmen müssen wissen, wo KI in Prozessen eingesetzt wird, wie Ergebnisse entstehen, wer sie prüft und wer die Verantwortung trägt. Dafür werden verbindliche Richtlinien, eine belastbare Datenbasis und Governance-Strukturen benötigt.

Im KI-Zeitalter wird Vertrauen zum neuen Wettbewerbsvorteil: Wer KI transparent und kontrolliert einsetzt, erfüllt nicht nur Compliance-Anforderungen, sondern stärkt zugleich das Vertrauen von Kunden, Mitarbeitern und Partnern – und sichert so den geschäftlichen Nutzen von KI.

Je stärker KI in den Geschäftsalltag integriert wird, desto weniger wird ihr Erfolg allein daran gemessen, wie effizient Unternehmen die Technologie einsetzen. Zunehmend wird auch entscheidend sein, wie transparent, verantwortungsvoll und nachvollziehbar KI genutzt wird. KI entwickelt sich damit vom Experimentierfeld zu einer festen Säule moderner Unternehmensprozesse. Entsprechend braucht ihr Einsatz fest definierte Leitplanken, wirksame Governance-Strukturen und eindeutige Verantwortlichkeiten – so wie jede andere geschäftskritische Technologie auch. Diese Voraussetzung bietet eine gesetzliche Regulierung wie der EU AI Act.

EU AI Act: Kennzeichnungspflicht ist nur die Spitze des Eisbergs

Zu den meistdiskutierten Regelungen im EU AI Act gehört die Pflicht, bestimmte KI-generierte Inhalte entsprechend zu kennzeichnen. So viel Aufmerksamkeit dieses Thema auch erhält – tatsächlich ist die Kennzeichnungspflicht nur der sichtbarste Teil eines deutlich umfassenderen Wandels. Die entscheidendere Frage lautet daher: Wissen Unternehmen überhaupt, an welchen Stellen KI in ihren Geschäftsprozessen zum Einsatz kommt?

Je stärker KI in Kundenkommunikation, interne Abläufe, HR, Marketing oder Serviceprozesse integriert wird, desto wichtiger wird Transparenz – und zwar ebenso wichtig wie Innovation selbst. Wirkliche Transparenz entsteht jedoch nur dann, wenn Serviceprozesse, operative Abläufe und Unternehmensressourcen ganzheitlich betrachtet werden und eine belastbare Datenbasis die Grundlage für verlässliche KI-Anwendungen bildet. Eine Kennzeichnung macht zwar deutlich, dass KI an der Erstellung eines Inhalts beteiligt war. Sie beantwortet jedoch nicht die entscheidenden Fragen: Wie ist dieser Inhalt entstanden? Wurde er von einem Menschen überprüft? Und wer trägt letztlich die Verantwortung für das Endergebnis?

Automatisierung von Routineaufgaben mit KI-Tools

Unternehmen setzen heute zunehmend auf KI-Lösungen, die Mitarbeitende im Arbeitsalltag unterstützen und Routineaufgaben intelligent automatisieren. So erhalten Beschäftigte personalisierte Unterstützung, Service-Teams werden entlastet und Führungskräfte gewinnen fundiertere Entscheidungsgrundlagen. Auch in anderen Unternehmensbereichen hält KI Einzug: HR-Teams nutzen sie beispielsweise im Recruiting oder für die interne Kommunikation, während IT-Abteilungen sie einsetzen, um Fehler schneller zu identifizieren und Dokumentationen effizienter zu erstellen.

Je stärker KI in den Arbeitsalltag unterschiedlicher Unternehmensbereiche integriert wird, desto weniger darf Governance erst im Nachhinein mitgedacht werden. Unternehmen brauchen klare Richtlinien, eindeutig definierte Verantwortlichkeiten und Mitarbeitende, die wissen, wie KI verantwortungsvoll eingesetzt werden sollte – und wo ihre Grenzen liegen. Der EU AI Act trägt dieser Entwicklung Rechnung, indem er Unternehmen dazu anhält, Governance von Anfang an als festen Bestandteil ihrer KI-Strategie zu verankern – anstatt Compliance erst dann zu berücksichtigen, wenn regulatorische Vorgaben umgesetzt werden müssen.

Mit dem EU AI Act wird Vertrauen zum Wettbewerbsvorteil

Die Debatte rund um künstliche Intelligenz wurde bislang vor allem von Themen wie Geschwindigkeit und Effizienz geprägt. Diese Vorteile bleiben zweifellos wichtig – sie allein werden jedoch künftig nicht mehr ausreichen. Kundinnen und Kunden erwarten zunehmend Transparenz darüber, wann sie mit KI interagieren oder KI an der Erstellung von Inhalten beteiligt war. Gleichzeitig brauchen auch Mitarbeitende die Gewissheit, dass KI-Systeme verlässlich funktionieren, verantwortungsvoll eingesetzt werden und auf klaren Governance-Strukturen basieren.

Vertrauen entwickelt sich damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für den Einsatz von KI in Unternehmen. Wer Transparenz schafft und Verantwortung nachvollziehbar wahrnimmt, erfüllt nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern stärkt zugleich das Vertrauen von Kundinnen und Kunden sowie der eigenen Mitarbeiter.

EU AI Act: Mehr als nur Compliance

Letztlich ist die Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte nur der Anfang. Entwicklungen wie AI Overviews oder regulatorische Rahmenwerke wie der EU AI Act zeigen, dass es längst nicht mehr nur um Compliance geht. Sie markieren vielmehr einen grundlegenden Wandel im Umgang mit KI und setzen neue Maßstäbe für moderne Serviceprozesse. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, brauchen Unternehmen nicht nur leistungsfähige KI, sondern auch die Möglichkeit, deren Einsatz transparent zu steuern, zu kontrollieren und auf einer belastbaren Datenbasis verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.

Die Unternehmen, die langfristig den größten Nutzen aus KI ziehen werden, sind nicht zwangsläufig diejenigen, die die fortschrittlichsten Modelle einsetzen. Entscheidend wird vielmehr sein, ob sie verstehen, wo KI tatsächlich Mehrwert schafft, ihren Einsatz transparent und nachvollziehbar steuern und in jeder Phase des Prozesses für ausreichend Transparenz sorgen.

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Der EU AI Act sollte daher nicht nur als weitere regulatorische Verpflichtung verstanden werden. Er markiert vielmehr den Übergang von KI als technologischem Experiment hin zu einer verlässlichen Geschäftstechnologie, die fest in Unternehmensprozesse integriert ist. Unternehmen, die diesen Wandel frühzeitig annehmen, sind nicht nur besser auf regulatorische Anforderungen vorbereitet, sondern schaffen auch die Grundlage für langfristiges Vertrauen bei Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden und Partnern. 

EU AI Act Hayward von FreshworksSimon Hayward
ist General Manager und Vice President of Sales International bei Freshworks.

Bildquelle: Freshworks