China baut derzeit die günstigste und schnellste Infrastruktur der Welt für agentische KI – mit offenen Agentenplattformen wie OpenClaw, Inferenzkosten im Cent-Bereich und starker politischer Unterstützung. Daraus könnte ein Beijing-Effekt entstehen: das Phänomen, dass chinesische Technologien, Plattformen und Ökosysteme weltweit Standards prägen.
Analog zu dem von Anu Bradford beschriebenen „Brussels Effect“ setzt China dabei durch Marktgröße, Innovationskraft, industrielle Stärke und digitale Ökosysteme faktisch globale Maßstäbe – ohne andere Staaten direkt dazu zu verpflichten. Die nächste Stufe der KI-Initiative heißt nicht mehr KI-Chatbot, sondern agentische KI. Während prompt-basierte Assistenten lediglich auf Zuruf antworten, handeln KI-Agenten in unserem Namen. Sie nehmen Aufgaben entgegen, nutzen Werkzeuge, rufen Schnittstellen auf und führen ganze Arbeitsschritte aus.
Agentische KI geht noch einen Schritt weiter und arbeitet als Planer, Stratege und teils autonomer Akteur mit dem Menschen zusammen. Aus Sicht der chinesischen Industriepolitik ist das ein Programm. KI soll die gesamte Wertschöpfung vernetzen, Warenströme lenken und Angebot wie Nachfrage austarieren. Für europäische Unternehmen, die in diesem Umfeld operieren, verschiebt sich damit die strategische Frage weg vom einzelnen Anwendungsfall hin zum Betriebsmodell.
Agentische KI: Vom Agentic Mess zum Agentic Mesh
Agentische KI verzahnt die Wirtschaft.
(Bild: Chinabrand IP Consulting – mit KI generiert)
Der häufigste Fehler bei der Konzeption ist der Glaube an den einen Super-Agenten, der alles kann. In der Praxis entsteht daraus ein Agentic Mess, ein Wildwuchs isolierter Insellösungen, die niemand orchestriert und kontrolliert. Erfolgreiche Architekturen setzen stattdessen auf ein Agentic Mesh, ein vernetztes System aus mehreren kleinen spezialisierten Agenten, die koordiniert zusammenarbeiten. Dieses Netz ist weniger ein Werkzeug als ein Betriebssystem für produktive KI im Unternehmen. Sein Wert entsteht nicht aus einer einzelnen Funktion, sondern aus der Kombinierbarkeit der Bausteine und einem kumulativen Skalierungseffekt. Entscheidend ist dabei eine Reihenfolge, die in vielen Pilotprojekten umgekehrt wird. Governance kommt zuerst. Ohne Transparenz, klare Verantwortlichkeiten und definierte Leitplanken lässt sich agentische KI nicht skalieren.
Genauso wichtig ist die richtige Granularität. AI-Agenten mit einem zu engen Aufgabenprofil erfüllen den Agentenbegriff nur eingeschränkt. Sind sie dagegen zu breit angelegt, fällt es ihnen schwer, den jeweils relevanten Kontext zuverlässig zu erkennen. Als Faustregel haben sich Agenten mit drei bis zehn Themen und je drei bis fünf Aktionen bewährt. Das ist eng genug, um zuverlässig zu sein und breit genug, um Mehrwert zu schaffen.
Die chinesische Plattformbasis und OpenClaw
China verfügt inzwischen über ein weit entwickeltes Plattformökosystem für agentische KI. Für CRM und Service-Cloud bieten sich das Alibaba Business Operating System und die Huawei Cloud an, für die Sprachverarbeitung im Mandarin-Umfeld Tencents NLP-Dienste, für maschinelles Lernen das quelloffene Baidu-Framework PaddlePaddle. Der Kundenzugang läuft häufig über WeChat-Mini-Programme. IoT-Anbindung und Predictive Maintenance lassen sich etwa über den Alibaba IoT Hub abbilden, während Omni-Channel-Service über Plattformen wie Udesk umgesetzt werden kann. Diese Verankerung im lokalen Ökosystem ist kein Nachteil, sondern kann je nach Branche, Datennutzung und Geschäftsmodell wesentlich dazu beitragen, Kundennähe und regulatorische Anschlussfähigkeit herzustellen.
Aufmerksamkeit verdient OpenClaw als quelloffene Plattform für agentenbasierte KI. Ihr Reiz ist offensichtlich: Agenten agieren autonom über APIs, Werkzeuge und Softwareumgebungen hinweg und ermöglichen eine dauerhafte, workflowbasierte Automatisierung – bei sehr niedrigen API- und Inferenzkosten, die der intensive Wettbewerb der chinesischen Cloud-Anbieter erzwingt, flankiert von staatlicher Förderung. Doch genau hier liegt auch das Risiko. OpenClaw kombiniert maximale Systemrechte mit einem offenen Plugin-Ökosystem. Das ist jene Kombination, die auch klassische Schadsoftware auszeichnet. Sicherheitsprüfungen fanden in rund 13 Prozent der untersuchten Skills kritische Schwachstellen, und über Prompt-Injection lassen sich Agenten durch scheinbar harmlose Inhalte wie Webseiten, E-Mails oder Dokumente manipulieren. Offene chinesische Agentenframeworks können den Einstieg dramatisch verbilligen, gehören aber unter ein striktes Sicherheitsregime, bevor sie produktiv Systemrechte erhalten. Lokale Regierungen in Städten und Provinzen gewähren den Unternehmen deshalb sogar Subventionen, wenn sie Geschäftsmodelle auf Basis von OpenClaw-Agentensystemen entwickeln.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.