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Serie: KI-Technologie aus China

KI-Offensive von China: Digitale Resilienz durch Risikostreuung - Teil 21

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Agentische KI aus China wird belastbarer

Besonders dynamisch entwickelt sich der Bereich agentischer KI. Während viele Unternehmen derzeit auf OpenAI Agents oder Microsoft Copilot Studio setzen, entstehen in China zahlreiche spezialisierte Agentenframeworks wie OpenManus. Diese konzentrieren sich auf die Orchestrierung einzelner KI-Komponenten und ermöglichen es Unternehmen, unterschiedliche Modelle flexibel miteinander zu kombinieren. Genau diese Fähigkeit könnte künftig zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil werden.

Ähnliches zeigt sich bei KI-gestützter Softwareentwicklung. GitHub Copilot dominiert zwar den Markt, doch Systeme wie CodeGeeX entwickeln sich zu leistungsfähigen Alternativen. Entwickler können damit Vorschläge mehrerer Modelle parallel nutzen und reduzieren ihre Abhängigkeit von Microsoft und OpenAI. Noch interessanter ist die Situation im Bereich industrieller Computer Vision. Chinesische Anbieter verfügen hier über langjährige Erfahrung aus Smart-City-Projekten, autonomer Fertigung und industrieller Qualitätskontrolle. Zahlreiche spezialisierte Module aus den Ökosystemen von Baidu, SenseTime, Megvii oder Huawei können Aufgaben wie Defekterkennung, Objekterkennung, Qualitätskontrolle oder Sicherheitsüberwachung übernehmen, ohne dass dafür ein großes Sprachmodell benötigt wird.

Die digitale Resilienz entsteht somit nicht durch den Austausch einer Plattform gegen eine andere. Sie entsteht durch die Schaffung einer modularen Multi-Vendor-Architektur. Fällt ein Anbieter aus, kann ein anderer einspringen. Werden Preise erhöht, stehen Alternativen zur Verfügung. Werden geopolitische Restriktionen eingeführt, bleibt die Handlungsfähigkeit erhalten. Dieses Prinzip der technologischen Risikostreuung ist seit Jahrzehnten in Lieferketten, Finanzportfolios und Cloud-Architekturen etabliert. Nun erreicht es die Welt der künstlichen Intelligenz.

Digitale Resilienz: Risiken chinesischer KI berücksichtigen

Natürlich dürfen die Risiken chinesischer KI nicht ignoriert werden. Fragen des Datenschutzes, der Cybersicherheit, der regulatorischen Compliance, möglicher Zensurmechanismen sowie des Schutzes geistigen Eigentums müssen sorgfältig geprüft werden. Kritische Anwendungen in Behörden, Verteidigung, kritischer Infrastruktur oder Forschung werden weiterhin besondere Anforderungen stellen. Die Antwort darauf kann jedoch nicht sein, auf Diversifikation zu verzichten. Vielmehr sollten Unternehmen chinesische Module dort einsetzen, wo sie technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind, während besonders sensible Bereiche weiterhin mit europäischen oder westlichen Lösungen abgesichert werden.

Hinzu kommen sehr konkrete Risiko-Szenarien für europäische Unternehmen. Denkbar ist etwa, dass ein mittelständischer Hersteller eine chinesische Computer-Vision-Komponente für die Qualitätsprüfung einsetzt und diese Anwendung später unter verschärfte europäische Hochrisiko-Anforderungen fällt; dann werden Nachvollziehbarkeit, Dokumentation, Testdatenqualität und Auditierbarkeit plötzlich geschäftskritisch.digital-strategy.europa+1. Ebenso problematisch wäre der Fall, dass Exportkontrollen, Registrierungsauflagen oder nationale Sicherheitsprüfungen in China die Versorgung mit Modell-Updates, Support oder API-Zugängen beeinträchtigen und damit operative Abhängigkeiten sichtbar machen.vu+1. Gerade deshalb sollte digitale Resilienz nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch gedacht werden: mit standardisierten Schnittstellen, klaren Exit-Strategien, Vendor-Scoring, laufendem Qualitätsmonitoring und Fallback-Mechanismen für zentrale KI-Bausteine.

Der Anthropic-Schock könnte sich damit rückblickend als wichtiger Wendepunkt erweisen. Europäische Unternehmen beginnen zu erkennen, dass KI nicht länger nur nach Modellqualität oder Preis ausgewählt werden darf, sondern ebenso nach Verfügbarkeit, regulatorischer Belastbarkeit, Austauschbarkeit und geopolitischer Robustheit. Wer diese Kriterien früh in seine Architektur, Beschaffung und Governance integriert, baut keine bloße Modelllandschaft auf, sondern eine belastbare digitale Handlungsfähigkeit. Daraus kann eine neue Form europäischer Souveränität entstehen: nicht durch Abschottung, sondern durch die Fähigkeit, technologische Optionen bewusst zu kombinieren und Abhängigkeiten aktiv zu steuern.

Digitale Resilienz . Dr. Hans Joachim FuchsDr. Hans Joachim Fuchs
ist geschäftsführender Gesellschafter der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand

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