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Serie: KI-Technologie aus China

KI-Systeme: Offensive von China im Bankensektor – Teil 13

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KI-Systeme: China als Quelle für Innovation und Benchmarking

Vor diesem Hintergrund zeichnet sich eine realistischere Perspektive ab. Anstatt chinesische KI-Systeme direkt zu übernehmen, könnten europäische Banken stärker davon profitieren, die Entwicklungen im chinesischen Markt systematisch zu analysieren. China ist gewissermaßen ein großes Reallabor für digitale Finanzinnovation. Die dort entwickelten Systeme liefern wertvolle Hinweise darauf, wie sich große Datenmengen effizient auswerten lassen, wie Betrugsmuster erkannt werden können oder wie automatisierte Kreditentscheidungen technisch umgesetzt werden.

Für europäische Institute kann es daher sinnvoll sein, diese Entwicklungen im Rahmen von Marktanalysen, wissenschaftlichen Studien oder Open-Source-Intelligence-Methoden (OSINT) zu untersuchen. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich anschließend in eigene, regulatorisch konforme KI-Systeme übertragen. In diesem Sinne wird China weniger zu einem direkten Technologieanbieter, sondern eher zu einer wichtigen Quelle für Innovation und Benchmarking.

Auch auf der technischen Ebene zeichnen sich neue Architekturen für den Einsatz von KI in Banken ab. Viele Experten gehen davon aus, dass Kreditinstitute künftig nicht mit einem einzigen KI-Modell arbeiten werden, sondern mit mehreren spezialisierten Systemen. Ein möglicher Ansatz ist ein mehrstufiges Modell-Routing. Dabei werden Daten zunächst nach Sensitivität klassifiziert, anschließend entscheidet ein vorgeschaltetes System, welches Modell eine Anfrage bearbeiten darf.

Allgemeine Informationen könnten beispielsweise von großen Sprachmodellen analysiert werden, während sensible Daten ausschließlich in europäischen Cloud-Umgebungen verarbeitet werden. Kritische Finanzdaten würden hingegen ausschließlich auf lokalen, abgeschotteten Systemen verbleiben. Solche hybriden Multi-Modell-Architekturen könnten helfen, die Vorteile moderner KI zu nutzen, ohne regulatorische Anforderungen zu verletzen. Gleichzeitig stellt der Einsatz von General-Purpose-KI und großen Grundmodellen in Hochrisiko-Kontexten zusätzliche Anforderungen an Dokumentation, Haftungsverteilung und technische Einbindung, die Banken im Rahmen ihrer Gesamt-Governance adressieren müssen.

Kleine Nischen statt großer Durchbrüche

Vor diesem Hintergrund erscheint es unwahrscheinlich, dass chinesische KI-Unternehmen in naher Zukunft eine dominante Rolle im europäischen Bankensektor spielen werden. Zu groß sind die regulatorischen Hürden, zu sensibel die Daten, mit denen Banken arbeiten, und zu komplex die Anforderungen an Datentransfer und Drittlandsverarbeitung. Dennoch können punktuelle Einsatzfelder entstehen.

Denkbar sind beispielsweise Anwendungen, die ausschließlich auf öffentlich verfügbaren Informationen basieren – etwa bei Marktanalysen, der Auswertung externer Studien oder der Erstellung von Schulungsmaterialien. Auch Kooperationen bei der Entwicklung neuer Technologien sind möglich, besonders wenn europäische Partner die regulatorische Integration und den Betrieb im eigenen Verantwortungsbereich übernehmen. Der wichtigste Einfluss chinesischer KI im Bankensektor dürfte jedoch indirekter Natur sein: als Inspirationsquelle für neue Technologien, als Benchmark für Effizienz und als Beispiel für die Möglichkeiten datengetriebener Finanzinnovation.

KI-SystemeDr. Hans Joachim Fuchs
ist geschäftsführender Gesellschafter der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand

KI-SystemeDr. Lili Yang
ist Senior Consultant bei der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand

KI-SystemeWei Zhong
ist Consultant bei der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand

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