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Serie: KI-Technologie aus China KI-Offensive von China in der Kreislaufwirtschaft – Teil 27

Ein Gastbeitrag von Chang Luo und Ping Liu 6 min Lesedauer

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In der Kreislaufwirtschaft entwickelt sich China zu einem der weltweit wichtigsten Anwendungsfelder für industrielle KI. Während Europa die Transformation zur Circular Economy primär über Regulierung und Recyclingquoten vorantreibt, setzt China zusätzlich auf großskalige Pilotprojekte, datengetriebene Plattformen und den Einsatz von KI.

KI-gesteuertes Sortiersystem für Inspektion, Wertermittlung und Datensicherheit von Elektroschrott. (Bild:  ATRenew)
KI-gesteuertes Sortiersystem für Inspektion, Wertermittlung und Datensicherheit von Elektroschrott.
(Bild: ATRenew)

 In Chinas Kreislaufwirtschaft ist KI kein Experimentierfeld mehr, sondern Standardtechnologie in großskaligen Sortier- und Recyclinganlagen. Intelligente Sortieranlagen mit Computer Vision und Hyperspektralsensorik erreichen Sortierquoten von über 95 Prozent und steigern die Effizienz gegenüber manueller Sortierung um bis zu 500 Prozent. Städte wie Guangzhou, Xiamen oder Hangzhou betreiben KI-Sortierlinien im Dauerbetrieb, verarbeiten zehntausende Tonnen gemischter Abfälle und sparen gleichzeitig signifikant Entsorgungskosten und CO₂-Emissionen.

Die chinesische KI-Kreislaufwirtschaft basiert auf drei Säulen. 1) spezialisierte Hardware-Anbieter für KI-Sortiertechnik, 2) digitale Plattformökosysteme, die gebrauchte Produkte und Ressourcenströme orchestrieren, und 3) industrienahe KI-Modelle, die Prozesse in Echtzeit optimieren. Für europäische Unternehmen entstehen dadurch fertige Technologiebausteine, die in bestehende Anlagen integriert oder als schlüsselfertige Sortierzentren übernommen werden können – inklusive Robotik, Sensorik und KI-Agenten für Betriebsführung und Optimierung.

Kreislaufwirtschaft: Hyperspektral-KI für Kunststoffe und Textilien

DataBeyond aus Hangzhou steht exemplarisch für Chinas hardware-nahe KI in der Kreislaufwirtschaft. Das Unternehmen liefert optoelektronische Sortiertechnik für gemischte Siedlungsabfälle, Kunststoffe, Elektroschrott, Bauabfälle und Textilien und kombiniert Kameras, 256‑Band‑Hyperspektralsensoren, Materialdatenbanken und Deep-Learning-Modelle. In Taichung betreibt DataBeyond Asiens größtes unbemanntes KI-Sortierzentrum für gemischte Kunststoffe mit einer Kapazität von 100 Tonnen pro Tag. Die Anlage arbeitet vollautomatisch, ersetzt pro Schicht rund 20 Sortierer und erhöht den Durchsatz von zwei auf zehn Tonnen pro Stunde.

KI-gestützte optische Sortierer mit verkörperten Robotern. (Bild:  Databeyond)
KI-gestützte optische Sortierer mit verkörperten Robotern.
(Bild: Databeyond)

Im Textilbereich hat DataBeyond mit der Fastsort-Textile-Linie Chinas erste vollautomatische KI-gestützte Textilabfall-Sortieranlage vorgestellt, die rund zwei Tonnen Kleidung pro Stunde nach Fasertypen und Mischgeweben sortiert. Für Europa ist das direkt relevant, da seit 2025 eine getrennte Textilsammlung vorgeschrieben ist und Hersteller künftig strengere Recycling- und Dokumentationspflichten erfüllen müssen.

Weifulai bietet AI-basierte Sortierlinien, die mit Erkennungsgenauigkeiten über 95 Prozent und Sortierpräzisionen um 96 Prozent pro Einheit 24/7-Betrieb fünf- bis achtmal mehr Material verarbeiten als menschliche Sortierer. Ergänzt wird die Hardware durch eine digitale Governance-Plattform für waste-free cities, die Sammelfahrzeuge disponiert, Routen optimiert und Leerfahrten um 15 bis 20 Prozent reduziert, was Entsorgungskosten um etwa 25 Euro pro Tonne senkt. Neben klassischen Sortierlinien entwickelt Weifulai KI-gestützte Öl-Wasser-Abscheider für städtische Küchen, die Fette getrennt erfassen und als Rohstoff für Biokraftstoffe nutzbar machen.

ATRenew Inc. betreibt eines der größten KI-gestützten Ökosysteme für gebrauchte Elektronikgeräte. Das zentrale System Matrix prüft, bewertet und bepreist gebrauchte Smartphones und andere Elektronik automatisiert und unterstützt die Standardisierung von Qualitätsinspektion, Grading und Pricing in acht regionalen Operation Centers. Über mehr als 2.000 Offline-Stores in 291 chinesischen Städten werden täglich bis zu 100.000 Geräte in einen KI-gesteuerten Kreislauf aus Ankauf, Wiederaufbereitung und Wiederverkauf eingespeist. Das Marktvolumen wird 2026 auf rund 140 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Consumer-KI: Apps, Smart-Bins und Gamification

Auf der Verbraucherseite nutzen Tech-Konzerne wie Tencent und Alibaba KI, um Bürgerverhalten und Abfallströme zu steuern. In WeChat betreibt Tencent das Mini-Programm Master of Trash Sorting, das per Schlagworterkennung Hinweise zur richtigen Abfallfraktion gibt und Millionen Nutzer in Metropolen wie Beijing, Shanghai und Shenzhen erreicht. Alipay, die Plattform der Ant Group, hat eine KI- und AR-basierte Waste-App aufgebaut, in der Bürger Abfälle mit der Smartphone-Kamera scannen und automatisch der passenden Kategorie zuordnen. Die App umfasst mehrere tausend Abfalltypen und hat bereits Millionen Nutzer unterstützt.

Parallel setzen Start-ups wie Xiao Huang Gou (Little Yellow Dog) auf Smart-Bins mit integrierter KI, die Abfall automatisch erkennen, sortieren und Nutzer über Bonuspunkte und digitale Rewards zu korrekter Entsorgung motivieren. In Shanghai wurden zudem auf dem AIsland-Campus KI-basierte Abfallbehälter, Smart-City-Infrastrukturen und KI-gesteuerte Müllfahrzeuge erprobt, die Abfallarten erkennen und Sammellogistik dynamisch anpassen. Das Ergebnis ist eine eng vernetzte Kette aus App, IoT, Gamification und Echtzeitdaten über Abfallströme, die als Blaupause für europäische Smart-City-Pilotprojekte dienen kann.

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