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Systemarchitektur

Post-Quanten-Kryptografie: Krypto-Agilität wird zur Pflicht

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Post-Quanten-Kryptografie: Vom Inventar zur Migration

Für mittelständische Unternehmen bedeutet dies, dass sie jetzt handeln müssen. Aber wie? Der Umbau der Architektur geschieht nicht über Nacht. Experten raten zu folgendem pragmatischen Drei-Stufen-Plan:

Schritt eins ist die schonungslose Inventur: Die wenigsten Unternehmen wissen genau, wo in ihrer heterogenen IT- und OT-Landschaft welche Verschlüsselung eingesetzt wird. Wo verstecken sich alte RSA-Schlüssel in der Firmware von Sensoren? Ohne automatisierte Tools zur "Crypto Discovery" ist dieser Wildwuchs kaum zu bändigen. Man muss wissen, was man hat, bevor man es agil machen kann.

Schritt zwei ist die Risikoanalyse und Priorisierung: Nicht jedes System muss sofort umgebaut werden. Entscheidend ist die Lebensdauer der Daten und der Systeme. Daten, die auch in zehn Jahren noch vertraulich sein müssen, haben höchste Priorität. Hier greift das Bedrohungsszenario "Harvest Now, Decrypt Later" (siehe Kasten). Jen Easterly, Direktorin der US-Cybersicherheitsbehörde CISA, brachte die globale Dringlichkeit auf den Punkt: „Quantencomputing stellt eine neue Grenze technologischer Möglichkeiten dar, aber es stellt auch eine einzigartige und existenzielle Bedrohung für unsere Datensicherheit dar. [...] Wir müssen jetzt handeln, um uns auf eine Post-Quanten-Zukunft vorzubereiten.“

Schritt drei ist die architektonische Umsetzung: Als Faustregel gilt „Build new agile, wrap old secure“. Neue Softwareprojekte sollten von Tag eins an krypto-agil konzipiert werden, unter Nutzung moderner Abstraktionsschichten. Bei Legacy-Systemen helfen oft vorgelagerte Sicherheits-Gateways, die die moderne Kommunikation nach außen übernehmen.

Die Bedrohung: Harvest Now, Decrypt Later (HNDL)

Warum die Eile, wenn leistungsfähige Quantencomputer vielleicht erst in einigen Jahren verfügbar sind? Der Grund ist die Angriffsstrategie „Harvest Now, Decrypt Later“.

Staatliche Akteure und spezialisierte kriminelle Gruppen saugen bereits heute massenhaft verschlüsselten Datenverkehr ab (Harvest Now). Sie können ihn zwar aktuell mit herkömmlichen Methoden nicht entschlüsseln, speichern ihn aber kostengünstig in riesigen Data Lakes. 
Sobald ein ausreichend starker Quantencomputer verfügbar ist – der sogenannte „Q-Day“ – können diese alten Datenbestände nachträglich entschlüsselt werden (Decrypt Later).

Für Unternehmen bedeutet das: Jedes heute verschlüsselte Datum, das auch im Jahr 2030 oder 2035 noch geheim sein muss (zum Beispiel langfristige Geschäftsstrategien, Forschungsergebnisse, biometrische Daten), ist bereits jetzt gefährdet, wenn es nicht mit Post-Quanten-sicheren Verfahren geschützt wird.

Quintessenz: Agilität als Versicherung

Die Umstellung auf krypto-agile Architekturen ist ein Kraftakt. Doch die Investition ist alternativlos. Im Juli 2026 ist klar: Krypto-Agilität ist die notwendige Versicherung für die digitale Souveränität in der kommenden Ära. Wer jetzt die Architektur öffnet, bleibt im Geschäft.

Post-Quanten-KryptografieHeiner Sieger
ist Chefredakteur des Digital Business Magazin. Für die Recherchen zu diesem Beitrag setzte er einen internen KI-Assistenten ein.

Bildquelle: Heiner Sieger

Q&A: Post-Quanten-Kryptografie-Agilität im Mittelstand

Frage: Wir sind kein KRITIS-Unternehmen. Betrifft uns das Thema wirklich schon jetzt?

Antwort: Ja, indirekt. Wenn Sie Teil einer Lieferkette für Großunternehmen (Automotive, Maschinenbau) sind, werden diese die Anforderungen an Sie weiterreichen. Zudem betrifft das Risiko "Harvest Now, Decrypt Later" jedes Unternehmen mit sensiblen intellectual Property.

Frage: Gibt es fertige "krypto-agile" Produkte zu kaufen?

Antwort: Krypto-Agilität ist eher ein Architekturprinzip als ein Einzelprodukt. Aber: Moderne Middleware, API-Gateways und Entwickler-Frameworks bieten zunehmend integrierte Funktionen zur Abstraktion von Krypto-Diensten an, die die Umsetzung erleichtern.

Frage: Was passiert, wenn wir nichts tun und abwarten?

Antwort: Sie bauen "technische Schulden" im Sicherheitsbereich auf. Das Risiko steigt exponentiell: Erstens durch die Gefahr nachträglicher Entschlüsselung (HNDL), zweitens durch den möglichen Verlust von Kunden, die Compliance für Post-Quanten-Kryptografie fordern.

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