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Serie: KI-Technologie aus China

KI-Offensive von China: Bewertung des ROI von chinesicher KI - Teil 19

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Fokus auf Geschäftsprozesse für Berechnung des ROI

Für die Berechnung des ROI von China-KI empfiehlt sich daher ein anderer Ansatz. Ausgangspunkt sollte niemals die Technologie sein, sondern der konkrete Geschäftsprozess. Unternehmen sollten zunächst die vollständigen Kosten eines bestehenden Prozesses erfassen. Dazu gehören Personalkosten, Fehlerkosten, Wartezeiten, Qualitätsverluste, Opportunitätskosten und externe Dienstleistungen. Erst anschließend sollte untersucht werden, welche dieser Kosten durch den Einsatz chinesischer KI reduziert werden können.

Besonders interessant sind dabei Prozesse mit hohen manuellen Aufwänden und großen Datenmengen. Dazu zählen beispielsweise technische Serviceprozesse, die Bearbeitung von Ausschreibungen, Compliance-Prüfungen, Vertragsanalysen, Qualitätsmanagement, Lieferantenmanagement oder die Auswertung technischer Dokumentationen. Gerade in diesen Bereichen verfügen chinesische KI-Anbieter mittlerweile über leistungsfähige Lösungen, die häufig zu deutlich niedrigeren Kosten verfügbar sind als vergleichbare westliche Systeme.

Ein weiterer Vorteil chinesischer KI-Lösungen liegt in ihrem Plattformcharakter. Viele Anbieter liefern nicht nur ein Sprachmodell, sondern komplette Ökosysteme mit integrierten Agenten, Entwicklungswerkzeugen, Workflow-Komponenten und branchenspezifischen Anwendungen. Dadurch reduziert sich der Integrationsaufwand erheblich. Aus Sicht des ROI ist dies oft wichtiger als geringe Unterschiede bei der Modellleistung. Ein etwas schwächeres Modell mit deutlich geringerem Implementierungsaufwand kann wirtschaftlich wesentlich attraktiver sein als ein technologisch führendes System mit hohen Integrationskosten.

Bewertung des ROI von chinesischer KI

Die eigentliche Herausforderung für europäische Unternehmen besteht daher weniger in der Auswahl des besten Modells als in der Identifikation der richtigen Anwendungsfälle. Zahlreiche Studien zeigen, dass viele Unternehmen ihre KI-Budgets weiterhin auf Marketing- und Vertriebsanwendungen konzentrieren, obwohl die größten Effizienzpotenziale häufig im Backoffice liegen. Einkauf, Finanzen, Compliance, Dokumentenmanagement und operative Prozesse bieten oftmals wesentlich größere.

Der ROI von KI aus China sollte nicht anhand von Modellbenchmarks, Tokenpreisen oder Funktionslisten bewertet werden. Entscheidend ist vielmehr die Frage, welche Geschäftsprozesse messbar verbessert werden können. Unternehmen sollten deshalb jeden Anwendungsfall anhand konkreter Kennzahlen bewerten. Wie stark sinkt die Bearbeitungszeit? Wie viele Fehler werden vermieden? Welche Kosten für externe Dienstleister entfallen? Wie schnell amortisiert sich die Investition? Erst aus diesen Antworten ergibt sich ein belastbarer Business Case.

Wer eine standardisierte ROI-Bewertung benötigt, dem empfehlen wir folgende Vorgehensweise:

1. Auswahl eines konkreten Geschäftsprozesses mit hohem manuellem Aufwand.

2. Erfassung der Vollkosten dieses Ist-Prozesses über mindestens drei Monate.

3. Ermittlung der vollständigen Total Cost of Ownership für mindestens zwei chinesische und einen europäischen Anbieter.

4. Modellierung von Best-Case-, Worst-Case- und wahrscheinlichstem Szenario.

5. Quantifizierung der weichen Faktoren in EUR (Fluktuationskosten, Customer Lifetime Value, Working-Capital-Effekte).

6. Berechnung der Amortisationszeit, die auch bei einem positiven Kapitalwert 18 Monate nicht überschreiten sollte.

7. Reale Pilotierung über acht Wochen mit anschließender Neuberechnung auf Basis gemessener, nicht geschätzter Werte. Diese Disziplin schützt vor übertriebenen Erwartungen und enttäuschten Folgeinvestitionen.

ROIDr. Hans Joachim Fuchs
ist geschäftsführender Gesellschafter der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand

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