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Serie: KI-Technologie aus China KI-Offensive von China: Bewertung des ROI von chinesicher KI - Teil 19

Ein Gastbeitrag von Dr. Hans Joachim Fuchs 7 min Lesedauer

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Die Diskussion über chinesische KI wird in Europa häufig von Datenschutzdebatten und technologischen Vergleichen dominiert. Für Unternehmen ist jedoch letztlich entscheidend, welchen wirtschaftlichen Nutzen KI erzeugen kann. Wer den ROI von chinesischer KI seriös bewerten möchte, sollte weniger über Modelle und mehr über Prozesse sprechen.

(Bild:  Chinabrand - generiert mit KI)
(Bild: Chinabrand - generiert mit KI)

Chinesische KI-Projekte unterscheiden sich oft von westlichen Ansätzen. In China wird KI deutlich häufiger direkt in operative Wertschöpfungsprozesse integriert. Statt einzelne Wissensarbeiter produktiver zu machen, konzentrieren sich Unternehmen auf Qualitätskontrolle, Lieferkettenmanagement, Kundenservice, Wartungsprozesse, Einkauf, Logistik oder Produktionssteuerung. Der wirtschaftliche Nutzen, also der ROI wird nicht über eingesparte Minuten einzelner Mitarbeiter gemessen, sondern über reduzierte Fehlerquoten, geringere Ausschussraten, schnellere Prozessdurchlaufzeiten oder niedrigere Betriebskosten.

Besonders deutlich wird dies in der industriellen Qualitätskontrolle. Während viele europäische Unternehmen KI primär für Büroanwendungen einsetzen, nutzen zahlreiche chinesische Hersteller KI-gestützte Bildverarbeitung bereits in der Fertigung. Dort ersetzt die Technologie nicht nur einzelne Prüfschritte, sondern verändert den gesamten Kontrollprozess. Die wirtschaftlichen Effekte entstehen durch geringere Ausschussraten, weniger Reklamationen, niedrigere Logistikkosten und reduzierte Nacharbeitsaufwände. 

Betrachtet man die tatsächlichen Gesamtkosten eines Qualitätsproblems, werden schnell erhebliche Einsparpotenziale sichtbar. Personalkosten für die manuelle Prüfung stellen dabei oft nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten dar. Hinzu kommen Kosten für Rücksendungen, Kundenreklamationen, Ersatzlieferungen, Verwaltungsaufwand und Reputationsschäden. Genau hier entstehen die ROI-Potenziale, die bei vielen europäischen KI-Projekten bislang unberücksichtigt bleiben.

Geringe Einstiegskosten für chinesische KI

Hinzu kommt ein weiterer Faktor. Chinesische KI-Anbieter verfolgen häufig einen deutlich anderen Geschäftsansatz als westliche Wettbewerber. Während viele US-Anbieter ihre Modelle über Lizenzgebühren monetarisieren müssen, stehen chinesischen Unternehmen oft kostengünstige Open-Source-Modelle, staatlich geförderte Rechenzentren und große Plattformökosysteme zur Verfügung. Dadurch sinken die Einstiegskosten für Anwender erheblich. Für europäische Unternehmen bedeutet dies, dass sich die Investitionsrechnung grundlegend verändern kann. Wenn die Kosten für das Basismodell deutlich niedriger sind, verbessert sich automatisch die Wirtschaftlichkeit vieler Anwendungsfälle.

Die großen amerikanischen KI-Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe angekündigt. Die Finanzierung dieser Ausgaben erfordert langfristig hohe Umsätze und entsprechende Margen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht entsteht dadurch ein erheblicher Druck zur Monetarisierung. Lizenzgebühren, API-Kosten und Nutzungsentgelte müssen letztlich einen Beitrag zur Refinanzierung dieser Investitionen leisten. Je stärker die Modelle genutzt werden, desto stärker wächst zugleich der Bedarf an zusätzlicher Rechenleistung und Infrastruktur. Die Anbieter befinden sich damit in einem Spannungsfeld zwischen Wachstum, Kostenkontrolle und Profitabilität.

Chinesische KI-Unternehmen operieren dagegen unter völlig anderen Voraussetzungen. Der chinesische Staat betrachtet Künstliche Intelligenz als strategische Schlüsseltechnologie und unterstützt deren Entwicklung auf vielfältige Weise. Dazu gehören direkte Förderprogramme, günstige Finanzierungsmöglichkeiten, staatlich unterstützte Rechenzentren, steuerliche Vorteile, bevorzugter Zugang zu öffentlichen Aufträgen sowie umfangreiche Forschungsförderung. Dadurch sinkt der wirtschaftliche Druck, kurzfristig hohe Gewinne erzielen zu müssen.

Mehrdimensionale ROI-Modelle etablieren

Für europäische Unternehmen ergibt sich daraus ein interessanter Effekt. Die niedrigen Preise vieler chinesischer KI-Angebote sind nicht zwangsläufig Ausdruck geringerer Qualität, sondern häufig das Ergebnis anderer betriebswirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Dadurch können chinesische Anbieter Leistungen zu Kosten anbieten, die westliche Wettbewerber nur schwer erreichen. Für Anwender verbessert sich dadurch unmittelbar die ROI-Rechnung. Sinken die Kosten der KI-Komponente, während die Einsparungen im Geschäftsprozess unverändert bleiben, verkürzt sich die Amortisationszeit erheblich.

Unternehmen dürfen nicht den Fehler machen, den ROI ausschließlich über Lizenzkosten zu betrachten. Die eigentlichen Kosten einer KI-Einführung entstehen häufig an anderer Stelle. Datenaufbereitung, Schnittstellenentwicklung, Governance, Compliance, Schulungen, Cybersecurity und organisatorische Anpassungen machen in vielen Projekten den größten Teil der Investitionen aus. Wer lediglich die Kosten eines chinesischen oder US-amerikanischen Modells miteinander vergleicht, bewertet deshalb nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit.  gesamten Lebenszyklus der Anwendung.

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Vielmehr ist eine standardisierte Betrachtung der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO) erforderlich. Ein Vergleich zwischen einem chinesischen und einem westlichen Anbieter zeigt schnell, dass niedrigere Lizenzkosten auf der einen Seite durch höhere Compliance-Aufwände auf der anderen Seite teilweise aufgezehrt werden können. Entscheidend ist daher die vollständige TCO über den

Neue Metriken für Bewertung von KI-Projekten

Dazu kommt, dass klassische ROI-Kennzahlen wie Zeiteinsparung oder Fehlerreduktion für die Bewertung von KI-Projekten nicht mehr ausreichen. Neue, qualitative und mehrdimensionale Metriken wie Mitarbeiterzufriedenheit, Innovationspotenzial, Prozessbeschleunigung und Kundenbindung müssen berücksichtigt werden. Diese weichen Faktoren lassen sich durchaus betriebswirtschaftlich konkretisieren.

Eine erhöhte Mitarbeiterzufriedenheit durch den Wegfall monotoner Prüftätigkeiten führt beispielsweise zu geringeren Fluktuationskosten. Diese können bei Fachkräften schnell das Eineinhalbfache eines Jahresgehalts erreichen. Freigesetzte Arbeitszeit für höherwertige Tätigkeiten schlägt sich in messbaren Innovationsbeiträgen nieder, etwa in der Anzahl von Verbesserungsvorschlägen oder Patenten pro Mitarbeiter. Und eine gesenkte Reklamationsrate wirkt sich unmittelbar auf den Customer Lifetime Value aus. Unternehmen sollten solche Effekte nicht als „weich“ abtun, sondern sie in Euro quantifizieren.

Ein weiterer dynamischer Effekt wird in der Praxis oft übersehen: KI-Systeme unterliegen Lernkurven. Mit jeder zusätzlichen Transaktion sinkt die Fehlerquote überproportional zur Nutzungsdauer. Einmal entwickelte Schnittstellen und Datenpipelines können zudem für weitere Geschäftsprozesse genutzt werden, ohne dass die Fixkosten erneut anfallen. Der ROI ist daher keine statische Größe, sondern verbessert sich mit zunehmender Nutzungsdauer und -breite. Unternehmen, die nur eine Pilotanwendung isoliert betrachten, unterschätzen systematisch das Skalierungspotenzial.