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Serie: KI-Technologie aus China KI-Offensive von China: Brain Computer Interfaces – Teil 26

Ein Gastbeitrag von Dr. Hans Joachim Fuchs und Dr. Yang Song 6 min Lesedauer

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Brain-Computer-Interfaces wurden lange von Elon Musks Neuralink geprägt. In China ist inzwischen in aller Stille ein Innovationscluster herangewachsen. Die ersten kommerziellen neuronalen Implantate sind bereits im Einsatz und Brain Foundation Models beginnen, aus Hirnsignalen verwertbare Inhalte zu generieren.

Mithilfe von Brain-Computer-Interfaces werden neuronale Bahnen nachgebildet, um die Bewegungsabsichten des Patienten zu entschlüsseln und so das Exoskelett anzusteuern.(Bild:  Visual China)
Mithilfe von Brain-Computer-Interfaces werden neuronale Bahnen nachgebildet, um die Bewegungsabsichten des Patienten zu entschlüsseln und so das Exoskelett anzusteuern.
(Bild: Visual China)

Der regionale Schwerpunkt bei der Entwicklung von Brain-Computer-Interfaces (BCI) liegt im Großraum Peking. Dort haben sich rund 30 spezialisierte Unternehmen, Forschungsinstitute und Entwicklungszentren angesiedelt. Zwar verfügt Guangdong über eine größere Zahl von Akteuren, doch Peking gilt als technologisch führend. Mehr als die Hälfte aller weltweiten unternehmensseitigen Erfindungsanmeldungen in diesem Bereich stammt inzwischen von chinesischen Akteuren. Insgesamt wurden in China bereits mehr als 2.200 BCI-Patente registriert.

Der chinesische Markt für Brain-Computer-Interfaces erreichte 2024 ein Volumen von rund 414 Millionen Euro und soll bis 2027 auf über 712 Millionen EUR wachsen. Noch dominieren nicht-invasive Verfahren mit EEG-Technologien, doch invasive und halb-invasive Systeme holen auf. Die jüngste Regulierungswelle schafft hierfür den rechtlichen Rahmen und ebnet den Weg für eine breitere klinische Zulassung: im Juni 2026 veröffentlichte die Arzneimittelbehörde National Medical Products Administration (NMPA) verbindliche Leitlinien zur Einstufung invasiver BCI-Geräte als höchste Risikoklasse.

Brain-Computer-Interfaces: Implantat-Systeme von NeuCyber NeuroTech

Zu den technologischen Aushängeschildern gehört NeuCyber NeuroTech, eine Ausgründung des Chinese Institute for Brain Research. Das Unternehmen entwickelt die Implantat-Systeme Beinao-1 und Beinao-2. Das halb-invasive System Beinao-1 nutzt flexible Elektrodenarrays auf der Gehirnoberfläche und wurde bereits bei mehreren Patienten eingesetzt. Querschnittsgelähmte Anwender konnten damit Computer-Cursor steuern und teilweise motorische Fähigkeiten zurückgewinnen. Inzwischen wurde Beinao-1 bei 16 Patienten implantiert. Die längste Liegedauer beträgt über ein Jahr, und die kumulierte Betriebszeit aller Geräte liegt bei mehr als 55.000 Stunden. Das fortgeschrittene Beinao-2 arbeitet mit invasiven Mikroelektroden und soll noch 2026 in die klinische Erprobung gehen, um deutlich präzisere neuronale Signale zu erfassen.

Umwandlung von Gedanken in Befehle, Sprache und Text

Ein anderer wichtiger Akteur ist NeuroXess. Das Unternehmen arbeitet an Systemen zur Echtzeit-Dekodierung neuronaler Signale. Ziel ist es, Gedanken direkt in digitale Befehle, Sprache oder Texte umzuwandeln. Besonders interessant ist die Verbindung von Brain-Computer-Interfaces mit generativer KI. Hier verschmelzen zwei Technologiestränge. Das BCI liefert das neuronale Rohsignal, die generative KI übersetzt es in Sprache, Text oder Handlung. Erst die KI macht aus Hirnsignalen verwertbare Inhalte. Während heutige Systeme meist einzelne Befehle erkennen, werden künftige Plattformen komplexe neuronale Muster interpretieren und daraus automatisch Inhalte generieren. Damit entsteht eine völlig neue Form der Mensch-Maschine-Interaktion. 

Einen Vorgeschmack darauf lieferte NeuroXess im Juni 2026, als zwei querschnittsgelähmte Patienten zwischen Shanghai und Nanchang über eine Distanz von 800 Kilometern per Gedankensteuerung eine Partie Schach gegeneinander spielten. Die Übertragung neuronaler Signale in Echtzeit über solche Distanzen zeigt, dass die Systeme auch für komplexe dynamische Interaktionen taugen. Zugleich treibt NeuroXess die Industrialisierung voran. Noch 2026 soll eine Superfabrik den Betrieb aufnehmen und eine jährliche Stückzahl im zehntausendstell Bereich ermöglichen.

Brain Computer Interfaces: Invasives System von Neuracle

Das BCI-Implantat Neo von Neuracle wird minimal-invasiv im Hinterkopf-Bereich in den Schädelknochen eingesetzt. Die Sensoren liegen auf der harten Hirnhaut, ohne in das Hirngewebe selbst einzudringen.(Bild:  Neuracle)
Das BCI-Implantat Neo von Neuracle wird minimal-invasiv im Hinterkopf-Bereich in den Schädelknochen eingesetzt. Die Sensoren liegen auf der harten Hirnhaut, ohne in das Hirngewebe selbst einzudringen.
(Bild: Neuracle)

Auch Neuracle zählt zu den führenden Unternehmen der Branche. Mit dem System Neo erhielt das Unternehmen die weltweit erste Marktzulassung für ein invasives BCI-Medizinprodukt. Das ist ein regulatorischer Durchbruch, der im März 2026 von der NMPA bestätigt wurde. Bereits wenige Monate später, im Juli 2026, wurde das System im Huashan-Krankenhaus der Fudan-Universität in Shanghai bei einem seit zehn Jahren querschnittsgelähmten Patienten erstmals kommerziell implantiert. Der Eingriff verlief erfolgreich, das Gerät lieferte von Beginn an stabile hochauflösende Signale. Patienten mit schweren Rückenmarksverletzungen können dadurch über neuronales Decoding und Robotik-unterstützte Assistenzsysteme wieder gezielt greifen.

Darüber hinaus entwickelt Neuracle EEG-Systeme, Neurofeedback-Lösungen und Gehirnmonitoring-Plattformen. Ergänzt wird das Ökosystem durch Unternehmen wie StairMed, NeuraMatrix und BrainCo, die an flexiblen Implantaten, Spezialchips und neuen neurotechnologischen Anwendungen arbeiten. 
BrainCo präsentierte im Juli 2026 eine Brain-Controlled-Robot-Plattform, die es erlaubt, humanoide Roboter direkt über nicht-invasive Hirnsignale zu steuern – eine vielversprechende Verbindung von Brain-Computer-Interfaces mit Embodied AI.

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Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette von BCI

China deckt inzwischen nahezu die gesamte technologische Wertschöpfungskette ab. Die Spannweite reicht von EEG-Systemen über halb-invasive Implantate bis hin zu hochauflösenden invasiven Gehirnschnittstellen. Forscher entwickeln ultradünne Hydrogel-Elektrodenarrays, die über mehr als 18 Monate hinweg eine Signalqualität von rund 95 Prozent aufrechterhalten können. Solche Fortschritte gelten als wichtige Voraussetzung für den dauerhaften klinischen Einsatz neuronaler Implantate. Parallel entstehen spezialisierte Chips, die Signale direkt im Implantat verarbeiten und damit die Reaktionsgeschwindigkeit deutlich erhöhen. Inzwischen stammen die ersten kommerziell verfügbaren invasiven BCI-Implantate weltweit aus China. In einzelnen Bereichen der Kommerzialisierung hat das Land damit die internationale Konkurrenz überholt.

Das BCI-System WRS02 von StairMed wird mithilfe eines eigens entwickelten Operationsroboters implantiert.(Bild:  StairMed)
Das BCI-System WRS02 von StairMed wird mithilfe eines eigens entwickelten Operationsroboters implantiert.
(Bild: StairMed)

Bemerkenswert ist die zunehmende Verknüpfung von Brain-Computer-Interfaces mit anderen Zukunftstechnologien. In China wird intensiv untersucht, wie neuronale Schnittstellen mit generativer KI, digitalen Zwillingen, intelligenten Fahrzeugen und humanoiden Robotern kombiniert werden können. Dadurch werden künftig völlig neue Bedienkonzepte entstehen. Statt Maschinen über Tastaturen, Touchscreens oder Sprache zu steuern, würden menschliche Absichten direkt aus neuronalen Signalen erkannt und in Aktionen umgesetzt. Gerade für industrielle Produktionsumgebungen eröffnet dies neue Perspektiven für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.