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Serie: KI-Technologie aus China

KI-Offensive von China: Brain Computer Interfaces – Teil 26

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Brain-Computer-Interfaces: Vom Implantat zum KI-Modell

Wie bei der künstlichen Intelligenz beschränkt sich China nicht auf Hardware. Parallel entstehen Plattformen zur Speicherung, Verarbeitung und Analyse neuronaler Daten. Besondere Aufmerksamkeit erhält MetaBCI, Chinas erste Open-Source-Plattform für Brain-Computer-Interfaces. Das System unterstützt zahlreiche Datensätze und Decoding-Modelle und senkt die Einstiegshürden für Entwickler erheblich. Hinzu kommen spezialisierte Trainingsdatenbanken sowie erste sogenannte Brain Foundation Models.

Diese Brain Foundation Models sind das neuronale Pendant zu großen Sprachmodellen, trainiert auf riesigen Mengen von Hirndaten, um neuronale Muster vorherzusagen und zu interpretieren. Die Entwicklung erinnert stark an die Evolution generativer KI-Plattformen, bei denen sich der Wettbewerb zunehmend von einzelnen Anwendungen hin zu umfassenden Plattformökosystemen verlagert hat. Unternehmen wie NeuroXess betrachten große Sprachmodelle inzwischen als Betriebssystem-Update für Brain-Computer-Interfaces, die eine patientenübergreifende, präzisere und schnellere Dekodierung ermöglichen.

Die Einsatzgebiete reichen dabei weit über die Medizin hinaus. Zwar stehen derzeit Anwendungen für Querschnittsgelähmte, Schlaganfallpatienten oder ALS-Erkrankte im Vordergrund, doch zugleich wird intensiv an industriellen Anwendungen gearbeitet. In intelligenten Fabriken könnten Bediener Maschinen künftig direkt über neuronale Signale steuern. Brain-Computer Interfaces erkennen sicherheitskritische Situationen schneller oder vereinfachen komplexe Mensch-Maschine-Interaktionen. Spannend ist die Verbindung mit humanoiden Robotern, die selbst KI-Systeme sind. Das BCI wird zur direkten Steuerungsebene für verkörperte künstliche Intelligenz (Embodied AI).

China investiert derzeit massiv in menschenähnliche Roboter für Industrie, Logistik, Pflege und Service. Neuronale Schnittstellen werden künftig eine direkte Steuerung solcher Systeme ermöglichen und neue Formen der Mensch-Roboter-Kollaboration schaffen. Auch die Automobilindustrie experimentiert mit BCI-Systemen zur Erkennung von Müdigkeit, Stress oder Konzentrationsverlust und untersucht deren Einsatz im Umfeld autonomer Fahrzeuge.

Herausforderung durch Daten und Patente

In diesem Bereich entstehen neue Herausforderungen bei Datenschutz, Cybersicherheit und geistigem Eigentum. Gehirndaten gehören zu den sensibelsten personenbezogenen Informationen überhaupt und sind zugleich der Rohstoff, auf dem die nächste KI-Generation trainiert wird. Ihre Erhebung, Speicherung und insbesondere ihr grenzüberschreitender Transfer unterliegen den strengen Vorgaben des chinesischen Datenschutzgesetzes PIPL. Projekte mit Cloud-Analytik oder konzernweiter Datenverarbeitung können dadurch schnell in den Bereich genehmigungspflichtiger Datenexporte geraten. Gleichzeitig stellen die hohe Patentdichte chinesischer Unternehmen sowie die regulatorischen Anforderungen der chinesischen Behörden für Arzneimittel und Medizinprodukte Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen. Freedom-to-Operate-Analysen, IP-Strategien und Compliance-Konzepte werden deshalb zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.

Der Aufstieg Chinas zur Hochburg von Brain-Computer-Interfaces ist weit mehr als eine medizintechnische Randnotiz. Er zeigt exemplarisch, wie das Land Grundlagenforschung, Industriepolitik, Plattformökonomie und Schutzrechtsstrategie zu einem geschlossenen Innovationssystem verbindet. In China entstehen bereits die technologischen Grundlagen für die nächste Generation der Mensch-Maschine-Interaktion. Brain-Computer-Interfaces könnten sich in den kommenden Jahren zu einer Schlüsseltechnologie entwickeln, die künstliche Intelligenz, Robotik, industrielle Automatisierung und digitale Plattformen miteinander verschmelzen lässt. Die chinesische KI-Offensive erhält damit eine neue Dimension und möglicherweise einen weiteren Bereich, in dem China die globale technologische Entwicklung maßgeblich prägen wird.

Hans Joachim Fuchs Chinabrand Dr. Hans Joachim Fuchs
ist geschäftsführender Gesellschafter der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand

Yang Song ChinabrandDr. Yang Song
ist Senior Consultant bei der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand

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