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Interview

Digitale Souveränität: Raus aus der Hyperscaler-Falle

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Digitale Souveränität: EU Data Act reduziert strukturelle Hürden

Die EU treibt mit Regulierungen wie dem Data Act den Wettbewerb im Cloud-Markt voran. Welche Auswirkungen sehen Sie konkret?

Stefan Schäfer: Der EU Data Act ist aus meiner Sicht ein entscheidender Schritt, weil er strukturelle Hürden abbaut. Insbesondere die Abschaffung von Egress Fees und die Verpflichtung zu standardisierten Wechselprozessen adressieren zentrale Probleme des Marktes. Für uns ist das keine grundlegende Veränderung, da wir solche Gebühren nie erhoben haben. Für viele andere Anbieter hingegen bedeutet das eine deutliche Anpassung ihrer Geschäftsmodelle. Das wird den Wettbewerb intensiver machen und vor allem die Wechselbereitschaft der Kunden erhöhen.

Allerdings reicht Regulierung allein nicht aus. Unternehmen müssen auch verstehen, welche Optionen sie haben und wie sie diese nutzen können. Hier sehen wir weiterhin Aufklärungsbedarf. Digitale Souveränität ist nicht nur eine Frage der Rahmenbedingungen, sondern auch der konkreten Umsetzung.

Viele Unternehmen wollen ihre Abhängigkeit reduzieren, haben aber keinen klaren Fahrplan. Wie sieht eine realistische Strategie aus?

Stefan Schäfer: Der wichtigste Punkt ist, dass der Weg zur Souveränität kein „Big Bang“ ist. Ein vollständiger, sofortiger Wechsel ist in den meisten Fällen weder realistisch noch sinnvoll. Stattdessen empfehlen wir ein schrittweises Vorgehen. Am Anfang steht immer eine fundierte Analyse der bestehenden Architektur. Darauf aufbauend lassen sich Szenarien entwickeln, wie einzelne Komponenten migriert werden können. 

Ein typischer Einstiegspunkt ist beispielsweise Disaster Recovery. Unternehmen schaffen zunächst eine Ausweichumgebung bei einem alternativen Anbieter. Danach können weitere Schritte folgen, etwa die Verlagerung von Storage oder einzelnen Workloads. Entscheidend ist, dass die Geschäftsfähigkeit jederzeit erhalten bleibt. Genau hier liegt auch die größte Herausforderung – und gleichzeitig der größte Mehrwert einer strukturierten Vorgehensweise. Partner spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie sowohl technologisches Know-how als auch praktische Erfahrung einbringen.

Ein häufiges Argument gegen europäische Anbieter ist die vermeintliche Leistungslücke. Wie gehen Sie damit um?

Stefan Schäfer: Diese Diskussion führen wir regelmäßig. Fakt ist: Hyperscaler bieten eine enorme Bandbreite an Funktionen. Gleichzeitig zeigen Analysen, dass Unternehmen in der Praxis nur einen kleinen Teil dieser Features tatsächlich nutzen. Das führt zu einer wichtigen Frage: Was wird wirklich benötigt? Viele Unternehmen orientieren sich an theoretischen Möglichkeiten, nicht an ihrem tatsächlichen Bedarf. 
Unsere Antwort besteht darin, genau hier anzusetzen. Wir analysieren gemeinsam mit den Kunden ihre Anforderungen und konzentrieren uns auf die Funktionen, die tatsächlich relevant sind. Parallel dazu bauen wir unser Portfolio gezielt aus, um bestehende Lücken dort zu schließen, wo sie für die Praxis entscheidend sind. Es geht also nicht darum, jedes Feature nachzubilden, sondern darum, die richtigen Funktionen in der richtigen Qualität bereitzustellen.

Welche Rolle spielt Ihr Partner-Ökosystem bei der Umsetzung dieser Strategien?

Stefan Schäfer: Unsere Partner sind ein zentraler Bestandteil unseres Ansatzes. Sie sind nicht nur Vertriebskanal, sondern echte Umsetzungspartner. Interessanterweise müssen wir sie vom Thema digitale Souveränität nicht überzeugen. Viele Partner kommen gezielt zu uns, weil sie genau diese Lösungen anbieten möchten. Sie sehen darin eine klare Nachfrage im Markt. Gleichzeitig bringen sie wertvolle Kompetenzen ein – insbesondere bei Architekturberatung, Migration und Betrieb. Diese Nähe zum Kunden hilft uns auch, unsere eigenen Angebote weiterzuentwickeln. Der Erfolg entsteht letztlich im Zusammenspiel: Technologie von uns, Umsetzungskompetenz der Partner und die strategische Ausrichtung beim Kunden.

Digitale Souveränität Heiner SiegerHeiner Sieger
ist Chefredakteur der Fachpublikationen Digital Business Magazin und e-commerce magazin.

Bildquelle: Heiner Sieger

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