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Interview Digitale Souveränität: Raus aus der Hyperscaler-Falle

Das Gespräch führte Heiner Sieger 6 min Lesedauer

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Stefan Schäfer von OVHcloud erklärt im Interview, wie Unternehmen mit genau definierter Architektur und Partnern mehr Kontrolle über Daten und Cloud-Strukturen gewinnen und somit digitale Souveränität erreichen.

(Bild:  © Antto-AI/stock.adobe.com – generiert mit KI)
(Bild: © Antto-AI/stock.adobe.com – generiert mit KI)

Darum Geht's

Digitale Souveränität entwickelt sich vom Compliance-Thema zur strategischen Managementaufgabe.
 
Pragmatische Migrationsstrategien sind der bessere Ansatz statt radikaler Wechsel des Cloud-Providers.
 
Open Source, Regulierung und Partnernetzwerke werden zu zentralen Erfolgsfaktoren.

Wie hat sich das Thema digitale Souveränität in den vergangenen zwölf bis 18 Monaten verändert – auch vor dem Hintergrund geopolitischer Entwicklungen?

Stefan Schäfer: Ich nehme im Markt eine deutliche Verschiebung wahr. Digitale Souveränität ist kein Randthema mehr, sondern hat sich zu einer zentralen Fragestellung für viele Unternehmen entwickelt. Auslöser sind vor allem geopolitische Spannungen, Diskussionen rund um den US CLOUD Act und nicht zuletzt die zunehmende Sensibilität gegenüber Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern.

Was sich besonders verändert hat: Das Interesse kommt inzwischen aus der Breite des Marktes. Es sind nicht mehr nur stark regulierte Branchen oder der öffentliche Sektor, sondern auch klassische mittelständische Unternehmen, die sich intensiv mit Alternativen beschäftigen. Viele Organisationen, die zuvor klar auf US-Hyperscaler gesetzt haben, hinterfragen diese Strategie zunehmend. Themen wie mögliche Zugriffsszenarien auf Daten, politische Einflussfaktoren oder auch sogenannte „Kill-Switch“-Diskussionen tragen dazu bei, dass das Risikobewusstsein deutlich gestiegen ist.

DER GESPRÄCHSPARTNER

Stefan Schäfer ist Marketing Director Central & Eastern Europe bei OVHcloud. Er verantwortet die Marktstrategie in der Region und beschäftigt sich intensiv mit Cloud-Souveränität, Open Source und digitalen Transformationsstrategien im europäischen Kontext.
 

Digitale Souveränität Stefan Schäfer von OVHcloud
(Bild: OVHcloud)

OVHcloud beschreibt digitale Souveränität über drei Säulen: rechtlich, technologisch und operativ. Welche Dimension ist für Ihre Kunden besonders relevant – und wo sehen Sie noch Defizite?

Stefan Schäfer: In vielen Gesprächen erleben wir, dass Souveränität zunächst auf regulatorische Aspekte reduziert wird. Unternehmen stellen sich vor allem die Frage, ob sie vollständig der DSGVO unterliegen oder ob potenzielle Zugriffe durch den CLOUD Act ausgeschlossen sind. Diese Perspektive ist verständlich, greift aber zu kurz. Technologische Souveränität bedeutet beispielsweise, dass Unternehmen ihre Systeme ohne große Hürden migrieren oder wechseln können. Wenn ein Anbieterwechsel mit erheblichen technischen oder finanziellen Barrieren verbunden ist, entsteht eine neue Abhängigkeit. Genau hier kommen Themen wie Lock-in oder proprietäre Architekturen ins Spiel.

Die operative Dimension wird ebenfalls häufig unterschätzt. Sie umfasst Fragen wie: Wo werden Daten tatsächlich verarbeitet? Wer betreibt die Systeme? Wer hat Zugriff im laufenden Betrieb? Diese Aspekte sind essenziell für echte Kontrolle. Wir beobachten jedoch, dass sich das Verständnis erweitert. Kunden erkennen zunehmend, dass Souveränität ein Zusammenspiel aller drei Dimensionen ist – und nicht allein durch regulatorische Compliance erreicht wird.

Open Source als Schlüssel für digitale Souveränität

Sie positionieren Open Source als Schlüssel für digitale Souveränität. Wie realistisch ist eine Open-Source-First-Strategie, insbesondere im öffentlichen Sektor?

Stefan Schäfer: Die Dynamik in diesem Bereich ist deutlich spürbar. Gerade im öffentlichen Sektor sehen wir konkrete Initiativen, die bewusst auf Open Source setzen. Frankreich ist hier ein gutes Beispiel, aber auch in Deutschland – etwa in Schleswig-Holstein – gibt es entsprechende Entwicklungen. Gleichzeitig darf man die Herausforderungen nicht unterschätzen. Viele Organisationen stehen vor der Aufgabe, bestehende Systeme zu migrieren. Das bedeutet Aufwand, sowohl technisch als auch organisatorisch. Der Wechsel hin zu Open Source ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein Transformationsprozess.

Dennoch wächst die Bereitschaft, diesen Weg zu gehen. Open Source wird zunehmend als strategischer Hebel verstanden, um Abhängigkeiten zu reduzieren und langfristig mehr Kontrolle zu gewinnen. Unsere Rolle besteht darin, diese Entwicklung aktiv zu unterstützen. Wir bauen unsere Plattformen und Ökosysteme konsequent auf offenen Technologien auf und arbeiten mit Partnern zusammen, die diesen Ansatz teilen. Das gilt auch für neue Themenfelder wie Künstliche Intelligenz, bei denen offene Standards eine immer größere Rolle spielen.

Open Source wird zunehmend als strategischer Hebel verstanden, um Abhängigkeiten zu reduzieren und mehr Kontrolle zu gewinnen. Unsere Rolle besteht darin, diese Entwicklung aktiv zu unterstützen.

Stefan Schäfer

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