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Regeln für künstliche Intelligenz

EU AI Act: Der Countdown läuft – das muss die IT jetzt umsetzen

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Die Rolle der IT: Vom Betreiber zum Compliance-Garanten

Der EU AI Act verändert die Rolle der IT-Abteilung. Sie ist nicht mehr nur Bereitstellerin von Technologie wie künstliche Intelligenz, sondern wird zur zentralen Instanz für regulatorische Konformität. Das hat konkrete Auswirkungen auf Organisation, Prozesse und Infrastruktur:

KI-Inventarisierung als Pflichtdisziplin: Viele Unternehmen haben nach wie vor keinen vollständigen Überblick über ihre KI-Landschaft. Von der Chatbot-Integration im Kundenservice über KI-gestützte Analyse-Tools im Controlling bis hin zu Predictive Maintenance in der Produktion – die KI-Durchdringung ist oft größer als vermutet. Ein lückenloses KI-Kataster mit Risikoklassifizierung ist die unverhandelbare Grundlage jeder Compliance-Strategie.

Governance-Strukturen formalisieren: Der AI Act fordert klare Verantwortlichkeiten. Die IT muss als Bindeglied zwischen Rechtsabteilung, Datenschutz, Fachbereichen und Geschäftsführung agieren. Ein AI Compliance Officer oder ein interdisziplinäres KI-Compliance-Team ist keine Kür mehr, sondern Pflicht.

Drittanbieter in den Griff bekommen: Viele Hochrisiko-KI-Systeme werden nicht selbst entwickelt, sondern eingekauft. Der EU AI Act macht klar: Auch Betreiber tragen Verantwortung. IT-Entscheider müssen von Anbietern EU-Konformitätserklärungen einfordern, CE-Kennzeichnungen prüfen und sicherstellen, dass eingekaufte Systeme den Anforderungen genügen.

Monitoring-Infrastruktur aufbauen: Die Pflicht zur automatischen Protokollierung und zum Post-Market-Monitoring erfordert technische Werkzeuge, die in vielen IT-Landschaften noch fehlen. Bias-Erkennung, Performance-Überwachung und automatisierte Logging-Systeme müssen evaluiert, beschafft und integriert werden.

Fazit: Drei Monate sind kein Luxus – aber eine Chance

Bei aller Dringlichkeit sollten IT-Entscheider den EU AI Act nicht nur als bürokratische Last begreifen. Die Verordnung schafft einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen, der Unternehmen, die frühzeitig compliant sind, einen echten Wettbewerbsvorteil verschafft. In einer Zeit, in der KI-Halluzinationen, Bias-Skandale und intransparente Algorithmen regelmäßig Schlagzeilen machen, wird nachweisbar vertrauenswürdige KI zum Qualitätsmerkmal gegenüber Kunden, Partnern und Investoren.

Die aktuell wohl drängendste Frage für IT-Entscheider: Kann ich mich auf die Verschiebung verlassen? Die klare Antwort: Nein. Und selbst wenn die Verschiebung kommt, dann ist fraglich, ob sie bis zum 2. August rechtskräftig wird. Unternehmen, die auf eine Verschiebung spekulieren und ihre Vorbereitungen aussetzen, riskieren im schlimmsten Fall, am Stichtag nicht compliant zu sein. Die strategisch kluge Haltung: Planen Sie so, als gelte der 2. August 2026. Kommt die Verschiebung, haben Sie einen komfortablen Vorsprung. Und wenn sie nicht kommt, dann sind Sie vorbereitet. In beiden Szenarien gewinnen Sie.

IT-Entscheider, die jetzt strukturiert vorgehen – inventarisieren, klassifizieren, dokumentieren, Governance aufbauen –, schaffen nicht nur Compliance, sondern legen das Fundament für einen verantwortungsvollen und wettbewerbsfähigen KI-Einsatz. Die Regulierung wartet nicht. Und Digital Omnibus ist kein Freifahrtschein. Der EU-AI-Act-Countdown läuft.

EU AI ActKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und Digital Business. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

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