DB Podcast

KI-Fabrik

„KI made in Europe“: Wie die Industrie wieder Tempo gewinnt

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Digitale Souveränität, Large Industry Models & AI Gigafactories

Wie stärken Sie mit dem Standort die digitale Souveränität – auch im Lichte des EU AI Act?

Ferri Abolhassan: Unsere KI-Fabrik ist souverän – aus deutscher und europäischer Hand, mit einer notwendigen Ausnahme: den NVIDIA-Chips, weil es in Europa derzeit keine gleichwertige Alternative gibt. Alles andere – von Steckverbindern über Verkabelung bis zur Plattform – ist deutsch bzw. europäisch. Damit bieten wir Transparenz, Sicherheit und Governance vom Datenzugang bis zum Modellbetrieb.

Was unterscheidet die Large Industry Models von reinen Sprachmodellen?

Ferri Abolhassan: LLMs sind stark bei Text. Die Industrie braucht jedoch Modelle, die physische Prozesse, Maschinendaten und Produktionskontexte verstehen. Large Industry Models verbinden Domänenwissen, Sensordaten und Betriebsdaten zu konkreten Anwendungen – von Planung und Qualität über Instandhaltung bis zur Supply-Chain-Optimierung. Das ist unser Fokus: B2B statt Consumer.

Wie offen ist Ihr Technologie-Stack – und welche Rolle spielen Partner?

Ferri Abolhassan: Der Stack ist offen, interoperabel und auf Co-Creation ausgelegt. Wir integrieren bestehende Systeme wie die Business Technology Plattform von SAP oder den Digital Twin Composer von Siemens, schaffen standardisierte Schnittstellen und entwickeln gemeinsam mit Kunden und Technologiepartnern die Large Industry Models, die Europa braucht. So entsteht Tempo – ohne Vendor-Lock-in.

GLOSSAR

KI-Fabrik: Hochleistungsinfrastruktur plus Software-Stack (Konnektivität, Security, Cloud, Plattform, Anwendungen) für Entwicklung und Betrieb von KI-Lösungen in Unternehmen.

Large Language Model (LLM): Sprachmodell mit sehr vielen Parametern für Textverstehen/-erzeugung.

Large Industry Model: Auf Industrie- und Produktionsdaten spezialisiertes KI-Modell für physische Prozesse, Qualität, Instandhaltung und Planung.

Digital Twin: Virtuelles Abbild eines Produkts/Prozesses/Standorts zur Simulation, Optimierung und Steuerung realer Anlagen.

Predictive Maintenance: Vorausschauende Instandhaltung auf Basis von Sensordaten, zum Beispiel Geräuschprofilen oder Schwingungen.

Foundation Model: Basismodell, das sich für viele Aufgaben feinjustieren lässt (zum Beispiel Recht, Fertigung).

PUE (Power Usage Effectiveness): Maß für Energieeffizienz eines Rechenzentrums; nahe 1,0 ist optimal.

EU AI Act: EU-Verordnung zur Regulierung von KI-Systemen (2024 beschlossen), mit Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und Governance.

B2B: Business-to-Business – Geschäfte zwischen Unternehmen.

Plant Europa ein Netzwerk von AI Gigafactories – und welche Rolle könnte Deutschland übernehmen?

Ferri Abolhassan: Die EU bereitet eine Ausschreibung für AI-Gigafactories vor. Wir haben Interesse bekundet, warten aber nicht auf Fördergelder, sondern lernen bereits im laufenden Betrieb. Wird die Ausschreibung konkret, prüfen wir die Fördermechanik, die Rolle des Staates als Ankerkunde – etwa 30 Prozent wurden diskutiert – sowie wettbewerbsrelevante Faktoren wie Strompreise. Um gegen die Nordics oder Frankreich zu bestehen, brauchen wir industriellen Grünstrom zu vergleichbaren Konditionen und klare Standortzusagen.

Mit welcher Ambition geht T-Systems in dieses mögliche Netzwerk?

Ferri Abolhassan: In industrieller, physischer KI sind wir heute schon Zugpferd. Während die USA stark auf Consumer-orientierte Sprachmodelle setzen, fokussieren wir Industrie und Mittelstand im B2B. Wir wollen nicht mit den größten LLMs konkurrieren, sondern dort führen, wo Deutschland stark ist: bei produktionsnaher, sicherer und souveräner KI.

Was erwarten Sie von der Politik, damit das skaliert?

Ferri Abolhassan: Erstens: Strom als Grundressource der Daten- und KI-Industrie begreifen – und als Industriestrom fördern. Zweitens: Der Staat sollte als Ankerkunde die Auslastung stützen und eigene Anforderungen auf der KI-Fabrik aufsetzen. Drittens: Beschaffungs- und Förderlogik vereinfachen. Die Telekom braucht keine AI Gigafactory. Deutschland braucht eine AI Gigafactory. Wir können unsere KI-Fabrik am Tucher-Park kurzfristig um 50 Prozent erweitern und über einen zweiten Standort in München die Rechenkapazitäten sogar verdoppeln. Für eine nationale Gigafactory braucht es daher gemeinsame Prioritäten von Bund, Ländern und öffentlicher Hand.

Ihr Blick nach vorn: Woran messen Sie Erfolg in den nächsten 12 bis 24 Monaten?

Ferri Abolhassan: An skalierenden Use Cases mit klarem Businessnutzen: mehr Digitale Zwillinge in der Planung, produktive Robotik-Workflows, präzisere KI-Modelle im Recht, dazu breitere Mittelstandsprogramme. Wenn Partnernetz, Energieeffizienz und Souveränität zusammenspielen und Kunden schneller liefern, planen und warten, sind wir auf Kurs.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung