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Serie: KI-Technologie aus China KI-Offensive von China: KI-Technologie unter Exportkontrolle

Ein Gastbeitrag von Dr. Lili Yang, Chang Luo und Xinyu Chen 5 min Lesedauer

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China baut eine immer dichtere Exportkontrolle für Hochtechnologie auf, das auch KI-Technologien und Expertenwissen umfasst. Statt Listen verbotener Modelle greifen nun sektorale Technologielisten, Dual-Use-Regeln und Einzelfallprüfungen ineinander.

(Bild:  © photostockatinat/stock.adobe.com – generiert mit KI)
(Bild: © photostockatinat/stock.adobe.com – generiert mit KI)

Die nächste Verschärfung der Exportkontrolle zeichnet sich bereits ab: Die Regierung erwägt, den Export von Modellgewichten und Trainingsdaten grundsätzlich zu beschränken und die Halbleiterfertigung ausländischer Auftragsfertiger für chinesische Chipdesigns zu regulieren. Denn in China wächst das staatliche Interesse, strategisch relevante Technologien vor unkontrolliertem Abfluss ins Ausland zu schützen. Nationale Sicherheit und technologische Souveränität stehen neben klassischen Wachstumszielen. Jüngste politische Signale deuten darauf hin, dass Peking nicht nur KI-Anwendungen, sondern auch die wertvollsten Modelle selbst als kritischen Hebel begreift.

Die rechtliche Basis bildet das seit 2020 geltende Exportkontrollgesetz, ergänzt durch Technologie- und Dual-Use-Listen. Neben physischen Gütern rücken immaterielle Komponenten wie Software, Algorithmen, Trainingsdaten, Modellarchitekturen und technische Dokumentationen in den Fokus. Mit der geplanten Novellierung des Katalogs verbotener und eingeschränkter Exporttechnologien sollen erstmals Kernbestandteile großer KI-Modelle, besonders trainierte Parameter, ausdrücklich erfasst werden. Die Kontrolle würde damit vom Produkt auf den Wissensbestand selbst verlagert.

China unterstellt inzwischen auch hochqualifizierte KI-Entwickler einem faktischen Ausfuhrregime. Spitzenkräfte von Unternehmen wie DeepSeek und Alibaba dürfen nur noch mit behördlicher Genehmigung ins Ausland reisen. Peking behandelt ihr Know-how damit ähnlich schutzbedürftig wie Algorithmen, Trainingsdaten oder Chiptechnologien. Erwogen wird zudem, grenzüberschreitende Datentransfers zu kontrollieren, besonders bei Daten aus kritischer Infrastruktur, Gesundheitswesen oder Bevölkerungsverwaltung. So würde die gesamte Wertschöpfungskette erfasst.

Dual-Use, Überwachung und Foundation-Modelle

Der Dual-Use-Gedanke zieht sich durch die Regulierung. KI-Systeme zur Bilderkennung, Objektverfolgung oder Cyberanalyse steigern industrielle Effizienz, sind aber auch für militärische Aufklärung, offensive Cyberoperationen oder autonome Waffensysteme nutzbar. Besonders sensibel sind KI-basierte Überwachungs- und Analyseplattformen, Echtzeit-Verhaltensanalysen, Gesichtserkennung und Predictive Policing. In diesen Bereichen besitzt China umfangreiche praktische Erfahrung und bewertet Technologietransfer daher als strategisch heikel.

Auch grundlegende KI-Modelle geraten in den Blick. Große Sprachmodelle und multimodale Systeme, die Text, Bild, Verkehrs- und Satellitendaten verbinden, gelten als Basisinfrastruktur digitaler Dienste. Proprietäre Datensätze und innovative Trainingsansätze schaffen einen strategischen Vorsprung, den Peking schützen will. Deshalb rücken Modelle, Parameter und Trainingsverfahren in den Fokus, besonders bei Daten aus kritischer Infrastruktur, Gesundheitswesen, Bevölkerungsverwaltung oder Verteidigung. Die diskutierte Beschränkung von Open-Weight-Modellen würde diese Entwicklung verschärfen. Peking sieht in offenen Gewichten offenbar eine bislang unzureichend adressierte Transferlücke.

Exportkontrolle: Überarbeitung der Technologielisten 2025

Mit der Überarbeitung der Technologielisten 2025 wurden KI-Technologien präziser adressiert. Der Exportkontrolle unterliegen unter anderem Technologien zur personalisierten Informationsbereitstellung, Echtzeit-Erkennung von Nutzerpräferenzen und modellbasierten Steuerung von Informationsflüssen. Das Dual-Use-Verzeichnis wurde zugleich um strategische Materialien für KI-Chips sowie Produktions- und Prozesswissen erweitert. Künftig sollen auch ausländische Auftragsfertiger wie TSMC keine fortschrittlichen Chips auf Basis chinesischer Designs produzieren dürfen, wenn diese für KI-Anwendungen vorgesehen sind.

Übersicht über die Bereiche der Exportkontrolle für KI und Modellgewichte. (Bild:  Chinabrand)
Übersicht über die Bereiche der Exportkontrolle für KI und Modellgewichte.
(Bild: Chinabrand)

Wie weit diese Logik reicht, zeigte Anfang 2026 die geplante Übernahme des KI-Startups Manus durch Meta. Obwohl Manus seinen Sitz nach Singapur verlegt hatte, prüfte das chinesische Handelsministerium, ob die Technologie weiter der chinesischen Exportkontrolle unterliegt. Exportkontrolle greift damit auch bei M&A-Transaktionen und Technologietransfers im Rahmen internationaler Investitionen. Zusätzliche Mechanismen sollen Umgehungen verhindern und könnten ausländische Tochtergesellschaften chinesischer Unternehmen stärker verpflichten.

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Derzeit zeichnen sich mehrere Cluster von KI-Technologien ab, die voraussichtlich besonders streng reguliert werden:

  • KI-Anwendungen mit eindeutigem Dual-Use-Charakter, beispielsweise Systeme für autonome Drohnen, Aufklärung oder offensive Cyberoperationen.
  • Technologien mit erkennbaren Wettbewerbsvorsprüngen für China, etwa Architekturen für autonome KI-Agenten oder hochgradig effiziente Trainingsverfahren.
  • Algorithmen und Trainingsmethoden für Foundation-Modelle, die als Basisinfrastruktur für breite KI-Ökosysteme fungieren. Hier stehen nun besonders die Modellgewichte und proprietären Datensätze im Fokus.
  • KI-Lösungen für kritische Infrastrukturen wie Energie, Verkehr und Telekommunikation, die aus Sicht der Behörden unmittelbar sicherheitsrelevant sind.
  • Zunehmend auch die gesamte Lieferkette der KI-Chip-Herstellung, einschließlich Design- und Fertigungswissen, das bislang weniger stark reguliert war.