China baut eine immer dichtere Exportkontrolle für Hochtechnologie auf, das auch KI-Technologien und Expertenwissen umfasst. Statt Listen verbotener Modelle greifen nun sektorale Technologielisten, Dual-Use-Regeln und Einzelfallprüfungen ineinander.
Die nächste Verschärfung der Exportkontrolle zeichnet sich bereits ab: Die Regierung erwägt, den Export von Modellgewichten und Trainingsdaten grundsätzlich zu beschränken und die Halbleiterfertigung ausländischer Auftragsfertiger für chinesische Chipdesigns zu regulieren. Denn in China wächst das staatliche Interesse, strategisch relevante Technologien vor unkontrolliertem Abfluss ins Ausland zu schützen. Nationale Sicherheit und technologische Souveränität stehen neben klassischen Wachstumszielen. Jüngste politische Signale deuten darauf hin, dass Peking nicht nur KI-Anwendungen, sondern auch die wertvollsten Modelle selbst als kritischen Hebel begreift.
Die rechtliche Basis bildet das seit 2020 geltende Exportkontrollgesetz, ergänzt durch Technologie- und Dual-Use-Listen. Neben physischen Gütern rücken immaterielle Komponenten wie Software, Algorithmen, Trainingsdaten, Modellarchitekturen und technische Dokumentationen in den Fokus. Mit der geplanten Novellierung des Katalogs verbotener und eingeschränkter Exporttechnologien sollen erstmals Kernbestandteile großer KI-Modelle, besonders trainierte Parameter, ausdrücklich erfasst werden. Die Kontrolle würde damit vom Produkt auf den Wissensbestand selbst verlagert.
China unterstellt inzwischen auch hochqualifizierte KI-Entwickler einem faktischen Ausfuhrregime. Spitzenkräfte von Unternehmen wie DeepSeek und Alibaba dürfen nur noch mit behördlicher Genehmigung ins Ausland reisen. Peking behandelt ihr Know-how damit ähnlich schutzbedürftig wie Algorithmen, Trainingsdaten oder Chiptechnologien. Erwogen wird zudem, grenzüberschreitende Datentransfers zu kontrollieren, besonders bei Daten aus kritischer Infrastruktur, Gesundheitswesen oder Bevölkerungsverwaltung. So würde die gesamte Wertschöpfungskette erfasst.
Dual-Use, Überwachung und Foundation-Modelle
Der Dual-Use-Gedanke zieht sich durch die Regulierung. KI-Systeme zur Bilderkennung, Objektverfolgung oder Cyberanalyse steigern industrielle Effizienz, sind aber auch für militärische Aufklärung, offensive Cyberoperationen oder autonome Waffensysteme nutzbar. Besonders sensibel sind KI-basierte Überwachungs- und Analyseplattformen, Echtzeit-Verhaltensanalysen, Gesichtserkennung und Predictive Policing. In diesen Bereichen besitzt China umfangreiche praktische Erfahrung und bewertet Technologietransfer daher als strategisch heikel.
Auch grundlegende KI-Modelle geraten in den Blick. Große Sprachmodelle und multimodale Systeme, die Text, Bild, Verkehrs- und Satellitendaten verbinden, gelten als Basisinfrastruktur digitaler Dienste. Proprietäre Datensätze und innovative Trainingsansätze schaffen einen strategischen Vorsprung, den Peking schützen will. Deshalb rücken Modelle, Parameter und Trainingsverfahren in den Fokus, besonders bei Daten aus kritischer Infrastruktur, Gesundheitswesen, Bevölkerungsverwaltung oder Verteidigung. Die diskutierte Beschränkung von Open-Weight-Modellen würde diese Entwicklung verschärfen. Peking sieht in offenen Gewichten offenbar eine bislang unzureichend adressierte Transferlücke.
Exportkontrolle: Überarbeitung der Technologielisten 2025
Mit der Überarbeitung der Technologielisten 2025 wurden KI-Technologien präziser adressiert. Der Exportkontrolle unterliegen unter anderem Technologien zur personalisierten Informationsbereitstellung, Echtzeit-Erkennung von Nutzerpräferenzen und modellbasierten Steuerung von Informationsflüssen. Das Dual-Use-Verzeichnis wurde zugleich um strategische Materialien für KI-Chips sowie Produktions- und Prozesswissen erweitert. Künftig sollen auch ausländische Auftragsfertiger wie TSMC keine fortschrittlichen Chips auf Basis chinesischer Designs produzieren dürfen, wenn diese für KI-Anwendungen vorgesehen sind.
Übersicht über die Bereiche der Exportkontrolle für KI und Modellgewichte.
(Bild: Chinabrand)
Wie weit diese Logik reicht, zeigte Anfang 2026 die geplante Übernahme des KI-Startups Manus durch Meta. Obwohl Manus seinen Sitz nach Singapur verlegt hatte, prüfte das chinesische Handelsministerium, ob die Technologie weiter der chinesischen Exportkontrolle unterliegt. Exportkontrolle greift damit auch bei M&A-Transaktionen und Technologietransfers im Rahmen internationaler Investitionen. Zusätzliche Mechanismen sollen Umgehungen verhindern und könnten ausländische Tochtergesellschaften chinesischer Unternehmen stärker verpflichten.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Derzeit zeichnen sich mehrere Cluster von KI-Technologien ab, die voraussichtlich besonders streng reguliert werden:
KI-Anwendungen mit eindeutigem Dual-Use-Charakter, beispielsweise Systeme für autonome Drohnen, Aufklärung oder offensive Cyberoperationen.
Technologien mit erkennbaren Wettbewerbsvorsprüngen für China, etwa Architekturen für autonome KI-Agenten oder hochgradig effiziente Trainingsverfahren.
Algorithmen und Trainingsmethoden für Foundation-Modelle, die als Basisinfrastruktur für breite KI-Ökosysteme fungieren. Hier stehen nun besonders die Modellgewichte und proprietären Datensätze im Fokus.
KI-Lösungen für kritische Infrastrukturen wie Energie, Verkehr und Telekommunikation, die aus Sicht der Behörden unmittelbar sicherheitsrelevant sind.
Zunehmend auch die gesamte Lieferkette der KI-Chip-Herstellung, einschließlich Design- und Fertigungswissen, das bislang weniger stark reguliert war.