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Neue Technologien

Forschung: Wie diese die Geschäftsmodelle von KMU verändert

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Gründe für die Neuausrichtung der Forschung

Sie stehen selbst vor einem Schritt, der Ihr Arbeitsumfeld grundlegend verändert: die engere Anbindung ans CERN. Was treibt einen Spitzenforscher zu einer solchen Neuausrichtung – und was können Unternehmer daraus ableiten, die spüren, dass ihr Geschäftsmodell nicht einfach weiterlaufen kann?

CW: Man kann es mit „Wer rastet, der rostet“ zusammenfassen – dynamische Veränderung wird einem nicht geschenkt. Wir stehen in der Wissenschaft in einer Umbruchphase, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht gesehen haben. Einerseits kommen neue Technologien in Rekordzeit auf uns zu; die KI ist das erdrückendste Beispiel. Universitäten kommen kaum hinterher, überhaupt die Rahmenbedingungen zu definieren, in welchem Umfang KI genutzt werden darf.

Andererseits gibt es eine stark politisch motivierte Veränderung: Alle sprechen von Wissensvalorisierung, davon, neues Wissen schneller an die Industrie zu bringen. Für Grundlagenforscher, die in Jahrzehnten denken und nicht primär über Anwendungen, ist das eine Herausforderung – und diese Erwartung wird immer konkreter in Forschungsanträgen gefordert. Für meine Gruppe war das CERN immer der weltweite Schlüsselpartner, im Grunde unser Heimatlabor im Ausland. Wir arbeiten in allen Bereichen zusammen, von Miniaturbeschleunigern über die nächste LHC-Generation bis zur KI. Wenn ich diese Entwicklung nicht nur begleiten, sondern mitgestalten will, muss ich in diesem Epizentrum präsent sein und täglich mit den verschiedenen technischen Bereichen zusammenwirken. Ich muss Magnetentwickler, die IT-Abteilung, die KI-Experten und die Beschleunigerbetreiber zusammenbringen – es reicht nicht, mit jedem einzeln zu reden. Das gelingt nicht reibungslos. Wenn ein Umfeld aus Familie, Freunden und beruflichen Bindungen besteht, kann man nicht einfach ein Jahr verschwinden. So ein Schritt braucht Planung.

Für Unternehmen ist das übertragbar: Wenn eine neue Technologie eine echte Chance darstellt, ich aber meinen Maschinenpark modernisieren muss, erzeugt das vielleicht für zwei, drei Monate Chaos. Dann muss ich Wege finden, dieses Chaos zu managen. Es bringt nichts zu sagen „das mache ich nicht“, wenn ich zuvor die Frage, ob ich es für meine Wettbewerbsfähigkeit tun muss, mit Ja beantwortet habe. Die eigentliche Frage lautet dann nur: Wie setze ich es mit minimalen Störungen des Umfelds um?

Wenn Sie morgen im Beirat eines mittelständischen Maschinenbauers mit einigen hundert Mitarbeitern säßen – was wäre Ihr erster konkreter Ratschlag, um diese Entwicklungen in tragfähige Entscheidungen zu übersetzen?

CW: Ich arbeite mit vielen Unternehmen im In- und Ausland, und ein konsistentes Muster ist, dass sich gerade mittelständische Unternehmen nicht stark genug mit der größeren Landschaft auseinandersetzen und aktiv verbinden – auf zwei Ebenen. Die erste ist der Weg, neue Entwicklungen mit Partnern voranzutreiben, die man über eine Plattform wie CORDIS findet. Dort gibt es nicht nur Partner, sondern auch Förderinstrumente, sodass man gemeinsam Forschungsanträge stellen kann, deren Entwicklungen bei guter Bewertung von der EU mitfinanziert werden.

Die zweite Ebene wird noch stärker vernachlässigt: Europäische Partnerschaften bedeuten, dass bereits gemachte Entwicklungen einem viel breiteren Kreis kommuniziert werden können. Hier lassen Unternehmen enormes Potenzial liegen. Ein spannendes Produkt wird irgendwo in Süddeutschland entwickelt, aber europaweit weiß niemand davon, weil die Kommunikationswege fehlen und Firmen oft keinen Zugang zur Medienlandschaft finden. Wenn ich ein kleines Unternehmen im Süden Deutschlands bin und einer meiner Partner das CERN ist, das über seine Webseite oder seinen Newsletter über mein Produkt berichtet, erreiche ich plötzlich einen Kreis, den ich allein nie erreichen könnte.

Über diese Verstärkung bestehender Produkte und Kompetenzen lässt sich durch Zusammenarbeit sehr viel mehr erreichen. Gerade in Deutschland gibt es zudem hervorragende Forschungszentren – ich denke etwa an das Karlsruher Institut für Technologie, bei dem die Verbindung zum Mittelstand bereits in der DNA verankert ist und aktiv gesucht wird.

Heiner Sieger ForschungHeiner Sieger
ist Chefredakteur der Fachpublikationen Digital Business Magazin und e-commerce magazin.

Bildquelle: Heiner Sieger

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