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Gesundheitspolitik

Krankenhausreform: Die Notaufnahme ist überfüllt

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Krankenhausreform: Was möglich ist, wenn man es will

Dabei gibt es sie. Kliniken, die zeigen, was geht. In Bayern etwa entwickelte der Krankenhauszweckverband Aschaffenburg-Alzenau einen digitalen Zwilling seiner Bettenstruktur. Das System namens TwinBy steuert die Belegung in Echtzeit, senkt Leerstandsquoten und entlastet das Personal messbar. Im selben Bundesland bündelten 137 Krankenhäuser ihre Digitalstrategie unter dem Dach einer Klinik-IT-Genossenschaft und betreiben gemeinsam ein einheitliches Patientenportal. Stärke durch Kooperation statt Isolation.

In Nordrhein-Westfalen vernetzen die Universitätskliniken in Aachen, Köln, Essen und Münster unter der Initiative Digitale.Medizin.NRW ihre KI-Projekte, Forschungsdaten und Algorithmen. Das erzeugt kritische Masse – und damit echte Lernkurven. Das St. Willibrord-Spital im rheinischen Emmerich überführte seine gesamte IT-Infrastruktur in die Cloud. Patienten checken per Terminal selbst ein. Wartezeiten sinken. Personal wird entlastet. Ein mittelgroßes Haus, das beweist: Digitalisierung ist keine Frage der Größe. Sie ist eine Frage des Willens. Was diese Häuser eint, ist nicht das Budget. Es ist die Haltung. Sie denken Digitalisierung vom Prozess her, nicht vom Tool. Sie holen IT, Pflege und Ärzteschaft an einen Tisch. Und sie investieren konsequent – auch dann, wenn es wehtut. Das unterscheidet den Leuchtturm vom Flickenteppich.

Krankenhausreform: Was jetzt getan werden muss

Leuchttürme bleiben Leuchttürme, solange sie die Ausnahme sind. Dem deutschen Gesundheitswesen tun sie gut. Aber das reicht nicht für die flächendeckende Gesundheitsversorgung, wenn der große Rest vor die Hunde geht. Die Politik muss liefern. Die Krankenhausreform muss finanzielle Stabilität und strukturelle Neuordnung zusammendenken – nicht gegeneinander ausspielen. Wer Häuser schließt, ohne die verbleibenden zu stärken, löst keine Krise. Er verschiebt sie. 

Der Transformationsfonds muss konsequent auf Digitalisierung ausgerichtet werden: IT-Projekte, Telemedizin, KI-Infrastruktur – förderfähig auch auf der Betriebskostenseite, nicht nur als Einmalinvestition. Und der Datenschutz muss praxistauglich werden. 72 Prozent der Ärzte sagen, er bremst Innovationen. Das ist kein Ausreißer. Das ist ein Strukturproblem, das der Gesetzgeber lösen muss.

DKG-Chef Gaß findet dafür deutliche Worte. Die Reform bleibe „unvollendet" und verfehle „die selbst gesteckten Ziele der Politik", sagte er nach Vorlage des Krankenhausreformanpassungsgesetzes. Es fehle eine Reform, die „Krankenhäuser von Bürokratie entlastet" und „die Etablierung telemedizinischer Angebote erleichtert". Seinen Geschäftsbericht 2025 überschrieb er mit einem Satz, der den Zustand der Branche präzise zusammenfasst: „Den Bürokratiewahnsinn stoppen!"

Die Klinikbetreiber müssen umdenken

Digitale Transformation ist kein IT-Projekt. Sie ist ein Führungsthema. Wer Digitalisierung an die IT-Abteilung delegiert, hat das Prinzip nicht verstanden. Wer hingegen Prozesse neu denkt, Interoperabilität konsequent einfordert und Daten durchgängig nutzt, kann Kosten senken, Personal entlasten und Qualität steigern – selbst in einem schwierigen Umfeld. Die Leuchttürme beweisen es. Wer heute nicht investiert, weil das Geld knapp ist, wird morgen noch weniger Spielraum haben. Das ist die eigentliche Falle.

Deutschlands Krankenhäuser stehen vor einer Weggabelung. Der eine Weg führt tiefer in die Krise: weiter sparen, weiter zögern, weiter flicken. Der andere führt in eine echte Transformation: digital, effizient, vernetzt. Die Mittel dafür sind bekannt. Die Leuchttürme zeigen, dass es funktioniert. Was fehlt, ist nicht Wissen. Es ist Entschlossenheit – bei der Politik wie bei den Betreibern. Gaß sagt: „Die Krankenhausplanung muss sitzen. Wir haben keine zweite Chance." Selten hatte ein Verbands-Chef derart recht.

Heiner Sieger KrankenhausreformHeiner Sieger
ist Chefredakteur der Fachpublikationen Digital Business Magazin und e-commerce magazin.

Bildquelle: Heiner Sieger

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