Laut einer neuen Studie von IFS haben zwei Drittel der befragten Unternehmen ihren Lagerbestand in der Krise erhöht. Zudem setzen sie verstärkt auf Diversifizierung und beziehen mehr Güter von einheimischen Zulieferern.
(Quelle: Blue Planet Studio - Adobe Stock)
66 Prozent der großen Unternehmen weltweit geben an, dass sie heute mehr Lagerbestand haben als vor der Pandemie. 18 Prozent geben sogar an, „deutlich mehr“ Lagerbestand zu halten. Die neue Studie im Auftrag von IFS wirft einen kritischen Blick auf den Einfluss der Lieferketten-Störung auf Unternehmen. So geben sieben von zehn Teilnehmern an, dass sie die Zahl ihrer Rohstoff-, Material- und Vorprodukt-Zulieferer als Reaktion auf die jüngsten Probleme in der Lieferkette erhöht haben. Die Rohstoffe, Komponenten und Endprodukte, die sie von ihren Zulieferern beziehen, werden dadurch wahrscheinlich teurer, vor allem angesichts der zunehmenden Inflation.
Dementsprechend haben 53 Prozent der Unternehmen in Erwägung gezogen, den Anteil der von ihnen selbst hergestellten Komponenten zu erhöhen. Diese und ähnliche Maßnahmen, die große Unternehmen jetzt zur Risikominderung ergreifen, führen jedoch zu zusätzlichen Kosten. Und auch zu mehr Komplexität und weniger Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Hinzu kommt, dass die Umstellung auf Kreislaufwirtschaft für viele Unternehmen weltweit zu einem Muss wird. Dies erhöht noch den Druck in diesem Bereich.
Lagerbestand: Beeinflussung der Betriebsprozesse
89 Prozent der deutschen Befragten nehmen eine Beeinflussung ihrer Betriebsprozesse durch Probleme und Störung in der Lieferkette und Fachkräftemangel wahr. 20 Prozent nehmen diese Beeinflussung sogar als sehr signifikant wahr und nur elf Prozent stellen keine Einwirkung fest. Hier geben 28 Prozent der Befragten den Mangel an Rohstoffen und Bauteilen als schwerwiegendstes Problem an. Sieben Prozent haben damit zu kämpfen, ihre Geschäftstätigkeit an den sich schnell wandelnden Markt anzupassen, 15 Prozent beklagen Qualifikationsdefizite.
Erhöhte regulatorische Belastungen wie den Brexit gaben 14 Prozent der deutschen Befragten an. 18 Prozent der Deutschen erwarten, dass die aktuellen Unterbrechungen der Geschäftstätigkeiten bis Mitte 2022 anhalten und 40 Prozent prognostizieren Besserung bis Ende 2022. 21 Prozent schätzen die Unregelmäßigkeiten werden bis Mitte 2023 andauern. Und zwölf Prozent gehen sogar davon aus, dass ein reibungsloser Betrieb erst wieder Ende 2023 einsetzen wird. Ein kleiner Prozentsatz von vier Prozent vermutet, dass die Störungen sich bis 2024 hinziehen. Fast drei Viertel (72 Prozent) orientieren sich in dieser Hinsicht verstärkt in Richtung einheimischer Zulieferer.
(Störfaktoren, die den Ablauf der Geschäftsprozesse beeinträchtigen. (Bild: IFS))
Lagerbestand: Im Supply Chain Management liegt das Hauptproblem
Als größte Priorität, die es durch Investitionen in Technologie in 2022 zu lösen gilt, sehen die befragten Unternehmen in Deutschland das Supply Chain Management an erster Stelle (46 Prozent). Als zweitgrößte Herausforderung nenen die Befragten die Kundenbetreuung (34 Prozent) und das Nachhaltigkeitsmanagement (29 Prozent). 33 Prozent sehen den Fokus auf der Verwaltung von Dienstleistungen. 29 Prozent auf Vertriebs- und Geschäftsentwicklung und 27 Prozent auf finanziellen Prognosen. 33 Prozent vermuten das Talent Management als einen der relevantesten Punkte und 23 Prozent geben den Investitionen in die Technik im Back Office höchste Priorität.
Wie der Report deutlich macht, haben viele große Unternehmen ihre Lieferketten neu aufgesetzt und teilweise auf innovative Art neugestaltet – und damit ihr Risiko für Ausfälle gemindert. Zum Maßnahmenkatalog gehört ein gezieltes Onshoring für mehr Versorgungssicherheit. Außerdem den unmittelbar verfügbaren Lagerbestand zur Sicherstellung der Nachfrage-Befriedigung zu erhöhen und nicht zuletzt zusätzliche Lieferanten auszuwählen. So wollen sie von Beginn an vermeiden, dass sie ihre Kunden enttäuschen müssen.
(In diese Technologien wollen Unternehmen verstärkt investieren. (Bild: IFS))
Auslagerung der Lieferkette führt zu höheren Kosten
Maggie Slowic, Global Industry Director for Manufacturing bei IFS, erklärt: „Große Unternehmen werden aufgrund der Maßnahmen, die sie ergreifen, um Störungen abzufedern, höhere Kosten und andere negative finanzielle Auswirkungen zu tragen haben. Die Auslagerung der Lieferkette führt häufig dazu, dass in teurere Rohstoffe oder Produktkomponenten investiert werden muss, insbesondere wenn die Inflation ansteigt, während die Vorratshaltung erhebliche Summen bindet, die ansonsten für das Unternehmen arbeiten könnten.“
Trotz aller Vorteile einer Kreislaufwirtschaft bedeutet der Übergang in eine solche eine klare Disruption für große Unternehmen. Das gilt vor allem dann, wenn Maschinenpark und Prozesse nicht ohne weiteres auf Abfallreduzierung, Wiederverwendung und Recycling von Materialien ausgelegt sind. Und dies gilt insbesondere, wenn man die anderen makroökonomischen Störungen berücksichtigt, mit denen die Unternehmen weiterhin konfrontiert sind - von COVID-19 bis zum Krieg in der Ukraine.
Stand: 16.12.2025
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Darüber hinaus zeigt der Report die enormen Probleme, die viele Unternehmen mit der Rekrutierung von Nachwuchs-Talenten haben. Knapp zwei Drittel der Befragten berichten von Schwierigkeiten in dieser Hinsicht – vor allem wegen der Knappheit an entsprechend qualifizierten Bewerbern. Immer noch 39 Prozent glauben, dass sich die Situation bis Ende 2022 nicht entscheidend ändern wird.
Investitionen in neue Technologien für Kreislaufwirtschaft
„Unternehmen müssen dringend eine Lösung finden – zumal die Inflation und Preis-Volatilität die Situation nicht gerade erleichtert. Kommen dann noch der Druck zum Einstieg in die Kreislaufwirtschaft und die Lieferketten-Problematik hinzu, geht kein Weg an signifikanten Investitionen in neue Technologien vorbei. Technologien, die für mehr Agilität durch bessere Datenanalysen sorgen, sodass sich genauere Prognosen über die Nachfrageentwicklung treffen lassen. Wer jetzt entschlossen, zielgerichtet und vor allem kosteneffizient handelt, erhöht nicht nur seine Resilienz, sondern auch seine Zukunftsfähigkeit“, kommentiert Slowic.
Zehn Prozent der deutschen befragten Unternehmen gehen allerdings davon aus, dass ihr Budget für neue Technologien und digitale Transformation im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 um elf bis 20 Prozent sinken wird. 13 Prozent fürchten sogar es werde 21 bis 50 Prozent weniger Budget zur Verfügung stehen. Nur sechs Prozent nehmen an, dass das Budget konstant bleibt. 11 bis 20 Prozent mehr Budget für Digitalisierungsprozesse erhoffen sich 15 Prozent der Befragten. Nur 0,4 Prozent nehmen an, dass bis zu 50 Prozent mehr Budget in die digitale Zukunftsfähigkeit investiert werden könne.
Für die Studie "Supply Chain & Circular Economy" wurden im Auftrag von IFS mehr als 1.450 Geschäftsführer in Großunternehmen in Deutschland, Frankreich, Skandinavien, den USA, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten befragt. IFS entwickelt und liefert Cloud-Enterprise-Software für Unternehmen, die Waren herstellen und vertreiben, Anlagen bauen und warten und dienstleistungsorientierte Abläufe verwalten. Innerhalb einer zentralen Plattform sind die branchenspezifischen Lösungen mit einem einzigen Datenmodell verbunden und nutzen eingebettete digitale Innovationen. (sg)