Die Varonis Threat Labs hat beobachtet, dass stark individualisierte Ransomware im letzten Jahr vermehrt eingesetzt wurde. Außerdem wurde die zunehmende Verbreitung von „Commodity Malware“ festgestellt.
(Quelle: James Thew - Adobe Stock)
Unter dem Begriff Commodity Malware versteht man Schadsoftware, die in großem Umfang zum Kauf oder zum kostenlosen Download angeboten wird. Sie ist zudem nicht auf einzelne Opfer angepasst und wird von einer Vielzahl unterschiedlicher Angreifer verwendet. Unter der enormen Menge an verfügbaren Malware spielen nach den Beobachtungen der Sicherheitsforscher von Varonis vor allem folgende neun Varianten eine herausragende Rolle.
1. Malware: njRAT
njRAT wurde erstmals Ende 2012/Anfang 2013 beobachtet und ist ein weit verbreiteter Remote-Access-Trojaner (RAT). Dieser wurde ursprünglich von der Cybercrime-Bande Sparclyheason entwickelt. Der Quellcode dieses RAT wurde bereits im Mai 2013 veröffentlicht. Dies führte dazu, dass er vor allem von weniger versierten Cyberkriminellen genutzt wird. In Untergrundforen und auf YouTube wurden zahlreiche Anleitungen und Tutorials zur Verwendung veröffentlicht. njRAT ist immer noch sehr weit verbreitet und wird zumeist über Spam-Kampagnen verteilt. Zudem findet er sich in „trojanisierten“ Versionen legitimer Anwendungen, die von verdächtigen Quellen und File-Sharing-Websites heruntergeladen werden.
Ähnlich wie andere populäre RAT-Programme bietet njRAT Fernsteuerungs- und Überwachungsfunktionen sowie die Möglichkeit, Dateien zu übertragen und auszuführen, die Registry zu manipulieren und auf eine Remote-Shell zuzugreifen. Darüber hinaus kann das RAT über angeschlossene Mikrofone und Webcams Audio- und Videoaufnahmen aus der Ferne machen sowie Keylogging- und Kennwortdiebstahl-Funktionen nutzen.
2. Formbook (XLoader)
Formbook wurde erstmals Anfang 2016 beobachtet und 2020 in XLoader umbenannt. Die Malware steht in Untergrundforen als Malware-as-a-Service zur Verfügung. Sie wird häufig von weniger versierten Angreifern verwendet, um Anmeldeinformationen oder andere Daten von Opfern zu stehlen. Die Verbreitung von Formbook nahm wohl insbesondere aufgrund seiner Verfügbarkeit, geringen Kosten und einfachen Verwendung auch im Jahr 2021 weiter zu. Ursprünglich zielte Formbook nur auf Windows ab.
Seit der Einführung von XLoader wird jedoch auch Apple macOS unterstützt. Formbook enthält neben seinen Fähigkeiten zum Diebstahl von Anmeldeinformationen auch einige RAT-ähnliche Funktionen, wie die Möglichkeit, Nutzdaten zu übertragen und auszuführen sowie einen Neustart oder das Herunterfahren des Systems zu erzwingen. Insofern eignet sich Formbook auch als Einstiegspunkt, um bösartige Nutzlasten zu verbreiten und auch weitere Ziele jenseits eines Datendiebstahls zu erreichen.
3. Malware: NanoCore
NanoCore wurde erstmals im Jahr 2013 entdeckt und konnte für rund 25 US-Dollar erworben werden. Mittlerweile sind auch „geknackte“ Versionen im Cybercrime-Untergrund weit verbreitet. Die Malware bietet typische RAT-Funktionen, die durch eine modulare Architektur ergänzt werden können. So lässt sich durch Plugins die Funktionalität deutlich erweitern. Dank der Verfügbarkeit von geknackten und geleakten Versionen wird NanoCore auch heute noch häufig eingesetzt. Die Verbreitung erfolgt dabei zumeist über Phishing-Mails sowie infizierte Raubkopien.
4. Lokibot
Lokibot (auch bekannt als Loki und LokiPWS) ist ein Information Stealer, der erstmals Mitte 2015 auftauchte und zunächst für bis zu 400 US-Dollar in Cybercrime-Foren verkauft wurde, bevor sein Quellcode geleakt wurde. Er unterstützt zusätzliche Module wie einen Keylogger und Funktionen zum Diebstahl von Kryptowährungs-Wallets. Zuletzt wurde er häufig in Zusammenhang mit COVID-19-Phishing-Kampagnen beobachtet.
5.Remcos
Remcos wird als „legitimes“ kommerzielles Fernzugriffs-Tool vermarktet und wird von seinen Entwicklern regelmäßig aktualisiert. Remcos ist eine der am weitesten verbreiteten Remote Access Trojaner und richtet sich wie ähnliche Tools vor allem an wenig erfahrene Angreifer, die sich in zahlreichen YouTube-Tutorials über die Malware informieren können. Allerdings verwenden auch viele professionelle Angreifer Remcos, um nicht eigene Tools entwickeln zu müssen und sich so auf die anderen Phasen ihres Angriffs konzentrieren zu können.
Zusätzlich zu den Standard-RAT-Funktionen bietet Remcos eine „Remote Scripting“-Funktion, mit der Code gleichzeitig auf mehreren Hosts ausgeführt werden kann. Darüber hinaus können Nutzer von Remcos zusätzliche Dienste von den Entwicklern erwerben, z. B. einen Massen-Mailer zum Versenden von Phishing-Mails und einen dynamischen DNS-Dienst. Dieser stellt einen einzigen Hostnamen zur Verfügung, der den Zugriff auf den Command-and-Control (C2)-Host erleichtert und es den Angreifern ermöglicht, ihre IP-Adresse zu aktualisieren, ohne die Remcos-Binärdatei aktualisieren zu müssen.
Stand: 16.12.2025
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6. Malware: AZORult
AZORult wurde erstmals Anfang 2016 entdeckt und ist ein Information Stealer, der häufig über Malspam-Kampagnen verbreitet wird, die aktuelle Themen aufgreifen oder sich als legitime Geschäftskommunikation tarnen. Dabei werden zumeist Microsoft Office-Dokumente mit bösartigen Makros verbreitet. Aktivieren die Opfer Makros, wird die bösartige Nutzlast von der Command-and-Control-Infrastruktur der Angreifer heruntergeladen. Anschließend wird AZORult gestartet, um vertrauliche Daten zu stehlen, darunter Anmeldeinformationen, Zahlungskartendetails, Browsing-Daten und Kryptowährungs-Wallets, bevor er sie an den C2 sendet und sich deaktiviert.
AZORult tritt häufig in Verbindung mit anderen Angriffen auf, die zumeist weitere Ziele verfolgen. Neben der Tarnung als Geschäftskommunikation erfolgt die Verbreitung häufig über infizierte „Cracks“ oder andere fragwürdige Inhalte, die häufig mit Urheberrechtsverletzungen in Verbindung stehen.
7. Netwire
Netwire wurde erstmals 2012 identifiziert und ist sehr stark verbreitet. Der Fernzugriffstrojaner (RAT), wird häufig über Phishing-Kampagnen verbreitet, die vermeintlich Bestellbestätigungen oder Tracking-Benachrichtigungen beinhalten. Zusätzlich zu den Standard-RAT-Funktionen verfügt Netwire seit 2016 über eine Funktion zum Auslesen von Zahlungskarten. Diese zielt auf speziell auf Zahlungsgeräte in Geschäften ab. Die Malware verwendet für ihren Command-and-Control-Verkehr eine spezielle Verschlüsselung, um einer Entdeckung zu entgehen und Ermittlungen zu erschweren. Die gestohlenen Daten werden dabei vor der Übertragung verschlüsselt.
8.Danabot
Bei Danabot handelt es sich um einen modularen Banking-Trojaner. Dieser wurde ursprünglich von einer einzigen Gruppe genutzt und nun als Malware-as-a-Service (MaaS) an andere Cyberkriminelle verkauft wird. Ursprünglich konzentrierte sich Danabot auf den Diebstahl von Anmeldeinformationen, Kryptowährungs-Konten und Bankanmeldeinformationen durch Web-Injects. Durch die modulare Architektur lässt sich die Malware jedoch leicht anpassen und vielseitig einsetzen. So stehen etwa RAT- und eine Ransomware-Verschlüsselungsfunktionen zur Verfügung.
Im Oktober 2021 wurde ein NPM-Paket für die beliebte JavaScript-Bibliothek „UAParser.js“ kompromittiert und modifiziert. Ziel war es, Danabot zusammen mit einem Crypto-Miner herunterzuladen und auszuführen. Das legitime Paket wird wöchentlich zwischen sechs und sieben Millionen Mal heruntergeladen, was die enormen Auswirkungen eines Supply-Chain-Angriffs verdeutlicht.
9. Malware: Emotet
Emotet ist wohl eines der bekanntesten Schadprogramme. Ursprünglich wurde Emotet als Banking-Trojaner entwickelt. Obwohl Emotet einige Kernfunktionen zum Stehlen von Informationen beibehielt, entwickelte sich die Malware im Laufe der Jahre zu einem Downloader für andere bösartige Nutzlasten. Zudem offerierten Akteure hinter Emotet ihr Botnet als Dienstleistung an. Sie wurden so zu einem führenden Verteiler anderer gängiger Bedrohungen wie etwa der Ryuk-Ransomware. Zwischenzeitlich wurde es auch aufgrund eines Takedowns durch verschiedene Strafverfolgungsbehörden etwas ruhiger um die Malware. Allerdings nehmen die Aktivitäten wieder deutlich zu, teilweise unter neuen Namen und in anderen Konstellationen.
Varonis verfolgt seit 2005 einen anderen Ansatz als die meisten IT-Sicherheits-Anbieter, indem es die sowohl lokal als auch in der Cloud gespeicherte Unternehmensdaten ins Zentrum der Sicherheitsstrategie stellt. Die Datensicherheits-Plattform (DSP) von Varonis erkennt Insider-Bedrohungen und Cyberangriffe durch die Analyse von Daten, Kontoaktivitäten, Telemetrie und Nutzerverhalten. Mit dem Schwerpunkt auf Datensicherheit adressiert Varonis eine Vielzahl von Anwendungsfällen. Zu diesen gehören Data Governance, Datenschutz und -klassifizierung, Zero Trust, Bedrohungserkennung und Compliance. (sg)