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Security im Wandel

Zero Trust am Limit: Warum legitime Zugangsdaten zur größten Gefahr werden

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Detection und Response schließen die Lücke

Diese Entwicklung erklärt auch, warum sich die Diskussion rund um Zero Trust verändert hat. Während sich die erste Generation von Zero-Trust-Projekten vor allem auf Identitäten und Berechtigungen konzentrierte, rücken heute Detection und Response in den Mittelpunkt.

Technologien wie Endpoint Detection and Response (EDR), Extended Detection and Response (XDR) oder Managed Detection and Response (MDR) schließen genau diese Lücke. Sie analysieren Aktivitäten auf Endgeräten, korrelieren Ereignisse aus unterschiedlichen Quellen und erkennen Verhaltensmuster, die auf einen Angriff hindeuten können.

Dabei geht es nicht nur um bekannte Malware oder klassische Signaturen. Moderne Sicherheits-Lösungen bewerten Zusammenhänge und Auffälligkeiten, die für einzelne Systeme zunächst harmlos erscheinen würden. Ein ungewöhnlicher Login allein muss kein Problem sein. In Kombination mit einem plötzlichen Datenabzug, verdächtigen PowerShell-Aktivitäten oder auffälligen Netzwerkverbindungen entsteht jedoch ein völlig anderes Bild.

Zunehmend rücken dabei auch Identitäten selbst in den Fokus der Sicherheitsüberwachung. Unter dem Begriff Identity Threat Detection and Response (ITDR) etablieren sich Lösungen, die kompromittierte Konten, verdächtige Anmeldeversuche oder missbrauchte Berechtigungen erkennen sollen. Damit schließt sich der Kreis zwischen klassischem Identity Management und modernen Detection-and-Response-Konzepten.

Threat Intelligence liefert den notwendigen Kontext. Informationen über aktuelle Angriffskampagnen, bekannte Angreifergruppen oder neue Angriffstechniken helfen dabei, Risiken schneller einzuordnen und Prioritäten zu setzen.

Für diese Entwicklung hat sich inzwischen ein Begriff etabliert: Zero Trust Plus.

DARUm GREIFEN VIELE Zero-Trust-Projekte zu kurz

In vielen Unternehmen wird Zero Trust noch immer vor allem mit Multi-Faktor-Authentifizierung, Single Sign-On oder strengeren Zugriffsrichtlinien gleichgesetzt. Diese Maßnahmen sind wichtig, decken aber nur einen Teil des Sicherheitsrisikos ab.

Häufig fehlen:

Transparenz über Aktivitäten nach der Anmeldung

Durchgängiges Monitoring von Endgeräten und Cloud-Diensten

Korrelation von Ereignissen aus unterschiedlichen Systemen

Threat Intelligence zur Einordnung aktueller Bedrohungen

Definierte Prozesse für Incident Response

Ausreichende Sichtbarkeit auf privilegierte Konten

Die Folge: Angreifer können sich mit kompromittierten, aber legitimen Identitäten oft über längere Zeit unbemerkt in einer Umgebung bewegen. Genau diese Lücke soll ein erweitertes Zero-Trust-Verständnis schließen.

Das steckt hinter Zero Trust Plus

Gemeint ist damit kein Ersatz für Zero Trust und auch kein neues Framework. Vielmehr beschreibt der Begriff die Weiterentwicklung eines Sicherheitsmodells, das sich lange Zeit stark auf Identitäten und Zugriffsentscheidungen konzentriert hat.

Zero Trust Plus ergänzt diese Grundlage um kontinuierliche Sichtbarkeit, Bedrohungserkennung und Reaktionsfähigkeit. Im Mittelpunkt stehen dabei vier zentrale Aspekte: die Fähigkeit, Angriffe frühzeitig zu erkennen, eine durchgängige Transparenz über Identitäten, Endgeräte und Cloud-Ressourcen, die Zusammenführung von Sicherheitsinformationen in Plattformen sowie die konsequente Ausrichtung auf Cyber Resilience. Der Fokus verschiebt sich damit von der Frage, ob ein Angriff stattfindet, hin zur Frage, wie schnell er erkannt und eingedämmt werden kann.

Die vier Säulen von Zero Trust Plus

1. Identität: Identitäten bleiben die Grundlage jeder Sicherheitsentscheidung. MFA, Least Privilege, Privileged Access Management und kontextabhängige Zugriffsrichtlinien sorgen dafür, dass Benutzer und Systeme nur die Rechte erhalten, die sie tatsächlich benötigen.

2. Sichtbarkeit: Unternehmen benötigen Transparenz über Endgeräte, Anwendungen, Cloud-Ressourcen und Benutzeraktivitäten. Nur wer seine Umgebung kennt, kann Risiken erkennen.

3. Detection & Response: EDR-, XDR- und MDR-Lösungen helfen dabei, verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen, zu analysieren und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Threat Intelligence liefert zusätzlichen Kontext.

4. Cyber Resilience: Sicherheitsstrategien werden zunehmend daran gemessen, wie schnell ein Unternehmen auf Vorfälle reagieren und den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten kann. Die Begrenzung von Schäden wird damit ebenso wichtig wie die Prävention. 

Cyber Resilience als neue Messgröße

Diese Entwicklung wird auch durch regulatorische Anforderungen beschleunigt. Vorgaben wie NIS2 oder DORA verlangen von Unternehmen längst mehr als reine Präventionsmaßnahmen. Gefordert werden kontinuierliche Überwachung, strukturierte Reaktionsprozesse und die Fähigkeit, Sicherheitsvorfälle wirksam zu bewältigen.

Damit verändert sich auch die Erfolgsmessung moderner Sicherheitsstrategien. Früher lautete die entscheidende Frage: Wie verhindern wir einen Angriff? Heute lautet sie zunehmend: Wie schnell erkennen wir einen Angriff und wie wirksam begrenzen wir dessen Auswirkungen? Die vielleicht wichtigste Erkenntnis dabei: In modernen IT-Umgebungen geht es längst nicht mehr darum, jeden Angriff zu verhindern. Entscheidend ist, wie schnell ein Unternehmen erkennt, dass etwas nicht stimmt.

Genau hier liegt die eigentliche Bedeutung von Zero Trust Plus. Der Ansatz ersetzt die bewährten Prinzipien von Zero Trust nicht. Er erweitert sie um die Fähigkeiten, die Unternehmen in einer Realität benötigen, in der erfolgreiche Angriffe trotz aller Schutzmaßnahmen jederzeit möglich sind. Vertrauen darf auch künftig nicht vorausgesetzt werden. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, verdächtige Aktivitäten rechtzeitig zu erkennen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, verdächtige Aktivitäten rechtzeitig zu erkennen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

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Zero TrustMichael Klatte
ist Security-Experte bei Eset.

Bildquelle: Eset