Colocation hilft dem Mittelstand, steigende Anforderungen an die IT-Infrastruktur zu erfüllen. Bei der Anbieterwahl fällt zunehmend auch die Erfüllung digitaler Souveränität ins Gewicht.
(Bild: Nexspace)
Darum geht‘s
Regulatorische Vorgaben machen den IT-Betrieb im eigenen Serverraum zunehmend anspruchsvoll.
Colocation ermöglicht mittelständischen Unternehmen den Zugang zu hochverfügbarer und energieeffizienter Rechenzentrums-Infrastruktur.
Digitale Souveränität gewinnt zunehmend an Bedeutung. Daher gehört die Auswahl des Colocation-Partners heutzutage in die Geschäftsführung.
Mit eigenen Serverräumen stoßen mittelständische Unternehmen schnell an strukturelle Grenzen. Das liegt nicht zuletzt an den seit Jahren steigenden regulatorischen Anforderungen. IT-Sicherheitsrichtlinien wie NIS2 fordern eine redundante Strom- und Kühlungsversorgung, physische Zutrittskontrollen und eine hohe Verfügbarkeit von IT-Systemen. Gleichzeitig verpflichtet das Energieeffizienzgesetz Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und hält sie dazu an, ihre IT-Infrastruktur energieeffizient zu betreiben. Mit Colocation lassen sich die Anforderungen erfüllen.
Die dafür notwendigen Maßnahmen überfordern viele mittelständische Unternehmen, weil sie sich nur mit großem organisatorischem und finanziellem Aufwand umsetzen lassen. Colocation bietet einen praktikablen Ausweg: Unternehmen jeder Größe können ihre Server in das professionelle Rechenzentrum eines Dienstleisters verlegen. Dort finden sie eine Betriebsumgebung vor, die sie in Eigenregie nicht auf wirtschaftliche Art und Weise erreichen können.
Colocation: Worauf kommt es bei der Auswahl an?
Die Auswahl des Colocation-Dienstleisters wird dabei meist vor allem anhand technischer und wirtschaftlicher Kriterien getroffen. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen:
Welche Verfügbarkeit wird garantiert?
Wie leistungsfähig ist die Netzwerkanbindung?
Welche PUE (Power Usage Effectiveness) weist das Rechenzentrum auf?
Welche Zertifizierungen hat das Rechenzentrum?
Wie flexibel lassen sich zusätzliche Kapazitäten bereitstellen?
Welche Kosten entstehen?
Solche Kriterien sind natürlich relevant und bilden eine wichtige Grundlage für die Anbieter-Auswahl. Mittelständische Unternehmen sollten sich aber nicht darauf beschränken. Mit der Auslagerung der IT-Infrastruktur verändert sich nicht nur die technische Betriebsumgebung. Unternehmen gehen gleichzeitig eine langfristige Beziehung zu einem externen Dienstleister ein, der zentrale Teile ihrer digitalen Wertschöpfung beherbergt. Dadurch stellt sich auch die Frage der digitalen Souveränität.
Digitale Souveränität wird zum strategischen Ziel
Dieses Thema gewinnt wegen der anhaltenden politischen Spannungen immer mehr an Bedeutung. Auf europäischer Ebene wird digitale Souveränität zunehmend als strategisches Ziel formuliert. Staaten, Unternehmen und Institutionen sollen ihre digitalen Abhängigkeiten selbst steuern und kritische Infrastrukturen unter eigener rechtlicher und organisatorischer Kontrolle betreiben.
Für Unternehmen stellt sich damit zunehmend die Frage, wer im Ernstfall Zugriff auf geschäftskritische Daten erhalten könnte und welchen rechtlichen Rahmenbedingungen dieser Zugriff unterliegt. Besonders kritisch ist vor diesem Hintergrund der US Cloud Act. Er ermöglicht es US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen, von US-Unternehmen die Herausgabe von Daten zu verlangen. Das gilt auch dann, wenn die Daten an Standorten außerhalb der Vereinigten Staaten gespeichert werden.
Colocation-Auswahl wird zur Chefsache
Bei der Auswahl eines Colocation-Partners sollten mittelständische Unternehmen nicht nur auf technische Leistungsfähigkeit und wirtschaftliche Attraktivität achten, sondern auch darauf, dass sie die Kontrolle über ihre Daten behalten. Das erreichen sie am besten, wenn sie nicht auf einen globalen Dienstleister setzen, sondern einen lokalen Anbieter wählen, der seinen Sitz in der Europäischen Union hat und dadurch auch selbst dem Rechtsraum der DSGVO angehört. Dann haben sie bei der Speicherung und Verarbeitung ihrer Daten im Rechenzentrum des Colocation-Dienstleisters Rechtssicherheit.
Die Berücksichtigung von digitaler Souveränität verändert den Charakter der Colocation-Entscheidung spürbar. Es geht nicht nur um technische Anforderungen und Kosten, sondern auch um eine strategische Entscheidung. Diese lässt sich nicht allein auf IT-Ebene treffen. Sie betreffen die übergreifende Risikosteuerung und liegen damit in der Verantwortung der Geschäftsführung.
Colocation als Antwort auf aktuelle Herausforderungen
Colocation ist heute für viele mittelständische Unternehmen die Antwort auf steigende Anforderungen an Sicherheit, Verfügbarkeit und regulatorische Konformität. Sie ermöglicht den Betrieb moderner IT-Infrastrukturen unter Bedingungen, die im eigenen Serverraum nur schwer wirtschaftlich darstellbar sind.
Die Anbieterauswahl sollte aber nicht nur von technischen und wirtschaftlichen Kriterien geleitet werden. Wer heute einen Colocation-Partner auswählt, entscheidet nicht nur über Rack-Fläche und Verfügbarkeit, sondern auch über die digitale Souveränität seines Unternehmens.
Stand: 16.12.2025
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Q&A: Colocation im Mittelstand
Warum entscheiden sich mittelständische Unternehmen für Colocation? Weil professionelle Rechenzentren Anforderungen an Verfügbarkeit, Sicherheit und Compliance häufig wirtschaftlicher erfüllen können als eigene Serverräume.
Welche Rolle spielt digitale Souveränität bei Colocation? Auch bei der Auslagerung ihrer IT-Infrastruktur an einen externen Dienstleister sollten Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten behalten.
Welche Vorteile bieten europäische Colocation-Anbieter? Sie unterliegen dem europäischen Datenschutz- und Rechtsrahmen. Dadurch haben Unternehmen Rechtssicherheit bei der Speicherung und Verarbeitung ihrer Daten.
Thomas Firatan ist Chief Sales Officer beim Rechenzentrenbetreiber nexspace data centers.Er verfügt über 20 Jahre Vertriebserfahrung in der Rechenzentrums- und IT-Branche und bekleidete Führungspositionen bei zahlreichen internationalen Unternehmen.