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Einsatz agentischer KI Digitale Souveränität: KI-Innovationen aus Europa

Von Nico Bäumer 6 min Lesedauer

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Die Wirtschaft in der EU strebt digitale Souveränität an und möchte unabhängiger von Big-Tech-Konzernen werden. Gleichzeitig verspricht agentische KI große Effizienzgewinne. Nico Bäumer von d.velop erläutert, wie Unternehmen beide Ziele vereinen können.

(Bild:  © atmospheric-20stock/stock.adobe.com)
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Darum Geht`s

Die Debatte um digitale Souveränität:
Versäumt Europa KI-Innovationen, wenn es sich zu sehr von der restlichen Tech-Welt abkoppelt?

Agent ≠ Model:
Es muss nicht Open AI oder Google sein, Agenten können auch mit lokalen Modellen betrieben werden – Human-In-The-Loop sollte Pflicht sein.

Kein Schwarz-Weiß-Denken:
Absolute Souveränität wird es nie geben, es bleibt je nach Use Case abzuwägen. 

Dass fehlende digitale Souveränität reale Probleme verursachen kann, hat ein Vorfall am Internationalen Strafgerichtshof im letzten Herbst eindrucksvoll gezeigt. Nachdem der Chefankläger zeitweise keinen Zugriff mehr auf seine E-Mails hatte, entschied sich die Behörde für einen Wechsel von Microsoft zum deutschen openDesk. Auch andere Institutionen und Unternehmen stoßen ähnliche Projekte an und versuchen den Souveränitätsgedanken praktisch umzusetzen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit mit den Effizienz- und Innovationspotenzialen agentischer KI in Einklang bringen lässt.

Schnell kommt dann auch die Frage auf, ob Europa durch das Beharren auf dem Souveränitätsprinzip Innovationen versäumt. Oder droht andererseits die Dystopie einer außer Kontrolle geratenen, unkontrollierbaren KI? Aus einer technologischen Frage wird dann nicht selten auch noch eine kulturelle Dimension abgeleitet, die asiatische Innovationskraft und amerikanischen Unternehmergeist europäischer Zurückhaltung oder gar Rückständigkeit gegenüberstellt.

Digitale Souveränität gehört zur Unternehmensstrategie

Akademische Diskussionen auf diesem Niveau können wir uns in der Praxis allerdings nicht mehr leisten. Schließlich ist beides Realität: Geopolitische Spannungen, die Abhängigkeiten hinterfragen lassen, und KI-Agenten, die immer leistungsfähiger und zum festen Bestandteil von Unternehmensstrategien werden. Für uns als IT-Dienstleister geht es darum, wie wir einen Mittelweg finden können, der die kontrollierte und Compliance-konforme Nutzung von KI-Agenten für europäische Unternehmen ermöglicht.

Wie lassen sich Agenten und Modelle entkoppeln?

Aus der privaten und teilweise auch beruflichen Nutzung generativer KI sind es viele Menschen gewohnt, „künstliche Intelligenz“ mehr oder weniger synonym mit einem bestimmten Anbieter oder Modell zu verwenden – man nutzt ChatGPT, Claude, Copilot, Gemini etc. Viele Anwender bleiben ihrem präferierten Chatbot treu. Um Unternehmens-KI und vor allem Agenten für Unternehmen besser zu verstehen, müssen wir uns von diesen Vorstellungen lösen. Dies beginnt damit, dass es sich bei Agenten in Unternehmen in den meisten Fällen nicht um eine monolithische All-in-one-Lösung handelt.

Das wird der Realität von gewachsenen und regulierten Geschäftsprozessen nicht gerecht. Stattdessen geht es darum, KI so in diese Prozesse zu integrieren, dass sie dort im Rahmen konkreter Anforderungen direkt Mehrwert liefert. Agenten, die darauf ausgelegt sind, können hochspezialisiert sein. Somit muss gar nicht immer ein Large Language Model (LLM) im Hintergrund laufen, auch Zugriff auf das Internet ist nicht zwingend notwendig. Ein KI-Agent kann auch auf einem lokalen Small Language Model (SLM) basieren und nur mit unternehmenseigenen Daten arbeiten. Dies wäre das höchste Level an Souveränität – für viele Anwendungsfälle aber weder wirtschaftlich sinnvoll noch notwendig.

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