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Interview

Open Source: „Java ist zwar nicht hip, aber kritische Infrastruktur“

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Open-Source-Software steigert die Produktivität

Wie können Unternehmen ihre Java-Umgebungen denn konkret optimieren?

Ian Whiting: Ein wichtiger Bereich ist die Performance. Wenn Java-basierte Anwendungen schneller starten und mehr Vorgänge pro Sekunde verarbeiten, können Unternehmen ihre Produktivität steigern und die Customer Experience verbessern. Für einen Finanzdienstleister bedeutet ein performanteres Java zum Beispiel schnellere Trades und mehr Umsatz. Ein E-Commerce-Anbieter kann mehr Kunden in kürzere Zeit bedienen und kommt früher zum Abschluss. Java-Anwendungen lassen sich ganz einfach beschleunigen, indem man eine leistungsfähigere JVM (Java Virtual Machine) einsetzt. Azul bietet dafür Platform Prime, seine High-Performance-Java-Plattform. Unternehmen können damit zum Beispiel auch ihre Cloud-Kosten optimieren.

Welche Rolle spielt Java denn für die Cloud-Kosten?

Ian Whiting: Unternehmen verlagern immer mehr Business-Anwendungen in die Cloud. Da ein Großteil dieser Applikationen auf Java basiert, wirkt sich die Java-Performance auch maßgeblich auf die Cloud-Kosten aus. Die Rechnung ist ganz einfach: Je schneller die Java-Anwendungen laufen, desto weniger vCPU-Leistung verbrauchen sie. Eine Studie von Azul hat gezeigt, dass die meisten Unternehmen ihre Cloud-Ressourcen überprovisionieren, weil sie Angst vor Performance-Engpässen haben. Denn bei geschäftskritischen Applikationen kann sich niemand Ruckler oder Störungen leisten. 

Um Lastspitzen abzufedern, zahlen sie also dauerhaft für Rechenleistung, die sie zum Großteil gar nicht benötigen. Mit einer performantere JVM lässt sich die Zahl der vCPUs dagegen deutlich reduzieren, ohne dass die Nutzererfahrung leidet. Dieser Use Case ist sehr wichtig, denn viele Unternehmen stellen nach der Migration fest, dass ihre Cloud-Ausgaben aus dem Ruder laufen. Sie suchen daher nach Möglichkeiten, um Kosten zu reduzieren.

Für welche Unternehmen lohnt sich der Einsatz von Azul Java?

Ian Whiting: Vor allem Unternehmen mit großen Java-Entwicklungsumgebungen profitieren von unserer Plattform. Sie sparen durch den Umstieg und die Optimierungen am meisten. So gehören zu unserem Kundenstamm zum Beispiel 36 Prozent der Fortune-100-Unternehmen, die zehn größten Banken der Welt und zahlreiche weitere renommierte Weltkonzerne. Wir haben aber auch kleinere Kunden, die sehr kritische Workloads betreiben und daher hohe Anforderungen an Stabilität und Performance haben, wie etwa in der Finanzbranche.

Wechsel von Oracle Java zu OpenJDK von Azul

Wie können Unternehmen zu Azul Java migrieren?

Ian Whiting: Wir arbeiten mit einigen großen Software Asset Management- und Software-Services-Partnern zusammen, die bei der Migration unterstützen. Außerdem stellen wir Tools und Best Practices bereit. In der Regel beginnt ein Projekt mit einer Bestandsaufnahme: Wo und wie setzt das Unternehmen Oracle Java ein? Wo liegen die Lizenzrisiken und welche Systeme sind davon betroffen? Technisch ist der Wechsel dann vergleichsweise unkompliziert, da Azul ja eine vollständig kompatible OpenJDK-Version anbietet, die Oracle-Java eins zu eins ersetzt. Kunden können außerdem selbst entscheiden, wo sie unsere Plattform betreiben – ob On Premises oder in einer Cloud ihrer Wahl.

Hat Java auch in Zukunft Bestand?

Ian Whiting: Auf jeden Fall. Java wird kontinuierlich von der Open-Source-Community weiterentwickelt und wird auch künftig eine tragende Rolle im Bereich der Business-Anwendungen spielen. Ein bisschen lässt sich das mit den Rohren in einem Haus vergleichen: Java ist zwar nicht hip, aber kritische Infrastruktur. Der Bedarf an stabilen, sicheren und kosteneffizienten Alternativen zu Oracle Java SE ist daher groß. Das zeigt sich auch daran, dass Azul kontinuierlich wächst. Vor Kurzem ist mit Thoma Bravo außerdem eine der größten Private-Equity-Firmen der Welt als Mehrheits-Investor eingestiegen. Ein klares Zeichen dafür, welch strategisches Potenzial in Java weiterhin steckt.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Whiting.

Open SourceStefan Girschner
ist Redakteur bei Digital Business - Expertenmagazin für digitale Transformation.

Bildquelle: Stefan Girschner

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