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Interview Open Source: „Java ist zwar nicht hip, aber kritische Infrastruktur“

Von Stefan Girschner 6 min Lesedauer

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Java bildet das Rückgrat vieler geschäftskritische Anwendungen. Doch die Lizenzpolitik von Oracle treibt die Kosten in die Höhe. Digital Business sprach mit Ian Whiting, CRO bei Azul, welche Open-Source-Alternativen es gibt und warum sich der Umstieg für Unternehmen lohnt.

(Bild:  © klss777/stock.adobe.com)
(Bild: © klss777/stock.adobe.com)

Darum geht’s

Rolle von Java und Unternehmenswahl: Java ist die weltweit führende Programmiersprache mit rund 70 Prozent der Business-Anwendungen, ideal geeignet für individuelle Software in diversen Branchen. Unternehmen schätzen die Unterstützung durch die Open-Source-Community sowie die Vielzahl an verfügbaren Bibliotheken und Frameworks.

Kosteneffiziente Alternativen und Migration: Angesichts steigender Kosten für Oracle Java wählen viele Unternehmen alternative OpenJDK-basierte Lösungen wie Azul, die vergleichbare Leistung bieten und günstigere Lizenzbedingungen aufweisen. Azul erleichtert die Migration durch Best Practices und Partner.

Zukunft und Performance-Optimierung: Java bleibt relevant durch kontinuierliche Open-Source-Entwicklung und ist entscheidend für die Effizienz von Anwendungen, insbesondere in der Cloud. Die verbesserte JVM von Azul kann Cloud-Kosten senken, indem sie die vCPU-Nutzung optimiert, was bei vielen Unternehmen zu finanziellen Einsparungen führt. 

Bei Java denken viele Menschen an eine veraltete Technologie. Herr Whiting, können Sie erklären, welche Rolle die Programmiersprache heute immer noch in Unternehmen spielt?

Ian Whiting: Java ist nach wie vor die populärste Programmiersprache der Welt. Laut Analysten wie Gartner laufen rund 70 Prozent aller Business-Anwendungen auf dieser Plattform. Große Unternehmen entwickeln damit individuelle Open-Source-Applikationen, die sich nicht mit Standardsoftware abbilden lassen – etwa in der Fertigung, im Finanzwesen, im Handel oder in der Logistik. Trading-Systeme, Enterprise-Industrie-Anwendungen oder Online-Retail-Systeme basieren zum Beispiel häufig auf Java. Viele Unternehmen wählen diese Programmiersprache, weil sie weit verbreitet ist und von einer riesigen, weltweiten Community unterstützt wird. So bietet Java eine außergewöhnlich große Auswahl an Bibliotheken und Frameworks, die Entwickler nutzen können.

Der Gesprächspartner

Ian Whiting ist Chief Revenue Officer bei Azul. Er ist für alle Aspekte der Einnahmen bei Azul verantwortlich, wie Vertrieb, Vorverkäufe, Vertriebspartnerschaften und Dienstleistungen. Er bringt langjährige Erfahrung in der Führung von Unternehmen mit. Vor seinem Eintritt bei Azul war er unter anderem bei Silver Peak Systems, Ruckus Wireless, Fusion-IO und Riverbed tätig.

Open Source
(Bild: Azul)

Java ist ja Open Source. Warum zahlen Unternehmen trotzdem für eine kommerzielle Version?

Ian Whiting: Open Source ist grundsätzlich ein großer Vorteil, weil Menschen auf der ganzen Welt zur Weiterentwicklung von Java beitragen. Das bringt aber auch Herausforderungen mit sich Denn Unternehmen, die geschäftskritische Anwendungen betreiben, benötigen regelmäßige Security-Patches, Updates und langfristigen Support. Sie müssen sicher sein, dass ihre Applikationen stabil sind und effizient laufen. Daher entscheiden sich viele folgerichtig für eine kostenpflichtige Enterprise-Version.

Ursprünglich wurde Java ja einmal von Sun Microsystems erfunden. Oracle hat Sun dann 2010 übernommen und früh ein kommerzielles Modell aufgesetzt. Mittlerweile müssen Kunden aber viel Geld für Oracle Java SE bezahlen und immer wieder neue Lizenzbedingungen hinnehmen. Seit der letzten Änderung sind die Kosten bei den meisten Anwendern geradezu explodiert. Viele planen daher, zu einem anderen Java-Anbieter zu wechseln oder haben dies bereits getan.

Open Source-Distribution OpenJDK als Alternative

Welche Alternativen haben Unternehmen, denen Oracle Java zu teuer geworden ist?

Ian Whiting: Oracle Java basiert nach wie vor auf der Open-Source-Software OpenJDK. Im Grunde hat Oracle nichts Wesentliches am Quellcode geändert, verkauft Java SE jetzt aber als Closed Source. Es gibt zahlreiche andere gute Anbieter auf dem Markt, die ebenfalls OpenJDK-basierte Enterprise-Versionen von Java bereitstellen. Sofern diese TCK-zertifiziert sind, können sie Oracle Java eins zu eins ersetzen. TCK steht für Technology Compatibility Kit und bedeutet: Die Software ist zu 100 Prozent Java-Standard Edition kompatibel. Unternehmen können also problemlos auf solche Java-Distributionen umsteigen. Azul bietet beispielsweise mit Platform Core eine sichere, stabile Oracle-Alternative, die im Vergleich zu Oracle 70 Prozent günstiger ist. Anders als Oracle wird die Software nämlich nicht nach der Anzahl der Mitarbeiter lizensiert, sondern nach tatsächlich vorhandenen Java-Nutzern.

Viele Unternehmen haben noch nie von Azul gehört. Wer verbirgt sich dahinter?

Ian Whiting: Tatsächlich gibt es Azul schon seit über 20 Jahren. Wir sind das einzige Software-Unternehmen, das sich zu 100 Prozent auf Java spezialisiert hat, und beschäftigen rund 160 Java-Spezialisten. Ich sage gern scherzhaft, dass wir das bestgehütete Geheimnis im Enterprise-Software-Markt sind. Denn viele große Unternehmen setzen Azul-Produkte und Services im Hintergrund ein, reden aber nicht darüber. Azuls primäres Geschäft besteht darin, Oracle Java zu ersetzen – mit günstigeren und flexibleren Lizenzbedingungen und starkem Support. Darüber hinaus wollen wir Java aber auch besser für Unternehmen machen.

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