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Sicherheitslücken

Schwachstellen: Warum 1.000 Patches pro Monat nicht mehr ausreichen

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Eine Architektur, die sich nicht um die nächsten 100 Schwachstellen kümmert

Kein Unternehmen kann buchstäblich immun gegen alle Software-Sicherheitslücken werden, aber widerstandsfähig gegen deren Auswirkungsbereich. Ein mögliches Szenario wäre, dass ein Angreifer eine unbekannte Chrome- oder Windows-Sicherheitslücke auf dem Laptop eines Mitarbeiters ausnutzt. Die erste Frage sollte in diesem Fall nicht lauten: Wird unser SOC dies erkennen? Stattdessen: Worauf hat dieser Laptop Zugriff? Kann er RDP- oder SSH-Verbindungen zu Servern herstellen? Kann er über SMB auf Dateifreigaben zugreifen? Kann ein Angreifer gestohlene Anmeldedaten über WinRM oder RPC nutzen? Kann er einen Domain-Controller, ein Backup-System, eine Produktionsdatenbank oder eine kritische Cloud-Workload erreichen?

In viel zu vielen Umgebungen lautet die Antwort auf diese Fragen häufig „Ja“.Eine „Containment-First“-Architektur ändert diese Antwort. Sie identifiziert kontinuierlich legitime Kommunikation, entfernt unnötige Pfade, schließt privilegierte Ports standardmäßig und verlangt eine Identitätsüberprüfung, wenn Benutzer oder Agenten risikoreichen Zugriff anfordern.

Systematische Eindämmung statt Patch-Management

Das zügige Einspielen von Sicherheitsupdates bleibt ein wichtiger Bestandteil der IT-Sicherheit. Das reine Abarbeiten von Hunderten von Schwachstellen kann jedoch nicht das langfristige Leitbild der Sicherheitsstrategie sein. KI-gestützte Systeme und zunehmend automatisierte Angriffsketten führen zu einer steigenden Zahl identifizierter Schwachstellen und kürzeren Reaktionszeiten.

Dieser Entwicklung können Unternehmen weder mit personeller Aufstockung noch mit der bloßen Anschaffung weiterer Erkennungstools dauerhaft begegnen. Die nachhaltige Lösung liegt in einer Architektur, die Schwachstellen einkalkuliert, von einer potenziellen Kompromittierung ausgeht und verhindert, dass ein initialer Zugriff in eine schwerwiegende Betriebsstörung mündet. Das Ziel ist der Aufbau eines Sicherheitsprogramms, bei dem neu auftretende Schwachstellen nicht zwangsläufig zu operativen Krisen führen.

Checkliste für Ciso: 7 Maßnahmen

1. Ermittlung des tatsächlichen Ausbreitungsradius: Die Analyse basiert auf Fakten statt auf theoretischen Architekturdiagrammen. Hierfür werden repräsentative Stichproben ausgewählt: ein Mitarbeitergerät, ein Server, eine privilegierte Identität, eine Cloud-Workload sowie eine betriebliche Ressource. Auf dieser Grundlage wird exakt ermittelt, welche Systeme jeweils tatsächlich erreichbar sind und welche Ports sowie Protokolle dafür offenstehen.

Lösung: Ein Schwachstellen-Score gibt Aufschluss darüber, wie schwerwiegend eine Schwachstelle sein könnte. Eine Bewertung des Ausbreitungsradius zeigt, wie schwerwiegend die Lage im Unternehmen ist.

2. Priorisierung von Schwachstellen nach erreichbaren Auswirkungen: Das konsequente Einspielen von Patches bleibt eine Kernaufgabe der IT-Sicherheit. Reine CVSS-Scores reichen jedoch nicht aus, um das tatsächliche Geschäftsrisiko abzubilden.

Lösung: Eine kritische Schwachstelle auf einer isolierten Ressource kann ein geringeres Geschäftsrisiko darstellen als ein Schwachpunkt mit niedrigerer Einstufung auf einer Workstation, von der aus 85 Prozent der Umgebung erreichbar sind.

3. Schließen unnötiger Ost-West-Verbindungen: Viele interne Zugriffsmöglichkeiten existieren lediglich aus historischer Gewohnheit oder Bequemlichkeit, nicht aufgrund tatsächlicher geschäftlicher Anforderungen. Verbindungen, die durch flache Netzwerkarchitekturen, veraltete Konfigurationen oder zu freizügige Firewall-Regeln entstanden sind, gilt es systematisch zu identifizieren und eliminieren. 

Der Grundsatz ist: Ausschließlich geschäftlich notwendige Kommunikation wird zugelassen, jeglicher andere Datenverkehr wird konsequent blockiert. Die Abgrenzung kritischer Netzwerkgrenzen – wie etwa das Unterbinden von Direktzugriffen von Mitarbeiter-Laptops auf Produktionsserver – erfordert präventives Handeln und darf nicht erst die Reaktion auf eine neu bekannt gewordene Sicherheitslücke sein.

4. Schutz privilegierter Protokolle zum Zeitpunkt des Zugriffs: Protokolle wie RDP, SMB, SSH, WinRM und RPC bieten zwar leistungsstarke Verwaltungswege, ermöglichen Angreifern jedoch gleichzeitig die rasche Ausweitung eines initialen Zugriffs. Privilegierte Ports bleiben daher standardmäßig geschlossen, bis ein legitimer Zugriff angefordert wird. Unerwartete Zugriffe – ob durch menschliche Akteure oder KI-Agenten – erfordern eine Identitätsprüfung nach dem Just-in-Time-Prinzip, während bekannte Maschine-zu-Maschine-Kommunikation weiterhin zugelassen wird. Gestohlene Anmeldedaten allein dürfen einem Angreifer niemals uneingeschränkte interne Bewegungsfreiheit gewähren.

5. Entkopplung der Eindämmung von der Erkennung: Unternehmen müssen Kontrollmaßnahmen so konzipieren und testen, dass sie laterale Bewegungen stoppen – selbst, wenn die anfängliche Kompromittierung noch nicht identifiziert wurde.

Lösung: Erkennungsmechanismen dienen der Sichtbarkeit und der Bereitstellung von Kontext. Sie dürfen jedoch nicht die einzige Schutzschicht zwischen einem kompromittierten Endgerät und einem unternehmensweiten Ausfall darstellen.

6. Ergänzung von SOC-Geschwindigkeitskennzahlen durch Resilienz-Metriken: Die durchschnittliche Erkennungs- und Reaktionszeit (MTTD/MTTR) bleiben relevante Leistungskennzahlen. Sie bieten dem Vorstand jedoch keine ausreichende Aussage darüber, ob das Unternehmen Angriffe in KI-Geschwindigkeit abwehren kann.

Lösung: Das Reporting ist um ressourcen- und architekturorientierte Kennzahlen zu erweitern. Die zentrale Kennzahl auf Vorstandsebene sollte einfach sein: Wie viel vom Geschäftsbetrieb kann ein kompromittiertes System stören?

7. Vorbereitung einer belastbaren Argumentation für den Vorstand: Vorstände stellen zunehmend die Frage: Was passiert, wenn KI eine ausnutzbare Schwachstelle entdeckt, bevor sie sich beheben lässt? Der Verweis auf bestehende Erkennungssysteme stellt hierbei keine ausreichende Antwort mehr dar.

Eine fundierte Positionierung lautet: Das Unternehmen kennt die genauen Ausbreitungswege, die von einem kompromittierten System aus erreichbar sind. Unnötige Zugriffspfade wurden eliminiert, privilegierte Protokolle eingeschränkt und risikoreiche Zugriffe verifiziert. Der potenzielle Schadensumfang wird somit bereits vor Beginn eines Angriffs wirksam begrenzt. Dies stellt eine messbare und überprüfbare Aussage zur Widerstandsfähigkeit dar.

Umsetzung des Modells mit Mythos Readiness Pack

Das von Zero Networks entwickelte Mythos Readiness Pack unterstützt CISOs dabei, dieses Sicherheitsmodell in die Praxis umzusetzen. Es hilft Unternehmen zu bewerten, ob die bestehende Architektur in der Lage ist, Angriffe einzudämmen, die hochentwickelte KI-Systeme wie Mythos beschleunigen. Das Paket umfasst folgende Komponenten:

  • Breach Map: Visualisierung der Pfade, über die ein Angreifer von einer initialen Kompromittierung zu kritischen Systemen gelangen könnte.
  • Bewertung der Anfälligkeit für Lateral Movement: Benchmark-Analyse auf Basis zahlreicher realer Unternehmensumgebungen.
  • Plan zur Pfadreduzierung: Priorisierung der Verbindungen mit dem höchsten operativen Risiko.
  • Roadmap zur Eindämmung: Maßnahmen-Set, das ohne vollständige Neugestaltung der Netzwerkarchitektur auskommt.
  • Vorstandsgerechte Zusammenfassung: Überblick über den aktuellen Ausbreitungsradius, das Geschäftsrisiko, die Prioritäten sowie messbare Fortschritte.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Schwachstellenscans erzeugt dieses Vorgehen keine rein additiven Mängellisten. Es adressiert direkt die Kernfrage, die beim traditionellen Schwachstellenmanagement oft offenbleibt: Welche konkreten Handlungsspielräume besitzt ein Angreifer nach der erfolgreichen Ausnutzung einer Schwachstelle?

Kay Ernst Zero Networks SchwachstellenKay Ernst
ist Country Manager DACH bei Zero Networks. Die Plattform von Zero Networks beschleunigt in Kombination mit fortschrittlichen Lösungen für Identitätssegmentierung und Zero-Trust-Netzwerkzugang Zero-Trust-Initiativen in Unternehmen jeder Größe.

Bildquelle: Zero Networks

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