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Serie: KI-Technologie aus China KI-Offensive von China: KI in virtuellen Welten – Teil 23

Ein Gastbeitrag von Chang Luo und Xinyu Chen 6 min Lesedauer

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China exportiert längst nicht mehr nur VR-Headsets oder AR-Brillen, sondern inzwischen KI-gestützte XR-Ökosysteme aus Hardware, Plattformen, Entwicklungswerkzeugen, Avataren, digitalen Zwillingen und Assistenten für die virtuelle Welt.

Die KI-Brille von Rokid blendet Navigation, Untertitel und Assistenzfunktionen direkt ins Sichtfeld ein.(Bild:  Rokid)
Die KI-Brille von Rokid blendet Navigation, Untertitel und Assistenzfunktionen direkt ins Sichtfeld ein.
(Bild: Rokid)

Künstliche Intelligenz erzeugt Inhalte, steuert Avatare, analysiert Nutzerverhalten, personalisiert virtuelle Umgebungen und verbindet reale mit digitalen Welten. Während sich die öffentliche Diskussion über künstliche Intelligenz häufig auf Sprachmodelle, Chatbots und Agenten konzentriert, entsteht in China bereits die nächste Entwicklungsstufe der digitalen Wirtschaft. Dort verschmelzen künstliche Intelligenz, Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Extended Reality (XR) zu einem integrierten Ökosystem, das Unterhaltung, Handel, Industrie, Bildung und Dienstleistungen für eine virtuelle Welt gleichermaßen erfasst. 

Die chinesische KI-Offensive findet damit nicht nur auf der Ebene von Sprachmodellen statt, sondern zunehmend auch in virtuellen und erweiterten Realitäten. Für europäische Unternehmen ist diese Entwicklung von Bedeutung, weil China längst nicht mehr nur Hardware exportiert, sondern komplette KI-XR-Technologie-Stacks, Entwicklungsplattformen und digitale Geschäftsmodelle für eine virtuelle Welt. Klar sichtbar wird diese Entwicklung im Gaming-Sektor. Unternehmen wie Tencent, NetEase, ByteDance, Alibaba und Baidu nutzen KI inzwischen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 

Tencent entwickelt mit Code Craft eine Plattform, die aus einfachen Spracheingaben automatisch Spielwelten erzeugt. Nutzer beschreiben ihre Idee in natürlicher Sprache, die KI generiert daraus spielbare 2D- oder 3D-Umgebungen. Ergänzend entstehen umfangreiche Asset-Bibliotheken, aus denen Figuren, Landschaften und Objekte automatisch zusammengestellt werden können.

KI wird vom Werkzeug zum Produktionsmotor für eine virtuelle Welt

Parallel dazu entwickelt Tencent mit Think in Games (TiG) und GameGen-O Prototypen für KI-Systeme, die Millionen von Spielzügen analysieren und daraus adaptive Spielmechaniken erzeugen. KI wird damit vom Werkzeug für Nicht-Spieler Charakter und Gegnerverhalten zum eigentlichen Produktionsmotor für Spiele. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich bei NetEase, das mit KI-generierten Charakteren und sogenannten AI-NPCs experimentiert. Diese virtuellen Figuren verfügen über Langzeitgedächtnis, erinnern sich an frühere Interaktionen und können komplexe Geschichten dynamisch weiterentwickeln. Plattformen wie DreamNow und TDream gehen noch einen Schritt weiter und verbinden KI-generierte Videos mit interaktiven Handlungssträngen.

Internationale Aufmerksamkeit erhielt China zuletzt durch den weltweiten Erfolg von Black Myth: Wukong. Das Spiel demonstriert eindrucksvoll, wie chinesische Entwickler traditionelle chinesische Kultur, moderne Grafiktechnologie und KI-gestützte Produktionsverfahren zu global konkurrenzfähigen AAA-Titeln verbinden können. Viele Branchenbeobachter betrachten das Projekt als Symbol dafür, dass China inzwischen nicht nur Produktionsstandort, sondern auch Innovationszentrum der weltweiten Spieleindustrie geworden ist.

Neue intelligente Hardware aus China

Gleichzeitig wächst eine neue Generation intelligenter XR-Hardware heran. Zu den wichtigsten chinesischen Anbietern zählen XREAL (ehemals Nreal), Rokid, RayNeo von TCL, Pico von ByteDance, Pimax, RealMax, Xiaomi, Huawei, Lenovo sowie zahlreiche spezialisierte Start-ups. Diese Unternehmen verfolgen als gemeinsames Ziel die Ablösung des Smartphones als dominierende Benutzerschnittstelle.

Die aktuelle Generation chinesischer AR-Brillen kombiniert Mikro-OLED-Displays, Computer Vision, Eye Tracking, Sprachsteuerung und generative KI. Die Geräte analysieren ihre Umgebung, erkennen Objekte, Personen oder Maschinen und projizieren kontextbezogene Informationen direkt in das Sichtfeld des Nutzers. Hersteller wie Rokid, Xreal und RayNeo positionieren sich inzwischen offensiv auf internationalen Märkten und suchen aktiv nach Partnern in Europa.

Virtuelle Welt: Verbindung der Hardware mit KI-Modellen

Code Craft von Tencent generiert Spiele durch Interaktion mit natürlicher Sprache. Nutzer geben eine Textbeschreibung ein, die KI erstellt dann Prototypen verschiedener Spieltypen.(Bild:   Tencent)
Code Craft von Tencent generiert Spiele durch Interaktion mit natürlicher Sprache. Nutzer geben eine Textbeschreibung ein, die KI erstellt dann Prototypen verschiedener Spieltypen.
(Bild: Tencent)

Der eigentliche Innovationssprung entsteht jedoch durch die Verbindung dieser Hardware mit leistungsfähigen KI-Modellen. Die Brille wird vom passiven Anzeigegerät zum intelligenten Assistenten. Sie erkennt Gebäude, Maschinen, Produkte oder technische Komponenten und blendet automatisch relevante Informationen ein. Denkbar sind Echtzeitübersetzungen während Geschäftsreisen, Wartungsanleitungen für Maschinen, technische Zeichnungen direkt am Objekt oder kontextabhängige Sicherheitsinformationen für Mitarbeitende.

China betrachtet diese Technologien nicht als isolierte Produkte, sondern als Bestandteil einer umfassenden Industriepolitik. Die chinesische Regierung verfolgt das Ziel, einen der weltweit größten XR-Märkte aufzubauen. Staatliche Förderprogramme, massive Investitionen in 5G-Infrastrukturen sowie Subventionen für AR- und VR-Geräte beschleunigen die Marktdurchdringung zusätzlich. Experten erwarten, dass China bereits in wenigen Jahren weltweit den größten Markt für XR-Anwendungen stellen könnte.

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