Deutsche Industrie sieht in KI einen Wettbewerbsfaktor
Am Beispiel humanoider Robotik zeigt sich, wie stark die industrielle Entwicklung inzwischen von Künstlicher Intelligenz geprägt wird. Rückert erklärt: „KI ist nicht mehr nur eine einzelne Anwendung, sie wird derzeit zur wohl wichtigsten Basistechnologie in industrieller Entwicklung, Fertigung und Betrieb.“ 79 Prozent der Industrieunternehmen sind der Auffassung, dass künstliche Intelligenz künftig entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie sein wird. 76 Prozent sind der Meinung, dass die deutsche Industrie beim Einsatz von KI eine Vorreiterrolle einnehmen sollte.
Nur 19 Prozent halten KI in der Industrie für einen vorübergehenden Hype. Gleichzeitig stimmt mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Aussage zu, dass die deutsche Industrie die KI-Revolution zu verschlafen droht, neun Prozentpunkte mehr als im letzten Jahr. Dennoch sieht sich bei KI jedes zweite deutsche Industrieunternehmen (51 Prozent) vorne. 46 Prozent ordnen sich hingegen eher als Nachzügler ein (36 Prozent) oder sagen gar, sie hätten den Anschluss verpasst (10 Prozent). Rückert kommentiert: „Künstliche Intelligenz ist für die deutsche Industrie die wohl wichtigste Zukunftsfrage. Die Unternehmen sehen in KI enormes Potenzial für mehr Effizienz, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit.“
Schwache Konjunkturlage bremst Digitalisierung
48 Prozent der Unternehmen sehen eine große Bedeutung in Industrie 4.0, 43 Prozent in künstlicher Intelligenz.
(Bild: Bitkom e.V.)
Die schwierige gesamtwirtschaftliche Lage wirkt sich nachteilig auf die Digitalisierung der deutschen Industrie aus. Über die Hälfte (58 Prozent) der Industrieunternehmen ist der Auffassung, dass die aktuelle Konjunktur die Digitalisierung ihres Unternehmens bremsen wird. 45 Prozent rechnen mit einem Stellenabbau im eigenen Unternehmen, gleichzeitig erwarten 48 Prozent, infolge von Stellenkürzungen in anderen Industrieunternehmen Fachkräfte gewinnen zu können.
Neben der wirtschaftlichen Lage erhöht auch der Wettbewerb aus China den Druck auf die deutsche Industrie. Mehr als jedes achte Industrieunternehmen (13 Prozent) empfindet einen sehr starken Wettbewerbsdruck aufgrund gestiegener Exporte aus China, fast die Hälfte (49 Prozent) einen eher starken Wettbewerbsdruck. Umgekehrt spürt lediglich jedes fünfte Industrieunternehmen (22 Prozent) nur geringen, 13 Prozent spürt keinerlei zusätzlichen Druck.
Bei Industrie 4.0 hat deutsche Industrie Aufholbedarf
Der wirtschaftliche Druck trifft die Industrie in einer Phase, in der sich der internationale Wettbewerb weiter verschärft. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland nach Selbsteinschätzung der Unternehmen bei Industrie 4.0 nur auf Platz drei. Ein Zehntel (10 Prozent) der Industrieunternehmen sieht Deutschland international beim Thema Industrie 4.0 vorne. Als führende Nation bei Industrie 4.0 wird derzeit am häufigsten China genannt (34 Prozent), und auch die USA werden von 21 Prozent in diesem Bereich führend wahrgenommen.
Die Situation ihres eigenen Unternehmens bewerten die Befragten etwas positiver. Neun Prozent der deutschen Industrieunternehmen sehen sich an der Spitze, 38 Prozent eher als Vorreiter bei Industrie 4.0. Knapp die Hälfte (50 Prozent) sieht sich umgekehrt als Nachzügler, lediglich 1 Prozent sagt, dass das eigene Unternehmen den Anschluss verpasst habe. „China legt bei Industrie 4.0 das Tempo vor“, so Rückert. „Deutschland muss dranbleiben, mit mehr Tempo und Investitionen in Innovation und digitaler Infrastruktur.“
Unternehmen und Politik sind jetzt in der Verantwortung
Wie können Industrieunternehmen bei der Einführung von Industrie-4.0-Anwendungen besser unterstützt werden? Dafür braucht es sowohl in der Wirtschaft selbst als auch in der Politik die richtigen Weichenstellungen, „Viele zentrale Anwendungen von Industrie 4.0 bauen heute auf KI auf oder werden durch sie deutlich leistungsfähiger. Umso wichtiger ist es, KI nicht nur punktuell zu testen, sondern sie systematisch in Produktions- und Engineering-Prozesse zu überführen – mit leistungsfähiger Infrastruktur, einheitlichen Datenstandards und qualifizierten Beschäftigten entlang der Wertschöpfungskette“, sagt Rückert. „Deutschland braucht bei industrieller KI bessere Standortbedingungen: Mehr Rechenkapazitäten, bessere Dateninfrastrukturen, umsetzbare Regeln, gezielte Fachkräftequalifizierung und einfache Förderprogramme für den Mittelstand. Jetzt geht es nicht mehr um das nächste Pilotprojekt, sondern um den breiten Einsatz von KI in der Wirtschaft und Industrie.“
Stand: 16.12.2025
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