DB Podcast

Anthropic Fable 5 und Mythos 5 Digitale Souveränität: Wer unsere Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert unsere Zukunft

Ein Gastkommentar von Ismet Koyun 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Als die US-Regierung den Zugang zu den KI-Systemen Fable 5 und Mythos 5 einschränkte, wurde Europas Abhängigkeit mal wieder schlagartig sichtbar. Warum digitale Souveränität jetzt zur Dringlichkeit wird – ein Kommentar von Ismet Koyun von Kobil.

(Bild:  © Yasin/stock.adobe.com)
(Bild: © Yasin/stock.adobe.com)

Mit Fable 5 und Mythos 5 hat Anthropic zwei der fortschrittlichsten KI-Systeme auf den Markt gebracht. Wenige Tage später hat die US-Regierung den Zugang für ausländische Nutzer eingeschränkt. Haben das viele lange verdrängt, so macht dieser Vorfall erneut deutlich: Solange digitale Dienste zuverlässig funktionieren, scheinen sie selbstverständlich. Sobald aber politische Interessen ins Spiel kommen, zeigt sich, wem die Infrastruktur gehört – und wer über ihren Einsatz entscheidet.

Solange digitale Dienste zuverlässig funktionieren, scheinen sie selbstverständlich. Sobald aber politische Interessen ins Spiel kommen, zeigt sich, wem die Infrastruktur gehört – und wer über ihren Einsatz entscheidet.

Ismet Koyun, CEO und Gründer der Kobil Gruppe

Wir sind damit abhängig, auch wenn es sich mehr wie Komfort als Abhängigkeit anfühlt. Und wir bekommen es zu spüren: Wir sind nicht mehr handlungsfähig, wenn wir keine Hoheit über die Technologien haben, die wir nutzen. Und genau das ist mit der Anthropic-Sache der Fall.

Es entsteht eine neue technologische Machtordnung. Staaten nutzen digitale Infrastruktur als Machtinstrument – und verfügen damit über Einfluss auf Forschung, Wirtschaft, Sicherheit und Gesellschaft. Zwar hat Europa erstklassige Forschungsinstitute, innovative Unternehmen und Startups, aber: Digitale Schlüsseltechnologien, auf denen unsere Wirtschaft aufbaut, kommen aus USA und China. Stimmen Interessen überein, fällt diese Abhängigkeit nicht auf. Gibt es andere politische Interessen und haben plötzlich politische Entscheidungen aus anderen Ländern unmittelbar Einfluss darauf, wird es problematisch. Genau das erleben wir gerade.

Jede Volkswirtschaft braucht ein Mindestmaß an Eigenständigkeit, um handlungsfähig zu bleiben. Wenn kritische digitale Infrastruktur in fremden Händen liegt, entscheiden diese darüber. Diese Entscheidungen werden automatisch zu unseren Entscheidungen, ob wir wollen oder nicht. Deshalb brauchen wir souveräne Alternativen – aus Europa, betrieben in Europa, und gehostet in Europa.

Digitale Souveränität bedeutet für mich: Wir sind auch unter veränderten politischen Bedingungen entscheidungs- und handlungsfähig. Wir nutzen eigene Technologien, vertrauenswürdige Infrastrukturen, sichere Kommunikations-Plattformen und digitale Identitäten. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft, nicht nur für einzelne Unternehmen und Regierungen. Europa muss hier geschlossen auftreten und unsere Fähigkeit sichern, die Zukunft selbst zu gestalten.

Digitale Souveränität: Die Technologie ist da, der Mut nicht

Die Unternehmen, Technologien und Plattformen, die wir brauchen, um digital souverän zu sein, gibt es hier in Europa, und gerade auch in Deutschland.

 Ich beschäftige mich seit Jahrzehnten mit der Frage, wie digitale Identitäten, sichere Kommunikation sowie digitale Verwaltungs- und Geschäftsprozesse so gestaltet werden können, dass die Kontrolle über Daten, Zugänge und technologische Weiterentwicklung dort bleibt, wo sie hingehört – bei Bürgern, Unternehmen und Institutionen. Das ermöglichen wir mit unserer SuperApp-Technologie – bereits im Einsatz als sichere City-Apps und als Trusted-Enterprise-Plattform für Organisationen. Das zeigt, dass digitale Ökosysteme sehr wohl aus Europa heraus aufgebaut und betrieben werden können. Theoretisch könnten wir unabhängig von außereuropäischen Plattformen sein. Aber wir sind es nicht, weil unseren Politikern der Mut fehlt. Und das kann böse ausgehen.

Fable 5 und Mythos 5 werden nicht die letzten Vorfälle dieser Art bleiben. Mit der wachsenden Bedeutung von KI werden technologische Entscheidungen immer häufiger von USA und China bestimmt werden.

Deshalb rufe ich unsere Politik und Wirtschaft auf: Bildet eine Einheit, tut euch zusammen und nutzt das Know-how und die Innovationen, die wir in Europa haben. Lasst uns diese Stärke ausspielen. Denn wir können es uns nicht leisten, dauerhaft von den Entscheidungen anderer abhängig zu sein. Wir dürfen damit nicht erst irgendwann anfangen. Digitale Souveränität entsteht nicht über Nacht. Wir müssen Bestehendes nutzen und weiterentwickeln – und langfristig in eigene Innovationen und Kompetenzen investieren. So haben wir europäische Alternativen, die wir selbst einsetzen und kontrollieren können, sodass wir im entscheidenden Moment handlungsfähig sind.

Digitale SouveränitätIsmet Koyun
ist CEO und Gründer der Kobil Gruppe.

Bildquelle: Kobil

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung