Neue Forschungsergebnisse von TrendAI zeigen, dass gestohlene Gesundheitsdaten heute in einer ausgereiften Underground-Economy gehandelt werden. Beteiligt sind dabei gleichermaßen Ransomware-Gruppen, Access Broker, Fraud-Marktplätze und Credential-Händler.
TrendAI hat in dem neuen Report „The Cybercriminal Underground: Mapping the Healthcare Data Economy“ den Handel mit Gesundheitsdaten im Cybercrime-Untergrund analysiert. Demnach zählt Deutschland zu den Ländern mit den meisten öffentlich erreichbaren Medizinsystemen. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten analysierten die Forscher von TrendAI 7.779 Beiträge in Untergrund-Foren, 21.813 Marktplatz-Inserate und 95 Ransomware-Leak-Sites mit Bezug zu Cyberkriminalität im Gesundheitswesen.
Die Ergebnisse zeigen: Gesundheitsdaten zählen nach wie vor zu den begehrtesten Gütern, die im kriminellen Untergrund gehandelt werden. Ihre Dauerhaftigkeit, Sensitivität und die Möglichkeit, sie für verschiedene Formen von Betrug und Erpressung gleichzeitig zu nutzen, machen sie für Kriminelle besonders attraktiv.
Ransomware forciert Untergrundhandel mit Gesundheitsdaten
Datenverkäufe aus Ransomware-Vorfällen machten dabei mehr als ein Drittel (36,3 Prozent) der gesamten Marktplatzaktivität aus. Ransomware-Akteure kombinieren dabei zunehmend Verschlüsselung mit Datendiebstahl und Erpressung. Darüber hinaus identifizierten die Forscher eine wachsende Zielausrichtung auf Anbieter von elektronischen Gesundheitsakten. Ein einziger erfolgreicher Angriff kann dann hunderte nachgelagerte Healthcare-Einrichtungen kompromittieren.
Der Report zeigt zudem, dass sich Cyberkriminelle längst nicht mehr auf den Verkauf kompletter Datensätze beschränken. Auf Untergrund-Marktplätzen werden Gesundheitsdaten zunehmend als Grundlage für Identitätsdiebstahl, Versicherungsbetrug, gefälschte Atteste und Rezepte sowie die Übernahme von Patienten- und Mitarbeiterkonten gehandelt. Dadurch lassen sich gestohlene Datensätze über Jahre hinweg mehrfach monetarisieren.
Mayra Rosario ist Senior Threat Researcher bei TrendAI.
(Bild: TrendAI)
Mayra Rosario, Senior Threat Researcher bei TrendAI, erklärt: „Gesundheitsdaten haben sich von gestohlenen Informationen zu Assets entwickelt, die Cyberkriminelle langfristig nutzen können. Anders als eine Kreditkarte lassen sich Diagnosen, Behandlungshistorien oder biometrische Daten eines Patienten nicht einfach sperren und neu ausstellen – das macht sie für Ransomware-Gruppen und Datenhändler besonders attraktiv.“
Gesundheitsdaten: Vom Einzeltäter zur kriminellen Lieferkette
Die Angriffskette der Cyberkriminellen gegen Organisationen im Gesundheitswesen.
(Bild: TrendAI)
Die Studie beleuchtet auch die fortschreitende Industrialisierung der Cyberkriminalität im Gesundheitssektor: Underground-Marktplätze bieten mittlerweile ein breites Spektrum an – von Zugangsdaten zu Krankenhaus-Netzwerken und Versicherungsdaten bis hin zu vollständigen Identitätspaketen und gefälschten medizinischen Dokumenten.
Besonders stark wächst dabei die Rolle sogenannter Initial Access Broker. Diese spezialisierten Akteure verschaffen sich Zugang zu Netzwerken von Krankenhäusern, Kliniken oder Gesundheitsdienstleistern und verkaufen diesen anschließend an Ransomware-Gruppen oder andere Cyberkriminelle weiter. Die Arbeitsteilung senkt die Einstiegshürden für Angreifer und beschleunigt die Kommerzialisierung von Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen.
Dirk Arendt ist Director Government, Public and Healthcare DACH bei TrendAI.
(Bild: TrendAI)
Dirk Arendt, Director Government, Public and Healthcare DACH bei TrendAI, berichtet: „Was wir beobachten, sind keine isolierten Einzelfälle, sondern eine ausgereifte Untergrund-Wirtschaft, die gezielt rund um Cyberangriffe auf das Gesundheitswesen aufgebaut wurde. Aktuelle Vorfälle auch in Deutschland zeigen eindrücklich, wie sehr Patientendaten im Fokus von Cyberkriminellen stehen und unbedingt besser geschützt werden müssen.“ Die Studie warnt zudem davor, dass Lieferketten-Kompromittierungen über Software-Anbieter und medizinische Plattformen zu einem zentralen Risikoverstärker für den gesamten Sektor werden. Sie ermöglichen es Angreifern, ihre Operationen weit über einzelne Krankenhäuser oder Kliniken hinaus zu skalieren.
Aktuelle Vorfälle auch in Deutschland zeigen eindrücklich, wie sehr Patientendaten im Fokus von Cyberkriminellen stehen und unbedingt besser geschützt werden müssen.
Dirk Arendt, TrendAI
Ungeschützte Medizinsysteme: Deutschland auf Rang 5
Der Anteil ausgewählter Länder an den 3.627 öffentlich erreichbaren DICOM-Servern.
(Bild: TrendAI)
Parallel dazu identifizierten die Forscher von TrendAI erhebliche Risiken bei an das Internet angebundenen medizinischen Bildgebungssystemen. Eine separate Untersuchung fand weltweit 3.627 öffentlich erreichbare DICOM-Server in mehr als 100 Ländern. Deutschland belegte mit 138 exponierten Severn Rang 5 im weltweiten Vergleich. DICOM (Digital Imaging and Communications in Medicine) ist der zentrale Standard für den Austausch medizinischer Bilddaten wie MRT-, CT- oder Röntgenaufnahmen.
Stand: 16.12.2025
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Als besonders kritisch stellte sich heraus, dass der DICOM-Standard zwar seit Jahrzehnten Sicherheitsmechanismen wie Verschlüsselung, Authentifizierung und Zugriffskontrollen unterstützt, diese in der Praxis jedoch kaum genutzt werden. Nur 0,14 Prozent der identifizierten Systeme verwendeten die vorgesehene TLS-Verschlüsselung, während 99,56 Prozent Verbindungen ohne wirksame Authentifizierungsprüfung akzeptierten. Der Report warnt davor, dass Angreifer dadurch Patientendaten ausspähen, medizinische Bilddaten manipulieren, Ransomware einschleusen oder sich seitlich in Krankenhausnetzwerke bewegen könnten.