Vorausschauendes Handeln ist jetzt gefragt: KMU sollten betriebliche Notfallpläne erstellen, anstatt auf Kurzarbeit oder Personalabbau zu setzen. Denn wie eine neue Studie von Visable zeigt, ist jedes fünfte Unternehmen in Deutschland nicht auf Krisen vorbereitet.
(Quelle: Ngampol - Adobe Stock)
Erst die Pandemie, jetzt der Ukraine-Krieg: Die aktuellen Krisen stellen die Belastbarkeit der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland auf eine harte Probe. Nicht alle Unternehmen sind gleich gut darauf vorbereitet, wie der B2B-Plattformbetreiber Visable in einer vom Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführten Umfrage herausgefunden hat. KMU nutzen generell eine breite Palette an Maßnahmen zur Erhöhung ihrer Krisenfestigkeit. Der am weitesten verbreitete Ansatz: 20 Prozent der Unternehmen haben einen betrieblichen Notfallplan für Krisenfälle in der Schublade. Gleichzeitig steht aber jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) blank da und hat bisher gar keine Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Umsatzausfälle durch Krisen implementiert.
Resilienz gegen Krisen wird zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor
Peter F. Schmid, CEO von Visable, kommentiert die Ergebnisse der Studie: „Ich bin überrascht, dass so viele Unternehmen sich gar nicht auf Krisen vorbereitet haben. Der aktuelle Krisenzustand zeigt aber einmal mehr, wie wichtig es als Teil der strategischen Unternehmensführung ist, mögliche künftige Entwicklungen zu antizipieren und entsprechende Vorsorge zu treffen. Resilienz wird in den nächsten Jahren zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.“
Insgesamt scheinen deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich aber noch recht systematisch an die Absicherung gegen Krisen heranzugehen. In Österreich und der Schweiz liegt der Anteil von Unternehmen mit betrieblichem Notfallplan mit 18 und 16 Prozent etwas niedriger. Besonders signifikant ist der Kontrast zu Frankreich. Dort sorgen mit elf Prozent nur etwa halb so viele Unternehmen wie in Deutschland mit einem Notfallplan vor.
Hinter betrieblichen Notfallplänen folgen bei deutschen KMU auf Platz 2 und 3 der Maßnahmen-Rangliste mit der Bevorratung von Materialien (18 Prozent) und vermehrten Rückstellungen (16 Prozent) eher konservative Methoden zur Erhöhung der Krisenfestigkeit im Unternehmen. Proaktiv ausgerichtet sind dafür die Plätze Vier und Fünf: Investitionen in IT-Kompetenz (16 Prozent) und Diversifizierung des Einkaufs (15 Prozent). Schmid erklärt: „Den Einkauf breit aufzustellen und sich nicht von wenigen Lieferanten abhängig zu machen, ist eine sehr effektive Maßnahme zur Krisenvorbeugung. Das fördert die Resilienz und Flexibilität. Unsere B2B-Plattformen wlw und EUROPAGES bieten eine einfache Möglichkeit, online schnell und gezielt passende neue Anbieter zu finden.“
(Peter F. Schmid ist CEO von Visable. (Bild: Visable GmbH))
Kurzarbeitsregelung als Erfolgsgeschichte
Im internationalen Vergleich gibt es eine weitere Besonderheit. Kurzarbeit und Kostensenkungen durch Personalabbau oder Lohnkürzungen erreichen mit jeweils 14 Prozent in Deutschland nicht einmal die Top Fünf des Maßnahmenkatalogs. Im Durchschnitt aller an der Umfrage beteiligten Länder belegen sie aber Platz 1 und 2, teilweise mit deutlich höheren Werten. So setzen 23 Prozent der Schweizer KMU auf Kostensenkungen beim Personal. Ein gleich hoher Anteil der österreichischen Unternehmen setzt auf Kurzarbeit. Schmid analysiert: „Die Kurzarbeitsregelung stand den Unternehmen in Deutschland zu Beginn der Pandemie sofort zur Verfügung und konnte ohne große Hürden breitflächig angewandt werden. Das hat viele KMU vor dem Schlimmsten bewahrt und zu einer schnellen Erholung der wirtschaftlichen Situation beigetragen. Jetzt können deutsche KMU schon früher als in anderen Ländern wieder Richtung Zukunft denken und agieren. Man könnte sagen: Die Kurzarbeitsregelung ist eine deutsche Erfolgsgeschichte.“
(Mit diesen Maßnahmen wollen sich Unternehmen vor Krisen wappnen. (Bild: Visable))
Jobperspektive: Beauftragter für Krisen
Bei der Betrachtung klassischer – für viele wohl sogar „typisch deutscher“ – Vorsorgemaßnahmen fällt folgendes auf. Versicherungen genießen kein großes Vertrauen bei deutschen KMU, denn nur neun Prozent nutzen sie zur Vorbeugung gegen Umsatzausfälle im Krisenfall. Peter F. Schmid rät den Versicherern, sich dieses Vertrauen wieder zu erarbeiten: „Nicht zuletzt in der Krise fühlten sich viele Versicherte, als hätte man sie im Regen stehen lassen. Versicherungen müssen sich wieder als zuverlässige Partner erweisen. Sonst ist der Imageschaden irgendwann irreparabel.“
Während der Versicherungsmakler bei KMU eventuell auch in Zukunft nicht so gerne gesehen ist, könnte ein neuer Job im Unternehmen perspektivisch interessant werden. Einen unternehmenseigenen Krisenbeauftragten als Antwort auf das „Zeitalter der Krisen“ leisten sich derzeit zwar erst sieben Prozent der deutschen KMU. Doch jüngere Entscheider (18 bis 44 Jahre) agieren hier schon mit einem anderen Mindset als ihre älteren Kollegen. Fast dreimal so viele (elf Prozent gegenüber vier Prozent) sehen diese Position als wichtigen Beitrag zur Resilienz des eigenen Unternehmens.
Zur Methodik der Studie: Die Online-Umfragen wurden vom 5. Bis 10. April vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführt. In Deutschland nahmen 508 Personen mit Entscheidungsbefugnis in kleinen und mittleren Unternehmen teil. In Frankreich wurden 530 Personen, in der Schweiz und in Österreich jeweils 217 Menschen befragt. Visable unterstützt den industriellen Mittelstand, Produkte und Dienstleistungen für Einkäufer international zugänglich zu machen. Als auf Geschäftskunden zugeschnittene Verbindung aus eigenen B2B-Plattformen und Online-Marketing-Services wie Google Ads oder Retargeting bietet Visable Lösungen zur Reichweiten-Steigerung im Internet an. Zu den von der Visable GmbH betriebenen Plattformen gehört wlw („Wer liefert was“). Außerdem die europäische B2B-Plattform Europages, auf denen rund drei Millionen Firmen registriert sind. (sg)
Stand: 16.12.2025
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