Der CO2-Ausstoß in Deutschland soll kontinuierlich sinken – auch in Industrie- und Gewerbebetrieben. Dabei unterstützen können digitale Lösungen, die Transparenz schaffen und so Verhaltensänderungen ermöglichen. Energiekosten und CO2-Emissionen können damit um bis zu 15 Prozent reduziert werden.
(Quelle: MiaStendal/stock.adobe.com)
Der eigene Gesamtenergieverbrauch und dessen Zusammensetzung ist für viele Unternehmen in Deutschland eine Blackbox. Dabei ließen sich bereits mit wenig Aufwand dieEnergiekosten reduzieren und die CO2-Emissionen des Unternehmens verringern.
CO2-Emissionen senken: Die Messung ist entscheidend
Die Basis dafür ist, dass die einzelnen Strom-, Gas-, Wärme- sowie Wasserverbräuche unterschiedlicher Unternehmens- sowie Gebäudebereiche bekannt sind. Dazu müssen diese kontinuierlich gemessen und visualisiert werden. Vor allem in mittelständischen Gewerbebetrieben ist dafür viel Abstimmungsaufwand erforderlich und eine Datenpflege, die heute teilweise aufwendig manuell erfolgt. Die Lösung bieten digitale Tools, in denen alle Verbräuche einer Gewerbeliegenschaft gebündelt und für ein besseres Verständnis visuell aufbereitet werden.
Transparenz über alle Energieströme
MinuteView des Energiedienstleisters ista ist eine solche Softwarelösung. Es handelt sich dabei um ein digitales Power Tool zum effizienten Energiemanagement in Gewerbeimmobilien. Jahrelange Erfahrungen im britischen Markt zeigen: Einsparungen von bis zu 15 Prozent können realisiert werden. Möglich wird dies, indem alle Verbräuche, die in einem Unternehmen anfallen – von Wärme über Strom und Wasser bis zu Kälte – gebündelt und in einem Dashboard darstellt werden. Über verschiedene Schnittstellen der Messinfrastruktur fließen die Daten in das Tool ein. Die umfassende, Hardware übergreifende Datensammlung, schafft somit einfach und schnell Transparenz über alle Energieströme eines Gebäudes.
Je nach technischer Ausstattung ist eine stündliche, tägliche oder wöchentliche Visualisierung der gesammelten Daten möglich. Basierend auf den gebündelten Verbräuchen werden dann Verbrauchsprofile (Lastkurven im Zeitverlauf) erstellt. Somit können Verbrauchsspitzen identifiziert und Energieeffizienzmaßnahmen abgeleitet werden. Die Lastkurven zeigen an, wie sich der Verbrauch pro Zähler und Energieart (je nach Einstellung Tages-, Wochen- oder Monatsverlauf) entwickelt hat. Eine erste Einschätzung zum Energieverbrauch inklusive erster Ansatzpunkte für Verhaltensänderungen ist bereits nach kürzester Zeit möglich.
Das digitale Power Tool hat zudem eine integrierte Alarmfunktion, die im Falle von ungewöhnlichen Lastkurven oder Ausreißern eine schnelle Reaktion ermöglicht. Der Kunde legt einen Grenzwert fest, ab dem er per SMS oder E-Mail informiert werden möchte. So lassen sich zum Beispiel Anlagendefekte eher erkennen oder Verbrauchschwankungen besser identifizieren.
(Visualisierung macht Daten verständlicher: Trends, Muster und Ausreißer können auch in großen Datensätzen schneller erkannt werden. Bild: ista)
CO2-Einsparpotenziale identifizieren
Die CO2-Bepreisung und die Richtlinien der Klimapolitik beeinflussen zunehmend unternehmerische Entscheidungsprozesse. Dadurch wird auch die Darstellung der CO2-Verbräuche immer relevanter. Ein korrektes CO2-Reporting nach DIN EN ISO 14064 ist daher extrem wichtig. Die Norm ist die Grundlage für die Bilanzierung der eigenen Treibhausgasemissionen. Für viele Unternehmen sind ein solides Reporting und die Auditierung der Ergebnisse bisher oft nur mit großem Aufwand zu realisieren. Hier kann MinuteView ebenfalls unterstützen. Es werden beispielsweise alle für die CO2-Bilanzierung notwendigen Informationen nach DIN EN ISO 14064 im Dashboard illustriert.
Bedenkt man, dass es für die verschiedenen Energieträger unterschiedliche Grenzwerte gibt, Öl stößt z. B. mehr CO2 aus als Gas, bietet diese Automatisierung eine erhebliche Zeitersparnis und die Basis für eine effektive Klimastrategie. CO2-Einsparpotentiale lassen sich so im gesamten Verbrauch schnell identifizieren und eine Dekarbonisierung leichter angehen.
Technische Umsetzung in Gewerbeimmobilien: CO2-Emissionen senken
Die messtechnische Ausrüstung von Industrie- und Gewerbeimmobilen unterscheidet sich von der Ausstattung eines Wohnhauses mit Heizkostenverteilern, Wasser- und Stromzähler. Um zu bewerten, welche Ausstattung notwendig ist, wird vor Ort ein Messkonzept erstellt. Bei der Erstausstattung werden in den meisten Fällen M-Bus-Systeme implementiert. Die kabelgebundenen Zähler stellen sicher, dass auch über die in Gewerbeimmobilien relativ großen Distanzen zwischen den einzelnen Messstationen alle Daten zuverlässig übermittelt werden. Doch auch die Ausstattung mit reinen Funksystemen ist möglich. Aufgrund der Entfernungen zwischen den einzelnen Verteilern ist dabei erfahrungsgemäß die zusätzliche Installation von Gateways oder Repeater notwendig.
Für die Verbrauchserfassung können auch Fremdzähler in MinuteView eingebunden werden. Das ist auf zwei Wegen möglich. Entweder wird ein Sekundärzähler eingebaut, der die Daten des Primärzählers direkt übermittelt. Hierfür ist keine Abstimmung mit dem Betreiber des Hauptzählers erforderlich. Oder der Primärzähler, zum Beispiel des Stromversorgers, wird über eine technische Datenschnittstelle direkt angebunden. In diesem Fall muss allerdings eine Genehmigung für den Datentransport eingeholt werden. Digitale Power Tools unterstützen Gewerbe und Industrie dabei, Energiekosten und CO2-Emissionen zu reduzieren, indem Energieverbräuche nicht mehr über verschiedene Monitoring-Tools oder manuell erfasst werden müssen. In einem Dashboard werden alle Verbräuche dargestellt und die Informationen können gezielt abgerufen werden. Damit ist es möglich, Optimierungspotenzial an einzelnen Standorten schnell zu identifizieren und Kosten zu senken.
Stand: 16.12.2025
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(Bild: ista international GmbH)
Der Autor Christoph Klinck ist Head of Commercial & Industrial, bei der ista international GmbH.