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KI-Agenten im Einkauf Einkauf: Agentische KI bietet Chance für den Mittelstand

Ein Gastbeitrag von Dr. Markus Pascher 10 min Lesedauer

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KI im Einkauf: zu teuer, zu komplex und daher nur für Großunternehmen geeignet? Von wegen. Gerade mittelständischen Unternehmen bietet der Einsatz von KI-Agenten im Einkauf einen echten Wettbewerbsvorteil – und dies ohne Millionenbudget.

(Bild:  © Surjukanto Arts/stock.adobe.com - generiert mit KI)
(Bild: © Surjukanto Arts/stock.adobe.com - generiert mit KI)

darum geht‘s

Warum agentische KI im Einkauf bei mittelständischen Unternehmen eine echte Alternative zu E-Procurement-Lösungen bietet.

In welchen praktischen Einsatzfelder der Einsatz von KI-Agenten einen Mehrwert liefern kann.

Wie Verantwortliche  in vier Schritten eine realistische Roadmap für KI im Einkauf aufsetzen, ohne dass daraus ein Großprojekt wird.

Es ist 17:45 Uhr, und Sarah, Verantwortliche für den Einkauf in einem mittelständischen Unternehmen, sitzt noch am Schreibtisch. Vor ihr: Ein Stapel Lieferantenverträge, die verlängert werden müssen. Dazu offene Rechnungen, die auf den Dreiwegabgleich warten, und Bestellungen, die noch dringend freizugeben sind. Gar nicht zu reden von ihrer Inbox.

Das ist kein Einzelfall. Laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey verbringen Einkäufer im Mittelstand bis zu 60Prozent ihrer Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben, die keinen strategischen Mehrwert erzeugen, aber trotzdem täglich erledigt werden müssen. Was wäre, wenn ein großer Teil dieser Aufgaben automatisch bearbeitet würde – nicht durch starre Prozessautomatisierung, sondern durch einen digitalen Kollegen, der mitdenkt, lernt und eigenständig handelt?

Genau das verspricht agentische KI im Einkauf – künstliche Intelligenz, die nicht nur auf Anfragen reagiert, sondern selbst wahrnimmt, plant und handelt. Dieser Beitrag zeigt, warum das Thema für den Mittelstand heute so relevant ist, wo KI konkret Mehrwert liefert und wie eine realistische Einführung aussieht – ohne Großprojekt und Millionenbudget.

Benötigt der Einkauf ein E-Procurement-System?

Viele mittelständische Unternehmen sind bislang vor einer schwierigen Wahl gestanden: Entweder investieren sie in komplexe eProcurement-Plattformen wie SAP Ariba, Coupa, usw. mit langen Einführungsprojekten, erheblichem Aufwand und hohen Kosten, oder sie bleiben beim Status quo: Excel-Listen, E-Mail-Pingpong und manuelle Prozesse. Doch es gibt mittlerweile eine Alternative.

Agentic AI – also KI-Systeme, die nicht nur Text generieren, sondern selbstständig Aufgaben ausführen, Entscheidungen treffen und dabei aus Erfahrung lernen – können gezielt und schrittweise in bestehende Prozesse integriert werden. Sie brauchen keine komplette Systemlandschaft, die vorher auf den Kopf gestellt wird. Sie setzen auf dem auf, was schon da ist: ERP-Daten, Lieferantenverzeichnisse, bestehende Verträge. Der entscheidende Unterschied: Statt erst die perfekte Infrastruktur zu bauen und dann zu automatisieren, liefern KI-Agenten schon beim ersten Einsatz messbare Ergebnisse – und werden mit jedem Durchlauf besser.

Einsatz von KI-Agenten

Wie funktioniert ein KI-Agent? 

Ein KI-Agent ist ein autonomes System, das seine Umgebung wahrnimmt, zum Beispiel Datenbankeinträge, E-Mails oder Marktdaten. Dieser kann daraus Schlüsse ziehen, einen Plan entwickeln und selbstständig Aktionen ausführen, zum Beispiel eine Ausschreibung versenden, eine Rechnung prüfen oder einen Vertrag erstellen. Im Unterschied zu klassischer Automatisierung, die starren Regeln folgt, kann ein KI-Agent mit unstrukturierten Daten umgehen und auf neue Situationen reagieren.

Wo liefert KI im Einkauf konkrete Ergebnisse?

Es gibt bereits heute praktische Einsatzbereiche, in denen KI-Agenten im Einkauf binnen kurzer Zeit Mehrwert liefern können.

Sourcing: Von der Lieferantensuche zum automatisierten Angebotsverfahren

Stellen Sie sich vor, ein Entwickler gibt lediglich die Spezifikation eines Bauteils ein. Der KI-Agent identifiziert passende Lieferanten aus internen und externen Quellen, prüft automatisch deren ESG-Bewertung und finanzielle Stabilität, erstellt und verschickt eine Anfrage, wertet die Angebote nach vordefinierten Kriterien aus und empfiehlt das beste Angebot. Was früher mehrere Wochen dauerte, geht mit KI-Unterstützung in Stunden.

Rechnungsverarbeitung und Zahlungsautomatisierung

Die manuelle Rechnungsprüfung ist einer der größten Zeitfresser. Ein KI-Agent kann folgende Aufgaben übernehmen:

  • Rechnungsdaten automatisch per OCR (optischer Zeichenerkennung) erfassen
  • die Dreiwegprüfung (Bestellung – Wareneingang – Rechnung) automatisch durchführen
  • Ausnahmen und Abweichungen flaggen und zur menschlichen Prüfung eskalieren
  • konforme Rechnungen direkt zur Zahlung freigeben

Das Ergebnis: Die Verarbeitungskosten pro Rechnung sinken deutlich, Skontofristen werden zuverlässiger eingehalten, und die Accounts-Payable-Teams können sich auf echte Ausnahmefälle konzentrieren.

Vertragsmanagement: Kein Vertrag läuft unbemerkt aus

Verträge, die sich still und heimlich verlängern, weil niemand die Kündigungsfrist im Blick hatte – das kennt fast jeder Einkäufer. KI-Agenten können Verträge automatisch analysieren, relevante Klauseln extrahieren (Laufzeiten, Preisanpassungsregeln, Haftungsklauseln), Fristen überwachen und rechtzeitig Handlungsbedarfe melden.

Weiter gedacht können sie auch Vertragsentwürfe auf Basis von Standardvorlagen generieren und auf Basis des Verhandlungsstands anpassen. Unternehmen, die KI im Vertragsmanagement einsetzen, reduzieren laut EY-Studien den manuellen Prüfaufwand erheblich und vermeiden kostspielige Vertragslecks – also Fälle, in denen vereinbarte Konditionen nicht eingehalten werden.

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