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Grünes Rechenzentrum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei IT-Entscheidungen?

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 3 min Lesedauer

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Ob im Privat- oder im Arbeitsleben: Der Nachhaltigkeits-Gedanke beeinflusst Planungen und Entscheidungen immer mehr. Ein Umdenken zeichnet sich jetzt auch bei der Auswahl eines Rechenzentrums ab. Viele große Unternehmen und auch Behörden achten bei der Auswahl des Rechenzentrums mittlerweile verstärkt darauf, dass es nachhaltig ist.

(Quelle:  Robert Kneschke - Adobe Stock)
(Quelle: Robert Kneschke - Adobe Stock)

Grünes Rechenzentrum: Beim Thema Nachhaltigkeit denkt man bei Rechenzentren schnell an den enorm hohen Energieverbrauch. Schließlich verbrauchen Rechenzentren in Deutschland 16 TWh, das sind drei Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Wie effizient die verbrauchte Energie eingesetzt wird, gibt die „Power Usage Effectiveness“ (PUE) an. Der PUE-Wert setzt die verbrauchte Energie ins Verhältnis mit der Energieaufnahme der IT-Infrastruktur. Wenn die gesamte verbrauchte Energie des Rechenzentrums nur in die Energieaufnahme der IT-Infrastruktur flösse, wäre der Wert 1.

Grünes Rechenzentrum: So wenig Stromverbrauch wie möglich

Das ist real nicht möglich. Konventionelle Rechenzentren haben meist einen PUE-Wert von 2,0, sehr effiziente einen Wert von 1,3 oder darunter. Ein Rechenbeispiel: In einem weniger energieeffizienten Rechenzentrum mit einem PUE von 2,0 wird im Vergleich zu einem mit einem PUE von 1,3 bei gleicher IT-Leistung etwa 50 Prozent mehr Strom verbraucht. Dies zeigt: Nachhaltigkeit kann auch das Portemonnaie schonen und nicht nur die Umwelt. Viel entscheidender ist es allerdings, ein grünes Rechenzentrum so zu betreiben, dass der absolute Stromverbrauch so gering wie möglich ist. Ein guter PUE kann auch zu Lasten der effizient betriebenen IT gehen.

Viele Kriterien neben dem PUE-Wert

Immer mehr Unternehmen fragen daher: Woran erkenne ich ein Grünes Rechenzentrum? Auf welche Kriterien neben dem PUE-Wert sollte ich bei der Auswahl eines nachhaltigen Rechenzentrums achten? Bleibt man beim Strom, so kommen als größte Stromverbraucher die Großkomponenten wie z.B. USV-Anlagen und Kältemaschinen in den Blick. Bei Letzteren ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) ein guter Indikator für die Effizienz, sie stellt die Kälteleistung der Anlage und Anlagenkomponenten für die Kälteerzeugung ins Verhältnis zur dafür erforderlichen elektrischen Leistungsaufnahme.

Darüber hinaus kommt in vielen Rechenzentren für den Betrieb auch viel Wasser, aber auch Salz zur Aufbereitung des Wassers und Chemikalien bzw. Mikroorganismen wie Biozid zum Einsatz. Auch diese genutzten Ressourcen wirken sich auf die Nachhaltigkeit aus. Des Weiteren wird auch das Thema Wärmerückgewinnung immer wichtiger. Für eine hohe Verfügbarkeit kommen in der Regel auch Netzersatzaggregate zum Einsatz, diese verbrauchen Diesel, selbst wenn sie nur beim monat­lichen Lasttest eingeschaltet werden. Man merkt schnell: Wie beim Privateinkauf sollten auch im Rechenzentrum viele Faktoren beachtet werden – idealerweise sogar alle eingesetzten Anlagen, verbauten Materialien und Rohstoffe.

Grünes Rechenzentrum: Nachhaltigkeits-Zertifikate zur Orientierung

Neben dem PUE-Wert beschreiben viele weitere Faktoren die Nachhaltigkeit eines Rechenzentrums. Das macht es schwierig, von außen zu ­erkennen, ob es tatsächlich nachhaltig ist. Ideal wäre ein Gang durchs Rechenzentrum und ein eingehendes Gespräch mit dem Betreiberteam vor Ort. Inzwischen helfen aber auch Zertifikate für Rechenzentren wie der Energieeffizienz-Stempel des TÜViT oder auch das neue Umweltsiegel des Blauen Engel für Co-Location-­Rechenzentren bei der Orientierung. Namhafte Zertifizierungsinstitute beschäftigen sich aktuell mit der Entwicklung entsprechender Nachhaltigkeitszertifikate – eine Entwicklung, die sehr zu begrüßen ist.

So wird es Unternehmen noch leichter gemacht, Rechenzentren nach Nachhaltigkeitskriterien zu beurteilen. Zusätzlich geben die Zertifikate den Betreibern konkrete Anforderungen an die Hand, um ihre Rechenzentren noch nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten.

(Bild: AKQUINET)
(Bild: AKQUINET)

Der Autor Piet Wienke ist Data Center Consultant bei AKQUINET, dem Betreiber des ersten Co-Location-Rechenzentrums, das mit dem Blauen Engel ausgezeichnet wurde.

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