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KI-Agenten: Souveräne Lösungen für Unternehmen in Europa

Ein Gastbeitrag von Nico Bäumer 6 min Lesedauer

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Die Europäische Union will unabhängiger von Big-Tech-Konzernen werden. Zugleich versprechen KI-Agenten der US-amerikanischen Anbieter große Effizienzgewinne. Wie können Unternehmen in Europa beide Zielsetzungen vereinen?

(Bild:  © Journey Studio7/stock.adobe.com)
(Bild: © Journey Studio7/stock.adobe.com)

Dass fehlende digitale Souveränität reale Probleme verursachen kann, hat ein Vorfall am Internationalen Strafgerichtshof im letzten Herbst eindrucksvoll gezeigt. Nachdem der Chefankläger zeitweise keinen Zugriff mehr auf seine E-Mails hatte, entschied sich die Behörde für einen Wechsel von Microsoft zur deutschen Lösung openDesk. Auch andere Institutionen und Unternehmen stoßen ähnliche Projekte an und versuchen, den Souveränitätsgedanken praktisch umzusetzen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit mit den Effizienz- und Innovationspotenzialen von KI-Agenten in Einklang bringen lässt.

Schnell kommt dann auch die Frage auf, ob Europa durch das Beharren auf dem Souveränitätsprinzip Innovationen versäumt. Oder droht andererseits die Dystopie einer außer Kontrolle geratenen, unkontrollierbaren KI? Aus einer technologischen Frage wird dann nicht selten auch noch eine kulturelle Dimension abgeleitet, die asiatische Innovationskraft und US-amerikanischen Unternehmergeist europäischer Zurückhaltung oder gar Rückständigkeit gegenüberstellt.

Akademisierende Diskussionen auf diesem Niveau können wir uns in der Praxis allerdings nicht mehr leisten. Schließlich ist beides Realität: Geopolitische Spannungen, die Abhängigkeiten hinterfragen lassen, und KI-Agenten, die immer leistungsfähiger und zum festen Bestandteil von Unternehmensstrategien werden. Für uns als IT-Dienstleister geht es darum, wie wir einen Mittelweg finden können, der die kontrollierte und Compliance-konforme Nutzung von KI-Agenten für europäische Unternehmen ermöglicht.

Wie lassen sich KI-Agenten und Modelle entkoppeln?

Aus der privaten und teilweise auch beruflichen Nutzung generativer KI sind es viele Menschen gewohnt, „künstliche Intelligenz“ mehr oder weniger synonym mit einem bestimmten Anbieter oder Modell zu verwenden, wie ChatGPT, Claude, Copilot oder Gemini. Viele Anwender bleiben ihrem präferierten Chatbot treu. Um Unternehmens-KI und vor allem Agenten für Unternehmen besser zu verstehen, müssen wir uns von diesen Vorstellungen lösen. Dies beginnt damit, dass es sich bei KI-Agenten in Unternehmen in den meisten Fällen nicht um eine monolithische All-in-one-Lösung handelt.

Das wird der Realität von gewachsenen und regulierten Geschäftsprozessen nicht gerecht. Stattdessen geht es darum, KI so in diese Prozesse zu integrieren, dass sie dort im Rahmen konkreter Anforderungen direkt Mehrwert liefert. Agenten, die darauf ausgelegt sind, können hochspezialisiert sein. Somit muss gar nicht immer ein Large Language Model (LLM) im Hintergrund laufen, auch Zugriff auf das Internet ist nicht zwingend notwendig. Ein KI-Agent kann auch auf einem lokalen Small Language Model (SLM) basieren und nur mit unternehmenseigenen Daten arbeiten. Dies wäre das höchste Level an Souveränität – für viele Anwendungsfälle aber weder wirtschaftlich sinnvoll noch notwendig.

Stufen der KI-Souveränität

Level 1: Anbindung der großen LLMs: Höchste Performanz und Verfügbarkeit, aber nur für unkritische Workloads geeignet.

Level 2: Nutzung europäischer LLMs gehostet in lokalen Clouds: Mehr Sicherheit durch geregelte EU-Datenresidenz – guter Kompromiss.

Level 3: Selbst gehostete LLMs: Hohe Kontrolle, aber auch Infrastruktur und Kostenfaktor. Skalierbarkeit eingeschränkt.

Level 4: Lokale SMLs (offline): Eingeschränkte Anwendungsbereiche, aber überschaubare Ressourcen und durch Abschottung maximale Kontrolle möglich. Prinzipiell auch für kritische Daten geeignet.

Anbindung verschiedener KI-Modelle über APIs

Wichtig ist deshalb, dass Unternehmen die Flexibilität und Wahlfreiheit haben, wie sie die in ihre Software integrierten KI-Agenten betreiben wollen. APIs und offene Interoperabilitätsstandards ermöglichen es, dass verschiedene Modelle angebunden werden können – von lokal gehostet, über europäische Anbieter in heimischen Clouds bis hin zu den großen LLMs. Die Wahlfreiheit und Austauschbarkeit machen einen großen Teil von Souveränität aus. Außerdem trägt dieser Aspekt zur Resilienz von Infrastrukturen bei, wie sie beispielsweise durch Regularien wie DORA gefordert wird. 

Souveränität umfasst dabei mehr als die Wahl des Modells. Sie betrifft den gesamten Agenten-Stack: die Kontrolle über Unternehmensdaten, die Orchestrierungsebene, die definierten Aktionen und Werkzeuge eines Agenten sowie die Nachvollziehbarkeit seiner Entscheidungen. Eine belastbare Souveränitätsstrategie berücksichtigt all diese Aspekte – und nicht nur die Frage, welches LLM im Hintergrund läuft.

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