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KI-Strategie

KI-Agenten: Wenn sie kommen, bricht die alte IT

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KI-Agenten: Was führende Unternehmen anders machen

Aus den jüngsten Studien und Marktentwicklungen lassen sich folgende Muster der Vorreiter ableiten:

  • Sie denken in Systemen, nicht in Tools: Agentische KI wird nicht als Feature eines Chatbots verstanden, sondern als neue Ausführungsschicht: eine operative Ebene, auf der digitale Arbeitskräfte Aufgaben in Service, Backoffice, Softwareentwicklung oder Planung eigenständig abarbeiten. Betriebsplattform. 
  • Sie koppeln Modellwahl von Infrastrukturstrategie: Hyperscaler wie AWS und Plattformanbieter wie Nvidia signalisieren offen, dass sie die Orchestrierungs- und Infrastruktur-Schicht besetzen wollen, während Modelle zunehmend austauschbar werden. Reife Unternehmen prüfen deshalb bewusst Multi-Modell-Strategien, aber auf einer konsistenten Sicherheits-, Daten- und
  • Sie investieren früh in Governance-Frameworks: Anbieter wie Atos, DataRobot und andere zeigen, wie Enterprise-taugliche Agenten-Architekturen Governance, Transparenz und Nachvollziehbarkeit zentral stellen, inklusive klarer Nachweise, wie Entscheidungen zustande kommen, welche Daten genutzt wurden und welche Eingriffsrechte Menschen behalten. Vorreiter bauen solche Frameworks, bevor Agenten in kritische Prozesse vordringen.
  • Sie professionalisieren den DACH-Diskurs: Im deutschsprachigen Raum ist ein klarer Reife-Sprung sichtbar: Die Frage ist nicht mehr, ob generative KI eingesetzt wird, sondern in welchen Funktionen KI-Agenten als nächstes einen stabilen Geschäftswert liefern, etwa im Service, in der Wissensarbeit, in der Softwareentwicklung oder in ausgewählten Backoffice-Prozessen.

Agenda: Fünf Aufgaben für die nächsten 24 Monate

Für C‑Level‑Verantwortliche lässt sich aus diesen Entwicklungen folgende Agenda für die kommenden 24 Monate ableiten.

1. Infrastruktur-Entscheidung: Wo entsteht Ihre KI-Fabrik?

  • Treffen Sie eine explizite Entscheidung, ob Ihre „AI Factory“ primär bei einem Hyperscaler, in einem hybriden Setup oder in spezialisierten KI-Rechenzentren liegen soll. 
  • Bewerten Sie dabei nicht nur reine Compute-Kosten, sondern auch Latenz, Datensouveränität, Energiestrategie und die Fähigkeit, mehrere Modelle und Agentenplattformen konsistent zu betreiben.
  • Prüfen Sie Partnerschaften mit Anbietern, die bereits integrierte Stacks für agentische Workloads bieten, von Hyperscalern wie AWS mit Bedrock und Managed Agents bis hin zu physischen AI-Factories wie Nvidia.

2. Operating Model: Agenten als „Silicon Workforce“ designen

  • Treffen Sie eine explizite Entscheidung, ob Ihre „AI Factory“ primär bei einem Hyperscaler, in einem hybriden Setup oder in spezialisierten KI-Rechenzentren liegen soll. 
  • Bewerten Sie dabei nicht nur reine Compute-Kosten, sondern auch Latenz, Datensouveränität, Energiestrategie und die Fähigkeit, mehrere Modelle und Agentenplattformen konsistent zu betreiben.
  • Prüfen Sie Partnerschaften mit Anbietern, die bereits integrierte Stacks für agentische Workloads bieten, von Hyperscalern wie AWS mit Bedrock und Managed Agents bis hin zu physischen AI-Factories wie Nvidia.

3. Governance & Risiko: Neue Leitplanken für Maschinen

  • Erarbeiten Sie ein spezifisches Governance-Framework für agentische KI, das Delegationsrechte, Eingriffsmechanismen und Eskalationspfade formal beschreibt. 
  • Verankern Sie Compliance-Anforderungen, etwa Geldwäscheprävention, Kundenschutz oder Dokumentationspflichten, explizit in den technischen Guardrails Ihrer Agentenplattform, nicht nur in PowerPoint-Richtlinien.
  • Richten Sie ein zentrales Gremium (z. B. „AI Risk & Governance Committee“) ein, das Technik, Legal, Compliance und Fachbereiche zusammenbringt.

4. Daten- und Sicherheitsarchitektur: Identitäten, Zugriffe und Budgets

  • Führen Sie ein Identitäts- und Zugriffsmodell ein, das Agenten als eigene Principals mit klaren Rechten, Budgets und Protokollierung behandelt. 
  • Segmentieren Sie kritische Systeme so, dass Agenten nur den minimal notwendigen Zugriff erhalten und dass Zugriffe in Echtzeit überwacht und bei Anomalien automatisch gestoppt werden können.
  • Integrieren Sie AI-native Security-Funktionen wie Anomalieerkennung oder Policy-Monitoring direkt in die KI-Agentenplattform, statt sie nachträglich „drumherum“ zu bauen.

5. Portfolio-Management: Von Use Cases zu Agentic Domains

  • Beenden Sie die Phase der isolierten Leuchtturmprojekte. Stellen Sie Ihr Portfolio auf „agentic domains“ um; etwa Service, Claims, Collections, Procurement, Software Delivery. 
  • Für jede Domain definieren Sie ein Zielbild: Welche Arbeitsschritte können in den nächsten 12-24 Monaten vollständig oder teilweise agentisch ausgeführt werden? Welche Mensch-Agent-Schnittstellen sind kritisch?
  • Verknüpfen Sie Investitionsentscheidungen mit klaren Transformationsmetriken, zum Beispiel Durchlaufzeiten, First-Contact-Resolution, Fehlerquoten und Energie- oder Compute-Effizienz, nicht nur mit abstrakten „Produktivitätsgewinnen“.

Checkliste: Acht Fragen für die nächste Aufsichtsratssitzung

Hier eine pragmatische Checkliste, die Sie direkt in die nächste Aufsichtsratssitzung mitnehmen können. Wer diese Fragen beantwortet, kann KI-Agenten als neuen Infrastruktur-Layer für Wettbewerbsfähigkeit nutzen:

  • Haben wir eine explizite Infrastrukturstrategie für agentische KI oder betreiben wir einzelne Modelle und Agenten auf „Best Effort“ in unserer bestehenden Cloud? 

  • Wissen wir, in welchen Geschäftsdomänen Agenten in den nächsten zwei Jahren den größten wirtschaftlichen Hebel haben und wo sie aus regulatorischen oder Reputationsgründen tabu bleiben sollten?

  • Verfügen wir über ein Governance-Framework, das Delegation an Agenten, Eingriffsrechte und Haftung klar regelt, inklusive Audit-Trails auf Systemebene? 

  • Können wir heute auflisten, welche Agenten mit welchen Rechten und Budgets in unseren Kernsystemen aktiv sind und wer dafür verantwortlich zeichnet?

  • Haben wir ein Operating Model definiert, in dem Menschen systematisch mit Agenten zusammenarbeiten, statt sie nur als „smarte Assistenz“ zu betrachten? 

  • Wie stellen wir sicher, dass wir nicht in eine versteckte Abhängigkeit von einzelnen Agenten-Stacks oder proprietären AI-Factories geraten, die unsere strategische Handlungsfähigkeit einschränken?

  • Sind unsere Sicherheits- und Compliance-Funktionen organisatorisch und technisch auf autonome Systeme vorbereitet oder arbeiten sie nach wie vor ausschließlich mit menschlichen Identitäten und Prozessen? 

  • Wie messen wir den Erfolg unserer Agenten-Initiativen und wie fließen diese Kennzahlen in strategische Entscheidungen auf Vorstandsebene ein?

Heiner Sieger KI-AgentenHeiner Sieger
ist Chefredakteur der Fachpublikationen Digital Business Magazin und e-commerce magazin.

Bildquelle: Heiner Sieger

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