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Quantencomputing Quantentechnologie: Zukünftige Politikpläne in Deutschland und Europa

Ein Gastbeitrag von Janek Kuberzig 5 min Lesedauer

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Quantentechnologie gilt neben künstlicher Intelligenz als eine der Technologien, die Wirtschaft und Wissenschaft grundlegend verändern werden. Sie könnten komplexe Probleme, etwa in der Materialforschung oder Optimierung globaler Lieferketten, in Sekunden lösen, für die heutige Supercomputer Wochen oder Monate benötigen.

(Bild:  © www.freund-foto.de/stock.adobe.com)
(Bild: © www.freund-foto.de/stock.adobe.com)

Im weltweiten Rennen um die Quantentechnologie investieren Staaten und Unternehmen Milliarden. Deutschland und die EU verfolgen dabei ambitionierte Strategien, um in diesem Zukunftsfeld nicht nur mitzuhalten, sondern eine Führungsrolle einzunehmen. Die Bundesregierung betrachtet Quantentechnologie als eine von sechs Schlüsseltechnologien in der „Hightech Agenda Deutschland“.

Die Schlüsseltechnologien sind für die wirtschaftliche Stärke und technologische Unabhängigkeit entscheidend. Ziel ist es, bis 2030 u.a. mindestens zwei fehlerkorrigierte Quantencomputer zu bauen und der Forschung wie auch der Industrie zugänglich zu machen. Fehlerkorrektur ist ein entscheidender Schritt, weil Quantenbits, sogenannte Qubits, sehr störanfällig sind. Erst durch aufwendige Korrekturverfahren werden sie zuverlässig nutzbar und damit für anspruchsvolle Anwendungen interessant.

Start von Pilotenprojekten mit Quantentechnologie

Für Anwender bedeutet das: Wer sich schon heute mit Quantenalgorithmen, Simulationen oder hybriden Ansätzen beschäftigt, kann bald auf deutlich leistungsfähigere Systeme zugreifen. Zunächst über Testzugänge in Forschungseinrichtungen, später über kommerzielle Plattformen. Branchen wie Chemie, Automotive, Logistik oder Finanzdienstleistungen sollten bereits jetzt Pilotprojekte starten, um Expertise aufzubauen und später den Vorsprung nutzen zu können.

Um das Ziel zu erreichen, setzt Deutschland auf mehrere Maßnahmen: Ein Hardware-Wettbewerb, der Ende 2025 startet, soll verschiedene Technologieplattformen gegeneinander antreten lassen, um den besten Ansatz für skalierbare Systeme zu finden. Vergleichbar mit einem Innovationswettbewerb im Start-up-Bereich, nur auf höchstem Hightech-Niveau. Parallel dazu wird die Entwicklung eines offenen und modularen Software-Stacks gefördert, damit Anwendungen zwischen verschiedenen Systemen portierbar bleiben.

Für Unternehmen heißt das: Künftige Softwarelösungen sollen herstellerunabhängig laufen – ein wichtiger Faktor, um früh entwickelte Anwendungen später flexibel einsetzen zu können. Junge Unternehmen erhalten bessere Rahmenbedingungen, um als Systemintegratoren zu agieren oder Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte zu überführen. Auch die Integration von Quantencomputern in bestehende Hochleistungsrechenzentren (HPC) wird vorangetrieben, um hybride Systeme zu erproben. Das eröffnet Entwickler*innen die Möglichkeit, bestehende HPC-Workflows gezielt mit Quantenmodulen zu kombinieren.

Weitere Bereiche der Quantentechnologie in der Hightech Agenda

Neben dem Quantencomputing adressiert die Hightech Agenda Deutschland auch weitere Bereiche der Quantentechnologie, insbesondere Quantensensorik und Quantenkommunikation. Quantensensoren ermöglichen etwa deutlich präzisere Messverfahren, zum Beispiel in der Medizintechnik, der Umweltüberwachung oder der industriellen Qualitätssicherung. Quantenkommunikation zielt auf besonders sichere Formen der Datenübertragung, etwa für kritische Infrastrukturen. Der Schwerpunkt dieses Beitrags liegt dennoch auf dem Quantencomputing, da hier derzeit die größten industriepolitischen Hebel gesehen werden und sich die politischen Maßnahmen besonders stark auf Anwendungen, Skalierung und Marktzugang konzentrieren.

Ab 2026 sollen zudem drei industrielle Pilotlinien den Sprung von der Forschung zur Fertigung schaffen. Wer in den kommenden zwei bis drei Jahren Pilotkooperationen eingeht, kann hier frühzeitig von entstehenden Fertigungskapazitäten profitieren. Deutschlands Stärken liegen in der weltweit führenden Forschung, einer öffentlichen Investitionsbereitschaft
und dynamischen Start-up-Szene. Defizite bestehen beim Zugang zu Wagniskapital im internationalen Vergleich sowie beim Fehlen großer Technologiekonzerne als Systemintegratoren. Auch die Europäische Union hat mit der Quantum Europe Strategy eine klare Vision: Europa soll zu einer globalen Quanten-Industriemacht werden.

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