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Recht Die lange Suche nach einem Datenschutz-Siegel

Ein Gastbeitrag von Melanie Ludolph Melanie Ludolph 3 min Lesedauer

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Viele Unternehmen suchen erfolglos nach einem Datenschutz‑Siegel, das bei Dienstleistern schnelle Sicherheit bietet. Doch Logos ersetzen keine Prozesse. Wer wirklich bewerten will, muss Organisation, Nachweise und Zuständigkeiten prüfen.

(Bild:  © fotomek/stock.adobe.com)
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DARUM GEHT'S

Datenschutz-Siegel: Trotz klaren Bedarfs gibt es keinen allgemein anerkannten Standard, der Datenschutzkompetenz ähnlich wie ISO-Normen einfach nachweisbar macht.

Fragebogen-Realität: Mangels einheitlicher Zertifizierung dominieren individuelle Prüfungen mit umfangreichen Fragebögen und wiederkehrenden Dokumentationsanforderungen.

Zertifizierungsidee ohne Durchbruch: Zwar waren Gütesiegel und DSGVO-Zertifizierungen vorgesehen, ein breit akzeptierter Marktstandard hat sich jedoch nicht etabliert.

Organisation statt Logo: Der tatsächliche Datenschutz-Reifegrad zeigt sich ohnehin eher in Prozessen, Transparenz und Zuständigkeiten als in einem einzelnen Siegel.

In der Beratungspraxis taucht immer wieder die Frage auf, woran man eigentlich erkennt, ob ein Unternehmen Datenschutz „kann“. Die Frage ist nachvollziehbar. Wer mit Dienstleistern zusammenarbeitet, möchte Risiken einschätzen können. Schließlich gibt es für viele Bereiche etablierte Nachweise: ISO 27001 für Informationssicherheit, TISAX in der Automobilbranche oder Wirtschaftsprüfertestate für Finanzinformationen. Beim Datenschutz fällt die Antwort dagegen überraschend schwer aus.

Ein Zertifikat wäre die ideale Lösung. Ein Blick auf ein Siegel und viele Fragen scheinen beantwortet. Genau dieses Siegel sucht die Praxis jedoch bis heute.

Melanie Ludolph, Rechtsanwältin bei Fieldfisher

Der Wunsch nach einem Nachweis

Wer personenbezogene Daten an einen Dienstleister übermittelt, muss sich zwangsläufig mit dessen Datenschutzorganisation beschäftigen. Die Folge sind häufig umfangreiche Fragebögen, Dokumentenanforderungen und Prüfungen. Dahinter steckt ein nachvollziehbares Interesse auf beiden Seiten. Auftraggeber suchen nach einem objektiven Maßstab, um Risiken bewerten zu können. Dienstleister wiederum möchten ihren Datenschutzstandard möglichst einfach und nachvollziehbar belegen. Ein Zertifikat wäre dafür die ideale Lösung. Ein Blick auf ein Siegel und viele Fragen scheinen beantwortet. Genau dieses Siegel sucht die Praxis jedoch bis heute.

Eigentlich war die Idee schon da

Dabei ist der Gedanke keineswegs neu. Bereits unter dem alten Bundesdatenschutzgesetz gab es Datenschutz-Gütesiegel und Zertifizierungsmodelle. Auch die DSGVO hat Zertifizierungen ausdrücklich aufgegriffen. Die Verordnung sieht sogar eigene Datenschutz-Zertifizierungen vor. Wer damals auf eine Art „ISO für Datenschutz“ gehofft hat, konnte durchaus davon ausgehen, dass sich ein solcher Standard entwickeln würde. Passiert ist etwas anderes.

Der Markt der Fragebögen

Zwar gibt es einzelne Zertifizierungsansätze und branchenspezifische Modelle. Ein allgemein anerkannter Standard hat sich daraus bislang jedoch nicht entwickelt. Das ist bemerkenswert. Denn der Bedarf ist offensichtlich vorhanden. Kaum ein Unternehmen prüft heute einen Dienstleister ausschließlich auf Basis von Werbeaussagen oder Datenschutzhinweisen. Stattdessen dominieren individuelle Prüfungen.

Wer regelmäßig Auftragsverarbeitungsverträge begleitet, kennt das Phänomen: Unternehmen verschicken umfangreiche Datenschutzfragebögen, fordern technische und organisatorische Maßnahmen an oder lassen ganze Prüfkataloge ausfüllen. Auf der anderen Seite beantworten Dienstleister dieselben Fragen immer wieder neu. Was eigentlich durch einen standardisierten Nachweis vereinfacht werden könnte, wird individuell geprüft.

Mehr als ein Zertifikat

Vielleicht liegt darin auch eine Chance. Denn die Frage, ob ein Unternehmen Datenschutz „kann“, lässt sich möglicherweise ohnehin nicht durch ein einzelnes Siegel beantworten. Datenschutz zeigt sich oft dort, wo niemand hinschaut: in klaren Zuständigkeiten, dokumentierten Prozessen, einem strukturierten Umgang mit Dienstleistern oder der Fähigkeit, neue Themen wie KI kontrolliert einzuführen. Wer als Kunde oder Geschäftspartner nach Anhaltspunkten sucht, sollte deshalb weniger auf Logos und Werbeaussagen schauen. Häufig verrät bereits der Umgang mit Rückfragen viel über den tatsächlichen Reifegrad eines Unternehmens. Werden Datenschutzfragen transparent beantwortet? Liegen Unterlagen vor? Gibt es feste Ansprechpartner und nachvollziehbare Prozesse?

Wer nach einem Siegel sucht, wird deshalb möglicherweise enttäuscht. Wer auf die Organisation dahinter schaut, erhält häufig die aussagekräftigere Antwort.

Shadow AIMelanie Ludolph
ist Rechtsanwältin bei der europäischen Wirtschaftskanzlei Fieldfisher. Seit fast zehn Jahren berät sie Unternehmen und internationale Konzerne aus verschiedenen Branchen zu allen Aspekten des Datenschutzrechts sowie angrenzenden Rechtsgebieten.

Bildquelle: Fieldfisher

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